Revolverhelden im 4K-Duell: Die glorreichen Sieben im Heimkinotest

Horst Buchholz gegen Eli Wallach: Der starbesetzte Klassiker wurde aufwendig restauriert. Kann der Mythos dem Original von Kurosawa das Wasser reichen?

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Die Glorreichen Sieben

(Bild: The Mirisch Company / Alpha)

Lesezeit: 21 Min.
Von
  • Timo Wolters
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Es ist ein besonderes Ereignis für hiesige Western-Fans und Sammler: Capelight Pictures hat einen der einflussreichsten Klassiker der Filmgeschichte erstmals in Deutschland auf Ultra HD Blu-ray veröffentlicht. John Sturges' Die glorreichen Sieben aus dem Jahr 1960 ist ein Werk, das über die Jahrzehnte nichts von seiner Strahlkraft verloren hat, was nicht zuletzt das groß angelegte Remake von Antoine Fuqua im Jahr 2016 bewies. Doch während die Neuverfilmung primär moderne Action-Konventionen bediente, bleibt das Original ein faszinierendes Dokument für den Übergang vom klassischen Hollywood-Kino zur Ära der großen Ensemble-Filme.

Der Release bietet nun die Gelegenheit, sich intensiv mit der Restaurierung dieses Meisterwerks auseinanderzusetzen, das nicht nur ein Genre prägte, sondern auch eine Brücke zwischen der östlichen und westlichen Filmphilosophie schlug.

In diesem Test der neuen Restauration gehen wir auf die Unterschiede zur Vorlage „Die sieben Samurai“ von Akira Kurosawa ein und schauen auf das große Erbe des Films, der in Hollywood zahlreiche Fortsetzungen nach sich zog und die Populärkultur über Westworld bis zum Terminator und sogar Star Wars beeinflusste. Bevor wir auf den folgenden Seiten die Ton- und Bildqualität der Blu-Ray Ultra HD (UHD) im Vergleich zu den bisherigen Blu-ray Discs und der Streaming-Fassung vergleichen, gehen wir auf die inhaltlichen Unterschiede zum japanischen Original und den kulturellen Einfluss ein.

Die Geschichte führt uns in ein abgelegenes, verarmtes mexikanisches Dorf, das seit langer Zeit unter den grausamen Überfällen des Banditenführers Calvera, kongenial und skrupellos verkörpert von Eli Wallach, leidet. Wallach sollte später in „Zwei glorreiche Halunken“ sogar Clint Eastwood und Lee van Cleef an die Wand spielen. Calvera und seine schwer bewaffneten Schergen plündern jedenfalls die Dorfbewohner regelmäßig bis aufs letzte Hemd aus, was die Gemeinschaft an den Rand des physischen und moralischen Abgrunds treibt. In ihrer Not fassen die Bauern einen verzweifelten Plan: Sie wollen sich nicht länger kampflos ergeben. Sie sammeln ihre kläglichen Ersparnisse und machen sich auf die Suche nach professionellen Kämpfern, die bereit sind, für einen Hungerlohn ihr Leben zu riskieren.

Yul Brynner (Mitte) führte das Septett an. Im Film „Westworld“ drehte er 13 Jahre später die Figur des Helden im schwarzen Hemd in die eines amoklaufenden Roboters um und schuf damit eine Blaupause für die späteren Terminator-Filme.

(Bild: The Mirisch Company / Alpha)

Auf ihrer Suche treffen sie auf Chris Adams (Yul Brynner), einen wortkargen, schwarz gekleideten Revolverhelden. Er erkennt die Hoffnungslosigkeit der Bauern, aber auch ihre wachsende Entschlossenheit. Chris beginnt, ein Team um sich zu scharen, das so heterogen wie schlagkräftig ist. Ihm schließen sich sechs weitere Männer an, die alle ihre eigenen, oft dunklen Beweggründe für diesen vermeintlichen Himmelfahrtsauftrag haben. Da ist sein loyaler Freund Harry (Brad Dexter), der zwiegespaltene Vin (Steve McQueen), der seine Spielsucht und innere Unruhe hinter einer Maske aus Coolness verbirgt, der elegante, aber innerlich zerbrochene Lee (Robert Vaughn), der wortkarge Bernardo (Charles Bronson), der eine überraschend sanfte Seite zeigt, der messerschwingende Spezialist Britt (James Coburn) und schließlich der junge, ungestüme Chico (Horst Buchholz), der sich seinen Platz in dieser Welt erst noch erkämpfen muss. Gemeinsam befestigen sie das Dorf, bilden die Bauern aus und bereiten sich auf die finale Konfrontation mit Calvera vor, die das Schicksal aller Beteiligten für immer verändern wird.