Sechs Tage Internet-Blackout im Iran: Starlink jetzt kostenfrei verfĂĽgbar

Vorige Woche hat das iranische Regime alle Internetverbindungen im Land gekappt, seitdem dringen nur wenige Informationen nach auĂźen. Starlink soll helfen.

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Staubiger Koffer mit einem Starlink-Aufkleber

(Bild: Karolis Kavolelis/Shutterstock.com)

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Sechs Tage nach Beginn einer totalen Internetsperre im Iran und vor dem Hintergrund einer drastischen Zuspitzung der Lage hat SpaceX das Satelliteninternet Starlink in dem Land kostenlos verfügbar gemacht. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf eine Organisation, die Menschen im Iran beim Aufbau sicherer Kommunikationsnetze unterstützt, SpaceX selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert. Gleichzeitig ist unklar, was der Schritt noch bringen kann: Das Regime im Iran geht seit Tagen angeblich gezielt gegen die kleinen Starlink-Antennen und jene Menschen vor, die damit Kontakt zur Außenwelt halten. Sind unmittelbar nach Beginn des totalen Internet-Blackouts noch zahlreiche Bilder und Videos aus dem Land geschickt worden, so hat das jetzt spürbar abgenommen.

Publik gemacht wurde der Schritt von der Organisation Holistic Resilience, die Menschen im Iran bei der Absicherung von Internetzugängen hilft, schreibt Bloomberg. Anonym hat demnach auch eine Person bei SpaceX den Schritt bestätigt, öffentlich hat sich das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk dazu bisher nicht geäußert. Erst vor gut einer Woche hat SpaceX das eigene Satelliteninternet für Menschen in Venezuela vorübergehend kostenfrei nutzbar gemacht. Dort ist der Dienst genauso wie in der Islamischen Republik Iran illegal, die dafür nötigen Antennen können also nicht einfach gekauft werden. Im Iran müssen sie zudem versteckt werden, weil die Nutzung unter Strafe steht. Trotzdem sollen mehr als 50.000 Geräte im Einsatz sein, schätzt Holistic Resilience.

Im Iran war es vor dem Jahreswechsel zur jüngsten Protestwelle gekommen. Auslöser war eine plötzliche Abwertung der Währung vor dem Hintergrund der massiven Wirtschaftskrise. In der Folge waren immer mehr Menschen auf die Straße gegangen, woraufhin das Regime vorigen Donnerstag das Internet sperren ließ. Die Befürchtungen, dass damit ein blutiger Versuch der Niederschlagung der Demonstrationen versteckt werden sollte, haben sich offenbar bewahrheitet. Laut Menschenrechtsorganisationen wurden danach mehrere Tausend Menschen getötet, für den heutigen Mittwoch steht demnach die erste Hinrichtung in Zusammenhang mit den Protesten an.

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Starlink von SpaceX gibt es seit 2019, mehr als 9400 aktive Satelliten liefern auf allen Kontinenten schnelle Internetverbindungen. Dafür sind aber mobile Antennen nötig, die schon seit Jahren in den Iran geschmuggelt werden. Der Dienst ist inzwischen so alt und die Protestwellen im Iran so häufig, dass die aktuelle nicht einmal die Erste ist, in der Starlink bei der Kommunikation mit der Welt geholfen hat. Im Herbst 2022 hat Elon Musk den Dienst erstmals für die Islamische Republik freigeschaltet. Damals war die nötige Infrastruktur am Boden aber noch nicht weit genug ausgebaut. Das hat sich inzwischen geändert.

(mho)