Studie soll Wirksamkeit von Diabetes-App belegen
Die als digitale Therapie zugelassene App Glucura will Menschen mit Diabetes zu besseren Blutzuckerwerten verhelfen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie das geht.
(Bild: metamorworks / Shutterstock.com)
Mit wenigen Änderungen bei Ernährung und Lebensstil viel erreichen – so beschreibt das Lübecker Unternehmen Perfood das Ziel seiner App namens Glucura. Damit das gelingt, erfassen Nutzer in der App alle Nahrungsmittel, die sie im Laufe des Tages essen und trinken. Die App analysiert Ernährungsgewohnheiten und individuelle Blutzuckerreaktionen des Nutzers und schlägt auf dieser Grundlage Modifikationen beim Essen vor. Zudem macht die App Vorschläge für sportliche Betätigung.
Ob eine derartige Intervention hilft, Blutzuckerspitzen zu vermeiden und insgesamt stabilere und bessere Werte zu erreichen, sollte eine klinische Studie mit 320 Probanden mit Typ-2-Diabetes untersuchen. Die Ergebnisse liegen nun vor. Die festgestellte Wirksamkeit liegt laut Perfood in einem Bereich, der sonst nur durch Einnahme von Medikamenten erzielt wird. Die Studienteilnehmer erreichten im Schnitt einen niedrigeren Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) und nahmen innerhalb von einem halben Jahr durchschnittlich 4,7 Kilogramm ab.
Der HbA1c-Wert liegt bei Menschen mit gesundem Stoffwechsel unter 5,7 Prozent. Ein Wert von 5,7 bis 6,4 Prozent deutet auf ein erhöhtes Risiko für Diabetes hin; ab 6,5 Prozent lautet die Diagnose: Diabetes mellitus. Die Teilnehmer der Wirksamkeitsstudie konnten ihren Wert mit der App im Schnitt um 0,8 Prozent senken.
Blutzucker besser verstehen
Die Grundidee der App beruht auf der Tatsache, dass zucker- und kohlenhydrathaltige Lebensmittel bei unterschiedlichen Menschen zu unterschiedlichen Reaktionen führen. Während bei einer Person Kartoffeln einen besonders starken Anstieg der Blutzuckerwerte bewirken, sind es für eine andere ventuell Reis oder Nudeln.
Für Menschen mit Diabetes ist es hilfreich, ihre persönlichen Auslöser für besonders starken Blutzuckeranstieg zu kennen, um statt dieser Lebensmittel künftig geeignete Alternativen zu essen und so stabilere Werte zu erreichen. Laut Hersteller offenbarte die Studie dafür ein eindrucksvolles Beispiel: Bei einer Teilnehmerin verursachte demnach Schokoladenkuchen einen geringeren Blutzuckeranstieg als Apfelkuchen.
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Nutzer der App erhalten einmalig einen Blutzuckersensor zur kontinuierlichen Überwachung der Werte während der ersten 14 Tage. In dieser Phase erstelle die App mithilfe von KI ein „metabolisches Profil“ des Nutzers, berichtet Perfood-Gründer und Geschäftsführer Dominik Burziwoda. Auf dieser Basis kann die App auch nach Ablauf des Sensors Vorhersagen treffen für die individuelle Blutzuckerantwort des Nutzers bei Verzehr bestimmter Nahrungsmittel.
Apps auf Rezept
Glucura ist eine sogenannte Digitale Gesundheitsanwendung, kurz: DiGA. Mit Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) Ende 2019 wurden Apps dieser Art in die Gesundheitsversorgung überführt. Seitdem besteht für Versicherte ein Anspruch auf Versorgung mit DiGA. Wenn Ärzte oder Psychotherapeuten eine DiGA verordnen, erstatten die Krankenkassen die Kosten für deren Nutzung.
Um als DiGA zugelassen zu werden, durchlaufen Apps ein Prüfverfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Alle erstattungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendungen sind beim BfArM in dessen DiGA-Verzeichnis gelistet. Derzeit finden sich in dem Verzeichnis vier Apps für Patienten mit Diabetes. Glucura eignet sich für Patienten mit Diabetes Typ 2. Die App ist für iOS ab Version 14.0 und Google Android ab Version 8.0 verfügbar.
(mack)