Amazon Prime Air: Erste Testflüge für Drohnenlieferdienst in Großbritannien

Der "Prime Air"-Drohnenlieferdienst soll noch 2026 beginnen. Nun hat Amazon erste Testflüge mit MK30-Lieferdrohnen durchgeführt.

vorlesen Druckansicht 1 Kommentar lesen
MK30-Drohne vor Halle

(Bild: Amazon)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der Online-Händler Amazon hat erste Testflüge mit seinen MK30-Lieferdrohnen von dem Fulfillment-Centre in Darlington im Norden Englands durchgeführt. Amazon plant, den „Amazon Prime Air“-Drohnenlieferdienst dort noch 2026 einzuführen. Es wäre der erste Standort im Vereinigten Königreich, von dem aus Waren von Amazon per Drohne ausgeliefert werden.

Ende Januar 2025 hatte Amazon seine Pläne bekannt gegeben, in Darlington eine Flugbetriebsanlage in der Grafschaft Durham im Nordwesten Englands zu errichten, um von dort aus Warenlieferungen per Drohne an seine Kunden vorzunehmen. Um die Genehmigung zur Errichtung der Anlage zu erreichen, hat Amazon nach eigenen Angaben „eng mit dem Stadtrat von Darlington“ zusammengearbeitet und ihn von dem sicheren Betrieb des Drohnenlieferdienstes überzeugen können. Die zivile Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority (CAA) hat den Betrieb der MK30-Drohnen mittlerweile zugelassen, sodass die ersten Testflüge am Standort durchgeführt werden konnten.

Amazon Prime Air befinde sich allerdings noch „in einem frühen Stadium“. Lieferungen wurden noch keine durchgeführt. Techniker arbeiten aber daran, den Lieferdienst schnellstmöglich in Betrieb nehmen zu können. Laut Amazon soll der Lieferdienst per Drohne später im Jahr 2026 offiziell beginnen. Einen genauen Termin nennt Amazon nicht. Ursprünglich sollte Prime Air in UK bereits Ende 2024 eingeführt werden. Zeitgleich sollte der Dienst in Italien starten. Dort konnten zumindest Testflüge bereits Ende 2024 absolviert werden.

Offensichtlich hat sich Amazon im Vereinigten Königreich mehr Zeit genommen, um auch die Bedenken der Behörden und Anwohner auszuräumen. Erfahrungen mit „Prime Air“-Standorten in den USA haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Anwohner von der Sicherheit des Flugbetriebs zu überzeugen. In der West Valley Phoenix Metro Area im Bundesstaat Arizona sowie in College Station in Texas war es zu Bürgerprotesten gekommen. Besonders in Texas kam es vermehrt zu Beschwerden, weil die Lieferdrohnen über private Grundstücke fliegen und sich die Anwohner dadurch gestört fühlten. Da die Drohnen mit Kameras ausgestattet sind, war nicht klar, was die Drohnen während des Fluges aufzeichnen. Zudem bemängelten die Anwohner den lauten Flugbetrieb und dessen Einfluss auf die Umwelt. Amazon setzte daraufhin die neueste, leisere Generation seiner Lieferdrohnen ein: die MK30, die auch in Darlington zum Einsatz kommt.

Videos by heise

Die MK30-Drohne soll im Betrieb nicht lauter als ein durchschnittlicher Lkw sein und auch an der Sicherheit habe Amazon gearbeitet. Die Drohne erkennt selbstständig Objekte im Luftraum und am Boden. Dazu nutzt die Drohne Wahrnehmungstechniken, die auf Modellen des maschinellen Lernens basieren. Die Flugbewegungen werden zudem von einem separaten Hauptflugsteuerungssystem überwacht, das Unregelmäßigkeiten im Flug feststellen kann. Bei auftretenden Problemen wird sofort auf einen zweiten Flugcontroller umgeschaltet und ein automatisierter Rückflug zur Basis eingeleitet.

Die MK30-Lieferdrohnen sind für Warenlieferungen bis zu einem Gewicht von 2,3 kg ausgelegt, die im Einzugsbereich des Fulfilment-Centres innerhalb von einer Stunde nach Bestelleingang ausgeliefert werden sollen.

(olb)