Handy im Winter: So überstehen Smartphones Eis und Schnee

Extreme Temperaturen stellen Smartphones vor einige Herausforderungen. Mit diesen Tipps gibt das Handy auch im Winter nicht auf.

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Smartphone im Schnee

Smartphone im Winter

(Bild: Steffen Herget / heise medien)

Lesezeit: 6 Min.
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Wenn die Schneeflocken tanzen und die Schlittschuhe übers Eis kratzen, haben Smartphones mit der Kälte zu kämpfen. Moderne Geräte stecken Schnee, Frost und Nässe zwar besser weg als ältere Modelle, einige Probleme bleiben allerdings.

Bis in die unteren Preisklassen hinein haben sich OLED-Panels bei den Smartphonedisplays durchgesetzt, und das ist im Winter eine gute Nachricht. Bei LCD-Displays sorgt die Kälte dafür, dass die Viskosität der Flüssigkristalle abnimmt. Zudem verändern sich weitere Parameter wie der Dielektrizitätskoeffizient. Dadurch bewegen sich die Moleküle langsamer, das Display reagiert nur noch träge. Im Extremfall ist ein Bildschirm dann überhaupt nicht mehr zu gebrauchen, weil er in einem Zustand verharrt.

OLED-Displays bleiben auch bei Minustemperaturen in der Regel benutzbar. Bei extremem Frost leiden sie zwar auch, allerdings in geringerem Maße. Oft bleibt es dabei, dass Touchsignale nicht mehr zuverlässig beim ersten Mal erkannt werden. Dagegen lässt sich bei manchen Modellen in den Systemeinstellungen Abhilfe schaffen. Wenn es dort einen Handschuhmodus gibt, sollten Sie ihn einschalten, er erhöht die Empfindlichkeit des Touchscreens. Zudem gibt es Handschuhe mit leitenden Fingerspitzen mittlerweile schon für wenig Geld. Damit lässt sich das Smartphone auch bedienen, ohne die Handschuhe auszuziehen.

Viele moderne Smartphones halten Wasser und Staub aus. Gegen Kondenswasser hilft das aber nur bedingt.

(Bild: Steffen Herget / heise medien)

Wesentlich gefährlicher ist die Kälte für den Akku. Der fühlt sich bei Raumtemperatur am wohlsten, Frost und Hitze stören die chemischen Abläufe in der Zelle. Die meisten Hersteller geben einen Temperaturbereich zwischen 0 °C und 35°C für ihre Akkus an, optimal für die Nutzung sind Temperaturen rund um 20 °C. Abgeschaltet zur Lagerung darf es auch etwas kühler sein, aber nicht frostig. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt machen das Elektrolyt im Akku zäher, die Ionen bewegen sich langsamer und die Kapazität sinkt merklich. Das kann zu einem rapiden Abfall der Kapazität und, bei fortgesetzter Kälte, zu dauerhaften Schäden führen. Viele Smartphones schalten sich zum Schutz irgendwann automatisch aus, um einer schädlichen Tiefentladung durch die Kälte zuvorzukommen. Das Aufladen dauert in der Kälte wesentlich länger als bei gemäßigten Temperaturen und stresst den Akku stärker.

Daraus ergeben sich mehrere Ratschläge. Lassen Sie Ihr Smartphone, aber auch andere Kleingeräte wie Navis oder Kameras, nicht länger im kalten Auto liegen. Laden Sie sie nicht direkt auf, wenn der Frost den Akku in die Knie gezwungen hat, sondern warten Sie damit, bis es sich bei Raumtemperatur langsam aufgewärmt hat.

Die meisten aktuellen Smartphones besitzen verklebte Gehäuse, die gegen Staub und zumindest Spritzwasser, oft sogar gegen zeitweises Untertauchen geschützt sind. Das raubt einem Sturz in den Schneematsch oder eine Pfütze den Schrecken. Feuchtigkeit kann trotzdem zum Problem werden, uns zwar in Form von Kondenswasser. Das kann sich auch im Inneren bilden, vor allem bei schnellen Temperaturwechseln. Hier sollten Sie deshalb Vorsicht walten lassen und Ihr Gerät behutsam auftauen, wenn Sie von der Kälte wieder ins Haus kommen. Wer dem Wasserschutz des Herstellers nicht traut, oder ein nicht wasserdichtes Handy besitzt, investiert am besten ein paar Euro in eine Schutzhülle oder wasserdichte Tragetasche. Zur Not tut es auch eine Plastiktüte.

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1. Der richtige Transport

Die einfachsten Lösungen sind manchmal die wirksamsten: Tragen Sie Ihr Smartphone am besten nah am Körper, dann kühlt es nicht aus. Die Innentasche ist der Außentasche also vorzuziehen. Auch im Rucksack oder im Auto kann ein Smartphone schnell zu kalt werden, lassen Sie es also dort nicht allzu lange liegen.

2. Schnelle Temperaturwechsel vermeiden

Ist es draußen frostig kalt, kann der Weg in die warme Stube schnell einen Temperatursprung von 30 Grad Celsius betragen. Noch deutlicher kann es werden, wenn man das Smartphone gar direkt auf eine Heizung legt. So ein krasser Temperaturwechsel in kurzer Zeit führt zu Kondenswasserbildung, und die kann im Inneren des Smartphones Schäden verursachen und Kurzschlüsse auslösen. Deshalb sollten Sie Ihr Smartphone unbedingt langsam aufwärmen lassen und keinesfalls auf die Heizung legen oder föhnen, um es möglichst schnell wieder auf Temperatur zu bringen.

3. Nässe vermeiden

Selbst wenn viele aktuelle Smartphones mittlerweile nach IP68 gegen Wasser geschützt sind: Nässe tut den Geräte nicht gut, und schon gar nicht in Verbindung mit extremer Kälte. Deshalb sollten die Geräte bei entsprechenden Bedingungen möglichst gut geschützt in der Tasche bleiben. Telefonieren lässt es sich auch mit einem verbundenen Kopfhörer.

4. Smartphone trocknen

Ist das Smartphone dann doch nass geworden, und war es vielleicht ein Modell ohne Wasserschutz, gilt es besonnen zu reagieren. Ist das Gerät ausgeschaltet, belassen Sie es zunächst einmal dabei. Entfernen Sie alles, was man entfernen kann, also etwa die SIM-Schublade und eventuell den Akku samt Abdeckung. Druckluft und Pusten in Öffnungen sind keine gute Idee, so kann Wasser in Bereiche gelangen, in die es sonst nicht kommt. Stattdessen klopfen Sie die Feuchtigkeit behutsam auf einer weichen Unterlage heraus und lassen das Gerät anschließend einige Stunden, wenn möglich einen halben Tag, langsam trocknen, bevor Sie es wieder einschalten.

Egal ob warm oder kalt, irgendwann geht der Akku in die Knie. Ist Ihrem Smartphone unterwegs der Saft ausgegangen, sollten Sie beim Aufladen allerdings Geduld haben. Bevor das Ladegerät angestöpselt wird, sollte das Gerät auf Raumtemperatur aufgewärmt sein – und das langsam, siehe Tipp 2. So fühlt sich der Akku am wohlsten und bleibt auf Dauer länger gesund. Hat sich das Smartphone wegen Kälte von selbst abgeschaltet, warten Sie mit dem Einschalten, bis es wieder warm ist.

Wenn es so kalt ist, dass sich Ihr Smartphone ungewöhnlich verhält oder kaum noch zu bedienen ist, schalten Sie es am besten aus und verstauen es sicher in der Tasche. Damit kommen Sie in solchen Situationen meist einer automatischen Abschaltung zuvor und vermeiden bleibende Schäden.

(sht)