Nothing muss Smartphone-Preise wegen Speicherkrise erhöhen
Das Londoner Tech-Startup Nothing sieht sich in diesem Jahr wegen der Speicherkrise dazu gezwungen, die Preise für seine Smartphones zu erhöhen.
Nothing-CEO kündigt Preiserhöhungen an.
(Bild: Nothing)
Nothing-CEO und -Mitgründer Carl Pei hat angekündigt, dass die weiterhin steigenden Speicherpreise zwangsläufig eine Preiserhöhung für das gesamte Smartphone-Portfolio des Unternehmens nach sich ziehe. „2026 wird ein beispielloses Jahr für die Unterhaltungselektronik und insbesondere für die Smartphone-Branche werden,“ so Pei.
Der KI-Boom hat die Nachfrage grundlegend verändert
In einem langen Beitrag auf X erklärt Pei, dass sich die Smartphone-Branche fünfzehn Jahre lang auf die verlässliche Annahme stütze, dass Komponenten „unweigerlich billiger werden“. „Zwar gab es kurzfristige Schwankungen, doch der langfristige Abwärtstrend bei den Kosten für Speicher und Displays ermöglichte jährliche Spezifikationsverbesserungen ohne Preiserhöhungen.“ Dieses Modell sei in diesem Jahr durch einen „starken und beispiellosen Anstieg der Speicherkosten endgültig zusammengebrochen“.
Denn der KI-Boom habe die Nachfrage grundlegend verändert: Der gleiche Speicher, der in Smartphones verwendet wird, komme nun auch in KI-Rechenzentren zum Einsatz. Damit stünden zum ersten Mal „Smartphones in direktem Wettbewerb mit der KI-Infrastruktur, was zu einem starken Anstieg der Speicherpreise führt“, erklärt Pei weiter.
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Explodierende Speicherkosten
Er rechnet vor, dass die Speicherkosten in einigen Fällen bereits um bis zu 300 Prozent gestiegen und weitere Steigerungen zu erwarten seien, „da die beispiellose Nachfrage weiterhin das verfügbare Angebot übersteigt“. So entwickle sich Speicher „schnell zu einer der teuersten Komponenten von Smartphones und könnte bis zum Jahresende zum größten Einzelposten in der Stückliste werden“. Nach Schätzungen könnten Speichermodule, die vor einem Jahr noch günstiger als 20 US-Dollar waren, bis zum Jahresende für Spitzenmodelle über 100 US-Dollar kosten.
Pei zufolge würden Hersteller nun vor einer „einfachen Entscheidung“ stehen: Entweder sie erhöhen die Gerätepreise um 30 Prozent oder mehr – oder sie specken die technischen Spezifikationen ab. Das Modell „mehr Leistung für weniger Geld“, auf dem viele preiswerte Marken aufgebaut waren, sei im Jahr 2026 nicht mehr tragbar, meint Pei. Zudem könnten einige Märkte – vor allem das Einstiegs- und Mittelklassesegment – um 20 Prozent oder mehr schrumpfen. Überdies könnten Hersteller, die diese Segmente bislang dominiert haben, zu kämpfen haben.
„Neustart der Branche“
Pei sieht sein Unternehmen für die neue Herausforderung gut aufgestellt, da Nothing seit jeher nicht über die Kostenvorteile der Branchenriesen verfügte, die sie durch große Liefermengen aushandeln können. Nothing habe laut Pei früh erkannt, nicht allein mit technischen Datenblättern punkten zu können. „Stattdessen haben wir uns darauf konzentriert, das Benutzererlebnis zu perfektionieren, und damit bewiesen, dass das Aussehen und die Haptik eines Telefons weitaus wichtiger sind als seine reinen Leistungsdaten,“ so Pei. Daher entschied der Hersteller sich wohl auch für das transparente Design der Rückseite und die dort integrierten LED-Lichter „Glyph Interface“, die beim Phone (3) durch einen runden Dot-Matrix-Bildschirm ersetzt wurden.
Pei prognostiziert, dass 2026 das Jahr werde, „in dem das Rennen um die besten Spezifikationen („Specrace“) ende. Er betrachtet die Speicherkrise als einen „Neustart der Branche“, bei dem „das Erlebnis zum einzigen wirklichen Unterscheidungsmerkmal“ werde.
Nicht nur Nothing stimmt Nutzerinnen und Nutzer auf ein schwieriges Jahr 2026 ein: Selbst Xiaomi, einer der weltgrößten Smartphone-Hersteller, sagte schon im Oktober höhere Smartphonepreise voraus. Ebenso ist die Analysefirma TrendForce davon überzeugt, dass vor allem wegen der Speicherkrise das Jahr 2026 kein gutes Jahr für Smartphones und Notebooks werde. Unter anderem könnten Hersteller in ihren Einstiegs-Smartphones für das Jahr 2026 nur noch vier GByte RAM verbauen, während der bisherige Standard bis zu acht GByte vorsah.
Auch die Marktforscher von Counterpoint prognostizieren in einer Analyse für das Jahr 2026, dass der Smartphonemarkt aufgrund der Speichersituation um bis 2,1 Prozent fallen könnte. Vor allem das untere Marktsegment (unter 200 US-Dollar) sei am stärksten betroffen, da die Materialkosten seit Jahresbeginn (2025) um 20 bis 30 Prozent gestiegen seien. Counterpoint prognostiziert, dass die RAM-Preise bis zum zweiten Quartal 2026 um weitere 40 Prozent steigen könnten. Laut den Analysten sind Apple und Samsung am besten positioniert, die kommenden Quartale zu überstehen, während es für kleinere Hersteller ohne ähnlichen Verhandlungsspielraum schwierig werden dürfte.
(afl)