YouTube: Eltern können zukünftig Zeit für Shorts auf null Minuten setzen

Die Debatten zu mehr Jugendschutz im Netz adressiert YouTube mit Neuerungen. Eltern sollen jetzt genauere und einfachere Einstellungen vornehmen können.

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Screenshot aus dem Leitfaden für Content-Ersteller: Überschrift "You have the power", roter Hintergrund ein großes "Daumen hoch"-Symbol in Grau-Schwarz

Das Family-Center von YouTube soll bald mehr Einstellungsmöglichkeiten für Teen-Konten bieten und das gesamte Management von Kinder- und Teen-Konten vereinfachen. Für Video-Kreatoren gibt es zudem einen neuen Leitfaden, der erklärt, wie empfehlenswerte Beiträge für Jugendliche gestaltet werden können.

(Bild: YouTube Leitfaden (PDF))

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YouTube verfeinert seine Jugendschutzeinstellungen mit einem Update, das drei Veränderungen mit sich bringt. Sie sollen alle dazu beitragen, die Kontrollmöglichkeiten von Kinder- und Teen-Konten für Erziehungsberechtigte zu verbessern oder zu erleichtern. Eine der Veränderungen wird auch als „Industry-first“ beworben: Das plattformeigene Kurzvideo-Format „Shorts“ kann nun von Erwachsenen minutengenau für Teen-Konten erlaubt, durch die Einstellungsmöglichkeit „Null Minuten“ aber auch faktisch aus dem Angebot entfernt werden. Die Updates werden ab sofort ausgerollt – phasenweise und je nach Region.

Da die EU-Kommission bereits von YouTube verlangt, Auskunft über implementierte Kinderschutzmaßnahmen zu geben, und das EU-Parlament ein Mindestalter von 16 Jahren für Videoplattformen und Social Media fordert, kann YouTubes Schritt auch als Reaktion auf diese kritische Gesamtlage verstanden werden.

Der globale Leiter von YouTube Health, Dr. Garth Graham, stellte die Neuerungen in einem Briefing für europäische Medien vor. Er erklärte eingangs, dass YouTube Kinder in der digitalen Welt schützen will, aber nicht vor der digitalen Welt; also Umgebungen anpassen und Heranwachsende nicht pauschal fernhalten will.

Graham verwies darauf, dass YouTube schon vor rund zehn Jahren mit dem Angebot „YouTube Kids“ auf Schutzwünsche von Expertinnen und Experten sowie Eltern reagiert habe und fortlaufend an Verbesserungen arbeite. Momentan gebe es in Europa auch eine angeregte Debatte zu Jugendschutzmaßnahmen im Internet.

Dass die Akzeptanz für Maßnahmen in Europa unter Eltern hoch ist, sei etwa daran ablesbar, dass 77 Prozent der europäischen Eltern die Jugendschutzkontrollsysteme von YouTube nutzen und 73 Prozent von ihnen auch davon überzeugt sind, dass sie damit ein sichereres Umfeld für ihre Kinder schaffen. Mit den jetzt angekündigten Updates will YouTube die elterlichen Kontrollmöglichkeiten weiter ausdifferenzieren und erleichtern.

Die erste Neuerung dürfte genau den Jugendlichen nicht schmecken, die über YouTube-Shorts (Kurzvideos im Hochformat) Beiträge ansehen, die oft bereits über Social-Media-Plattformen wie TikTok, Snapchat und Instagram erstellt und verbreitet und von Eltern eigentlich verboten beziehungsweise blockiert wurden. Nun können Eltern die Zeit für den Konsum dieser Shorts für YouTube bis auf null Minuten pro Tag herunterdrehen. Zudem können Eltern eine Zubettgehzeit und eine „Mach eine Pause“-Erinnerung für ihre Teenager einstellen.

Videos by heise

Die zweite Neuerung soll dazu beitragen, dass Heranwachsende hochwertigere Inhalte angezeigt bekommen oder diese auch besser erkennen können. Hierfür arbeite YouTube mit Organisationen wie etwa Save the Children International oder UCL zusammen, um entsprechende Inhalte als empfehlenswert einzustufen. Die Kriterien für empfehlenswerte Inhalte lauten: Freude, Spaß und Unterhaltung (Joy, Fun and Entertainment), Neugier und Inspiration (Curiosity and Inspiration), Vertiefung von Interessen und Perspektiven (Deepening Interests and Perspectives), Aufbau von Lebenskompetenzen und Erfahrungen (Building Life Skills and Experiences) und glaubwürdige Informationen, die das Wohlbefinden fördern (Credible Information that Supports Well-Being). Sie wurden in Zusammenarbeit mit dem Center for Scholars & Storytellers der University of California (UCLA) entwickelt; unterstützt von Experten des University College London (UCL), der American Psychological Association (APA) und des Boston Children's Hospital. Als Beispiel für bereichernden Content im deutschsprachigen Raum nennt Youtube die Formate „Kurzgesagt – in a nutshell“ und „Breaking Lab“.

Content-Creator werden im Leitfaden auf ihre Verantwortung in Bezug auf die Entwicklung von Teenagern hingewiesen.

(Bild: YouTube Leitfaden (PDF))

Damit auch Content-Creator Videos entlang dieser Kriterien erstellen können, hat YouTube einen entsprechenden Leitfaden namens „Creating for Teens“ (PDF) erstellt. Professor Peter Fonagy, Leiter der Abteilung für Psychologie und Sprachwissenschaften des UCL, erklärt hierzu: „Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist ein globales Anliegen, und im digitalen Zeitalter können die Inhalte, denen Teenager online begegnen, sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben. Diese YouTube-Qualitätsprinzipien für Teenager bieten Content-Erstellern einen praktischen, wissenschaftlich fundierten Leitfaden für die Erstellung von Videos, die altersgerecht, emotional sicher und wirklich unterstützend für junge Menschen sind.

Das UCL freute sich sehr über die Partnerschaft in diesem Programm, um evidenzbasierte Erkenntnisse zur Entwicklung von Jugendlichen einzubringen und sicherzustellen, dass Content-Ersteller ihre umfassendere Verantwortung verstehen, Teenagern zu helfen, sich positiv zu entwickeln, und gleichzeitig mögliche Schäden zu minimieren.“

Die dritte Neuerung betrifft die Einstellungen in YouTube-Konten für Familien (Family Center). Diese sollen zukünftig einfacher einzurichten und zu bedienen sein – bei mehreren Kindern soll auch der Wechsel zwischen den Konten leichtgängiger werden. Graham verwies hier auf Beispiele wie Netflix und Disney, die Erwachsenen- und Kinderprofile in einer Startansicht übersichtlich gemeinsam anzeigen.

Familien, die bereits die Kinderschutz-App „Family Link“ von Google nutzen, können auch hierüber weiterhin Einstellungen vornehmen, die dann auch die Nutzung von Youtube betreffen, erklärte Graham gegenüber heise online. Das Family Center der Youtube-App zu nutzen, sei lediglich der direktere Weg. YouTube unterscheidet Kinder und Jugendliche nach Altersklassen.

In der regulären YouTube-App kann unter „Family Center“ (siehe Account-Settings) eine Familie für die Elternaufsicht eingerichtet werden.

(Bild: YouTube)

Kinder unter 13 Jahren können in Deutschland YouTube Kids (separate App) oder die reguläre YouTube-App mit elterlichen Einschränkungen nutzen, wenn sie dort im Family Center mit einem Kinderkonto hinzugefügt werden. Heranwachsende ab 13 Jahren werden im Family Center als Teen-Konten eingetragen. YouTube testet derzeit die automatische Alterserkennung von Nutzern per KI und maschinellem Lernen, um Heranwachsende, die falsche Altersangaben machen, von der Nutzung ausschließen zu können.

(kbe)