Japan beginnt Tiefseemission zur Förderung Seltener Erden
Japan will seine Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden verringern und sucht nach einer Möglichkeit, sie im eigenen Land zu fördern.
Das japanische Bergbauforschungsschiff Chikyu soll Schlamm mit Seltenen Erden aus der Tiefsee holen.
(Bild: Jamstec)
Japans Bergbauforschungsschiff Chikyu ist am Montag zu einer rund einmonatigen Mission aufgebrochen, um Schlamm, der Seltene Erden enthalten soll, aus der Tiefsee zu fördern. Japan will sich so von Seltenen Erden aus dem marktdominierenden China unabhängig machen. Das berichtet Reuters am Montag. Sollte die Mission gelingen, wäre es die erste kontinuierliche Tiefseeförderung von Seltenen Erden aus einer Tiefe von 6 km.
Gestartet ist das Bergbauforschungsschiff Chikyu von der Hafenstadt Shizuoka. Das Ziel sind die Gewässer nahe der Insel Minamitori, einem abgelegenen Korallenatoll rund 1900 km südöstlich der japanischen Hauptstadt Tokio. Dort sollen sich in etwa 6 km Tiefe Schlammablagerungen befinden, die hohe Konzentrationen Seltener Erden enthalten sollen. Unklar ist allerdings, wie viel Schlamm sich dort befindet. Die japanische Regierung hat dazu öffentlich keine Angaben gemacht. Auch ist nicht öffentlich bekannt, welche Mengen an Seltenen Erden dort gefördert werden sollen.
Dabei sind die Investitionen in das Vorhaben hoch: Rund 40 Milliarden Yen, umgerechnet etwa 215 Millionen Euro sowie sieben Jahre Vorbereitung und Bestätigungstests sind seit 2018 in das Projekt geflossen.
An Bord der Chikyu befinden sich insgesamt 130 Forscher und Besatzungsmitglieder, um den mineralhaltigen Schlamm aus der Tiefsee zu fördern. Bis zum 14. Februar soll die Mission dauern.
Abhängigkeit von China mindern
Der Aufwand mag hoch sein. Doch für Japan scheint er sich zu lohnen. Diplomatische und handelspolitische Spannungen zwischen Japan und China haben dafür gesorgt, dass China die Beschränkung des Exports Seltener Erden für die Wirtschaft auch als Druckmittel einsetzt, um politische Ziele zu erreichen. Etwa 60 Prozent von Japans Importen Seltener Erden stammen aus China. 2010 waren es noch rund 90 Prozent. Japan hat seitdem versucht, sich unabhängiger von China zu machen, nachdem es zu territorialen Streitigkeiten im Ostchinesischen Meer gekommen und die Exporte seitens China eingeschränkt worden waren.
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Um diese Einschränkungen abzuschwächen, investiert Japan in ausländische Lieferketten und arbeitet etwa mit dem australischen Unternehmen Lynas Rare Earths zusammen. Auch wurden Recycling- und Herstellungsverfahren gefördert, um den Verbrauch Seltener Erden in der Industrie einzuschränken. Doch dies allein reicht nicht aus, um die reduzierten chinesischen Lieferungen zu kompensieren. Japan setzt daher auch auf die Gewinnung von Seltenen Erden im Inland. Die Tiefseemission stellt nun den ersten Versuch dar.
Denn die Gefahr ist hoch, dass China weitere Exporteinschränkungen bei Seltenen Erden vornimmt. Zuletzt hatte die chinesische Regierung am Dienstag angekündigt, Exporte Seltener Erden nach Japan einschränken zu wollen, die nicht nur zivil, sondern auch militärisch genutzt werden können. Das könnte schnell auf die japanische Industrie durchschlagen und auch die Rüstungsindustrie betreffen.
Für Japan hängt viel davon ab, wie erfolgreich die Förderung Seltener Erden auf dem eigenen Territorium ausfällt. Sollte die Testmission erfolgreich sein, dann soll ein großangelegter Testabbau folgen, der ab Februar 2027 geplant ist.
(olb)