Schnee und Eis: Distanzunterricht laut IServ ohne größere Probleme
Die Tiefs „Elli“ und „Gunda“ haben im Norden und Westen für Schulausfälle mit Distanzunterricht gesorgt. Die GEW fordert bessere Standards, IServ entwarnt.
(Bild: insta_photos/Shutterstock.com)
Schnee und Eis haben in den vergangenen Tagen nicht nur für Verkehrschaos im Nordwesten der Bundesrepublik, sondern auch für Distanz- statt Präsenzunterricht gesorgt. Schon am Freitag vergangener Woche blieben Schülerinnen und Schüler in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und teilweise Schleswig-Holstein vorsorglich zu Hause oder besuchten Notbetreuungen in Schulen. Am darauffolgenden Montag wiederholt sich dieses Spiel in Bremen, Niedersachsen und auch in Nordrhein-Westfalen. Während es wenige Meldungen zu schwerwiegenden technischen Problemen mit dem Distanzunterricht gibt, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW bessere Grundlagen für diese Form des Unterrichts.
Demnach müsse für den Distanzunterricht aus Sicht der Gewerkschaft mehr Geld in die Hand genommen und auch bessere Konzepte vorgelegt werden. Zu unterschiedlich sei noch die technische Ausstattung oder auch die Qualität der Internetzugänge – „sowohl an Schulen als auch in den Haushalten der Lernenden“, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik gegenüber dem WDR. Es fehle zudem an zeitlicher und technischer Unterstützung für die Lehrkräfte und bisher seien keine einheitlichen oder verbindlichen Qualitätskriterien oder didaktische Leitlinien verankert.
Distanzunterricht brauche verlässliche Infrastrukturen und verbindliche pädagogische Standards, gezielte Fortbildungen und auch eine nachhaltige Unterstützung der Schulen. Dies sei durch das Land zu gewährleisten, so Celik. Wichtig sei, dass Distanzunterricht nicht zu einer Benachteiligung von Kindern führt. Grundsätzlich begrüßte die GEW das Prinzip „Vorsicht vor Nachsicht“ im Fall der Glatteisgefahr und sprang damit NRWs Schulministerin Dorothee Feller (CDU) zur Seite, die von der FDP für die Schulschließungen kritisiert wurde.
NRW-FDP-Chef Henning Höne hatte die landesweiten Schließungen mit Verweis auf die Coronapandemie infrage gestellt und forderte „mildere Mittel“, wie etwa nur den Ausfall der ersten Stunde und ein Präsenzunterrichtsangebot ohne Anwesenheitspflicht statt einer Notbetreuung.
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IServ erklärt: Alles bisher gut gelaufen
Schon am Freitag hatte der Braunschweiger Schulplattformbetreiber IServ gemeldet, dass der Distanzunterricht ohne größere Störungen verlaufen sei. Auf Anfrage von heise online erklärte das Unternehmen, dass es teilweise Performanceprobleme bei manchen von den Schulen betriebenen Servern gegeben und IServ bei der Bewältigung unterstützt habe.
Da die Schulschließungen schon am Donnerstag bekannt gegeben wurden, habe IServ „frühzeitig ausreichend Kapazitäten bereitgestellt“. In der Spitze seien am Freitag dann circa 3000 Videokonferenzen gleichzeitig abgewickelt worden und insgesamt kamen bis zum Mittag etwa 75.000 Stunden Videokonferenzzeit zusammen. Eine Steigerung von etwa 20 Prozent habe es bei den Supportanfragen gegeben.
Da der Schulausfall am Montag bereits am Sonntag kommuniziert wurde, habe IServ schon am Wochenende die Kapazitäten erneut für den Ernstfall skaliert. Für Montag war die Auslastung, wie erwartet, deutlich höher: „Über den Vormittag hinweg hatten wir ca. 250.000 Stunden Videokonferenzen in Summe. An einem normalen Tag sind es ca. 10.000 Stunden. Gleichzeitig fanden in der Spitze ca. 5.500 Videokonferenzen statt“, heißt es von einem IServ-Sprecher.
In Hamburg und Rheinland-Pfalz ist IServ landesweit im Einsatz, in Niedersachsen an etwa 90 Prozent der Schulen. Bundesweit nutzen circa 6500 Schulen das Angebot. In der Stadt Hannover wird derzeit die Abkehr von IServ vorbereitet – für eine Partnerschaft mit Microsoft.
Aktuelle Zahlen von IServ ergänzt.
(kbe)