Neu entdeckter Asteroid rotiert in Rekordgeschwindigkeit

Das Vera C. Rubin Observatory hat bereits spektakuläre Bilder geliefert. Darauf haben Forscher einen Asteroiden gefunden, der schwindelerregend schnell rotiert.

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KĂĽnstlerische Darstellung des Asteroiden 2025 MN45

KĂĽnstlerische Darstellung des Asteroiden 2025 MN45

(Bild: NSF–DOE Vera C. Rubin Observatory/NOIRLab/SLAC/AURA/P. Marenfeld)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Vor gut einem halben Jahr ist das Vera C. Rubin Observatory in Betrieb genommen worden. Schon in den ersten Bildern haben Astronomen einen rekordverdächtigen Himmelskörper entdeckt: einen sehr schnell rotierenden Asteroiden.

Der Asteroid, der die Bezeichnung 2025 MN45 bekommen hat, ist etwa 710 Meter groß. Er rotiert in 113 Sekunden, also weniger als zwei Minuten, um sich selbst – zur Erinnerung: Die Erde braucht dafür 24 Stunden. Damit ist 2025 MN45 der am schnellste rotierende Asteroid in der Klasse von Asteroiden, die größer sind als ein halber Kilometer, wie das Entdeckerteam um Sarah Greenstreet vom National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory (Noirlab) in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters schreibt.

Asteroiden rotieren unterschiedlich schnell. Die jeweilige Rotationsgeschwindigkeit gibt Hinweise auf die Entstehung und auf ihre Geschichte. Eine hohe Rotationsgeschwindigkeit könnte die Folge einer Kollision mit einem anderen Asteroiden sein. Das bedeutet, der Asteroid könnte das Fragment eines ursprünglich größeren Objekts sein.

Zudem lässt sich von der Rotationsgeschwindigkeit auf die Zusammensetzung schließen: Ein schnell rotierender Asteroid muss über eine gewisse innere Festigkeit verfügen, sonst würde er zerfallen. Je schneller sich ein Asteroid dreht und je größer er ist, desto stabiler muss er also sein – wie 2025 MN45.

„Dieser Asteroid muss ganz klar aus einem Material mit einer sehr hohen Festigkeit bestehen, um bei seiner sehr schnellen Rotation in einem Stück zu bleiben“, sagte Greenstreet. „Wir haben errechnet, dass er eine Kohäsionsfestigkeit ähnlich der von festem Gestein braucht.“

Die meisten Asteroiden im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter seien Geröllhaufen-Asteroiden, also Zusammenschlüsse aus vielen kleineren Gesteinsbrocken, die durch die Schwerkraft zusammenhielten, erläutert die Forscherin. Diese rotieren eher langsam: Die Grenze liegt bei 2,2 Stunden, sonst droht der Zerfall.

Neben 2025 MN45 hat das Team um Greenstreet über 70 weitere Asteroiden ausgemacht und deren Rotationsperioden bestimmt. Darunter sind 16 mit sehr kurzen Rotationsperioden, zwischen 13 Minuten und 2,2 Stunden, sowie drei ultraschnelle, die eine vollständige Umdrehung in weniger als fünf Minuten absolvieren. Alle 19 sind größer als 90 Meter.

Das Vera C. Rubin Observatory steht in Chile, auf dem Berg Cerro Pachón in einer Höhe von 2647 Metern. Es verfügt über einen 8,4 Meter großen Hauptspiegel und die weltweit größte Digitalkamera: Die ist so groß wie ein Kleinwagen, wiegt 2,8 Tonnen und hat eine Auflösung von 3200 Megapixeln. Das Teleskop kann mit hoher Geschwindigkeit große Bereiche des Nachthimmels in bislang unerreichter Auflösung erfassen und damit zeitliche Veränderungen sichtbar machen. Das soll es ermöglichen, kurzlebige Phänomene wie Sternenexplosionen zu beobachten. Daneben soll es nach Asteroiden suchen sowie Erkenntnisse über Dunkle Materie und Dunkle Energie liefern.

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Bereits die im Juni veröffentlichten ersten Bilder, die in der ersten Betriebswoche entstanden, zeigten laut Forschern knapp 2000 neue Asteroiden aus sowie zahlreiche Himmelskörper, die ihre Helligkeit ändern. Die Bilder zeigen unter anderem den Trifidnebel und den Lagunennebel in der Milchstraße und eine gigantische Aufnahme mit rund 10 Millionen einzelnen Galaxien.

(wpl)