Digitaler Blackout im Iran: Starlink wird massiv gestört
Im Zuge der Internetblockade im Iran scheint das Regime gezielt auch Starlink-Systeme zu stören. Zum Einsatz kommen sollen dabei militärische Störsender.
(Bild: Shutterstock)
Der satellitengestützte Internetdienst Starlink wird im Iran derzeit massiv gestört. Das berichtet das exiliranische Nachrichtenportal IranWire. Obwohl mehrere zehntausend Starlink-Einheiten im Land verdeckt betrieben werden sollen, betreffe der akute Internet-Blackout im Iran größtenteils auch das vom US-Unternehmen SpaceX betriebene Satellitennetzwerk.
IranWire spricht unter Berufung auf den IT-Sicherheitsforscher Amir Rashidi von einer dezidierten Störung der Starlink-Systeme mit technisch ausgereiften, militärischen Störsendern. Diese seien dem iranischen Regime mutmaßlich aus Russland oder China zugeliefert oder im Iran selbst entwickelt worden. In den Anfangsstunden des digitalen Shutdowns am vergangenen Donnerstag seien laut Rashidi ca. 30 Prozent des Datenverkehrs von Starlink gestört gewesen. Bis 22 Uhr Ortszeit sei der Anteil auf über 80 Prozent gestiegen. Die hoch technisierten Störsender sind laut IranWire im ganzen Land verteilt, weshalb der Zugang zum Starlink-Internet je nach Region variiert.
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Jüngsten Schätzungen zufolge nutzen rund 40.000 bis 50.000 Menschen im Iran den satellitengestützten Internetdienst des US-Unternehmens SpaceX. Offiziell ist der Internetdienst im Iran nicht zugelassen, die Terminals genannten Bodenstationen werden illegal ins Land gebracht. Wer Starlink dennoch nutzt, muss mit drastischen Strafen rechnen.
Trotz der Störungen bleibt Starlink aktuell eine der wenigen Möglichkeiten für iranische Menschen, den Kontakt zur Außenwelt zu halten, sich zu organisieren und Fotos und Videos der Proteste in sozialen Netzwerken zu teilen. Dem US-Internetaktivisten Mehdi Yahyanejad zufolge sei Starlink der Grund, weshalb überhaupt aktuelle Aufnahmen der Ausschreitungen an die internationale Öffentlichkeit gelangt seien.
Digitaler Blackout seit knapp vier Tagen
Im Zuge der sich rasch ausweitenden landesweiten Proteste gegen die autoritäre klerikale Staatsführung des Iran in der vergangenen Woche hatte das Regime um Irans obersten Führer Ali Chamenei am letzten Donnerstag damit begonnen, das Internet in weiten Teilen des Landes zu blockieren. Stand heute ist der Internetverkehr seit mehr als 84 Stunden weitestgehend zum Erliegen gekommen. Das zeigen Daten der Organisation Netblocks, die den weltweiten Netzverkehr und mögliche Sperren beobachtet.
Ziel der Internetblockade ist es, die Kommunikation zwischen den Demonstranten zu erschweren und die mediale Verbreitung der tödlichen Gewalt gegen Demonstranten zu unterbinden. Aktivisten der US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Activist News Agency (HRANA) sprachen am Sonntag von mehr als 500 Toten.
Neue AusmaĂźe der kommunikativen Abriegelung
Der aktuelle digitale Blackout im Iran markiert eine neue Eskalationsstufe der staatlichen digitalen Abriegelung. Nicht nur internationale Datenverbindungen sind betroffen. Auch das ĂĽber Jahre hinweg aufgebaute nationale Netzwerk, eine Art landesweites Intranet, wurde laut IranWire abgeschaltet. Das Nachrichtenportal berichtet zudem, dass auch nationale und internationale Mobilfunk- und Festnetzverbindungen zeitweise gekappt wurden.
Berichten der dpa zufolge hat sich die iranische Regierung derweil erstmals zu einer möglichen Aufhebung der Telekommunikationssperren geäußert. Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte, man hoffe auf eine Lösung des Problems. Die Internetsperre sei zudem bei einem Treffen mit Diplomaten angesprochen worden.
(rah)