Scam-Zentren: Kambodscha liefert mutmaßlichen Online-Betrüger nach China aus
Kambodscha hat den mutmaßlichen Online-Betrüger Chen Zhi ausgeliefert. Der Vorfall steht im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung von über 120.000 Bitcoins.
(Bild: Wit Olszewski/Shutterstock.com)
Kambodscha hat den prominenten Geschäftsmann Chen Zhi, dem milliardenschwerer Online-Betrug vorgeworfen wird und der deswegen in den USA angeklagt ist, nach China ausgeliefert. Chen Zhi sowie zwei weitere chinesische Staatsbürger seien „innerhalb der Zusammenarbeit beim Kampf gegen grenzüberschreitendes Verbrechen“ festgenommen und anschließend an China übergeben worden, teilte das Innenministerium in Phnom Penh mit. China habe zuvor ein Auslieferungsersuchen gestellt.
Beim ausgelieferten Chen Zhi handelt es sich Berichten der staatlichen kambodschanischen Nachrichtenagentur AKP zufolge um den Gründer und Vorsitzenden der im Land ansässigen Prince Holding Group.
Die Geschäftsgruppe ist nach eigenen Angaben unter anderem in den Bereichen Immobilien, Finanzen und Logistik tätig. Chen Zhi sei im Dezember infolge eines königlichen Dekrets die kambodschanische Staatsangehörigkeit entzogen worden, hieß es in der Erklärung des Innenministeriums. Die Prince Group wurde darin nicht erwähnt.
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Chinas Ministerium für öffentliche Sicherheit bestätigte die Auslieferung. Chen Zhi würden unter anderem Betrug und illegale Geschäftstätigkeiten vorgeworfen, teilte die Behörde mit. Das chinesische Staatsfernsehen veröffentlichte Bilder, wie zwei Polizisten den Chinesen aus einem Flugzeug führten. Die Volksrepublik habe seit geraumer Zeit mit Ländern wie Kambodscha zusammengearbeitet, um grenzüberschreitenden Telekommunikationsbetrug zu bekämpfen, und dabei bedeutende Ergebnisse erzielt, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking.
Verfahren in den USA
Gegen den Chef des Unternehmens läuft in den USA ein Verfahren wegen Überweisungsbetrugs und Geldwäsche. Eine entsprechende Klage hatte das US-Justizministerium im Oktober bei einem Gericht in New York eingereicht. Chen Zhi wird unter anderem vorgeworfen, Anlagebetrügereien mit Kryptowährungen – auch „Schweineschlacht-Betrug“ genannt – im großen Stil durch sein Unternehmen in ganz Kambodscha angeführt zu haben. Die Prince Group habe dazu sogenannte Scam-Zentren eingerichtet, in denen Menschen gegen ihren Willen gearbeitet hätten.
In diesem Zusammenhang beschlagnahmten die US-Behörden 127.271 Bitcoin. Der Wert des Kryptovermögens entsprach zu dem Zeitpunkt etwa 15 Milliarden Dollar (derzeit etwa 12,8 Milliarden Euro). Es sei dabei um die größte Beschlagnahme-Aktion in der Geschichte des Justizministeriums gegangen, hieß es.
(rah)