Büroalltag einer Tech-Drohne: „Dilbert”-Schöpfer Scott Adams gestorben
Mit Dilbert schuf der Zeichner den ersten viralen Nerd-Comic des damals noch jungen Internets. Seine letzten Lebensjahre waren von Kontroversen geprägt.
Scott Adams 1957-2026.
(Bild: Coffee With Scott Adams)
Der US-amerikanische Comic-Zeichner Scott Adams ist am Dienstag im Alter von 68 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Mit seinem seit 1989 veröffentlichten Comic-Strip „Dilbert“ über den alltäglichen Irrsinn im Büro einer IT-Firma wurde er weltbekannt. Zeitweilig druckten mehr als 2000 Zeitungen den Comic mit absurden Bürogeschichten, die Adams von seinen Fans per Mail erhielt. Dilbert war der erste Comic, der im frühen Internet verbreitet wurde, zuerst über die ClariNews im ClariNet, dann über das „Dillboard“ im Online-Dienst AOL.
Adams hatte seine Erkrankung im Mai 2025 öffentlich gemacht und erklärt, dass der Prostatakrebs nicht mehr behandelbar sei. In seinen letzten Videos war er bereits schwer von der Krankheit gezeichnet. Adams’ Ex-Frau Shelly Miles überbrachte die Nachricht seines Todes in einer Folge des Podcasts „The Scott Adams School” und verlas eine Abschiedsnachricht von ihm, die sie auch auf der Plattform X veröffentlichte.
Bürojobs als Inspiration
Scott Raymond Adams wurde am 8. Juni 1957 in Windham im US-Bundesstaat New York geboren. Der Vater arbeitete bei der Post, die Mutter war Immobilienmaklerin. Nach eigenen Angaben begann Adams im Alter von fünf Jahren Comics zu zeichnen. Nach dem College arbeitete er in einer Bank, die ihn zu Management-Kursen schickte. In den "schier endlosen" Sitzungen begann Adams wieder mit dem Zeichnen von Comics.
1986 trat Adams einen Job bei der Telefongesellschaft Pacific Bells an. Bald begannen seine Kollegen damit, seine Drei-Bilder-Comics durch die Abteilungen zu faxen. Dilbert wurde erstmals 1989 veröffentlicht und von United Feature Syndicate in zunächst 35 Zeitungen platziert. Auch bei ClariNews, das Nachrichten aus verschiedenen Quellen im Usenet verbreitete, erschien Dilbert zusammen mit Adams’ E-Mail-Adresse.
Bis 1995 arbeitete Adams bei Pacific Bells, ehe er sich als freier Zeichner ganz dem Dilbert-Kosmos widmete. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits eine Mailingliste, den Dilbert-Newsletter eingerichtet, den er an etwa 20.000 Mitglieder von „Dogberts New Ruling Class“ (DNRC) verschickte. Dogbert ist Dilberts intelligenter Hund, der die Weltherrschaft anstrebte.
Im deutschsprachigen Raum tauchten Adams Dilbert-Comics erstmals im Oktober 1994 auf, als die "Zeit" eine wöchentliche Computerseite erhielt. Mit der Website der Wochenzeitung wanderte auch der übersetzte Dilbert 1996 ins Internet.
Dilbert selbst war als typischer Nerd gezeichnet, ohne Mund, mit Brille, mehreren Kugelschreibern in der Brusttasche seines ärmellosen Hemdes und einer gestreiften Krawatte, die sich im unteren Drittel nach oben biegt. Er lebt und arbeitet in einem Großraumbüro mit abgetrennten Arbeitsplätzen, den sogenannten Cubicles.
Das Dilbert-Universum
„Dilberts mangelnde sozialen Fähigkeiten sind meinen eigenen nachempfunden, die beruflichen Fähigkeiten denen von Ingenieuren, die ich kannte“, erklärte Adams in einem Interview. Die Erlebnisse von Dilbert und anderen Mitarbeitern wie Wally, Alice und Asok stammen von Adams Leserinnen und Lesern. Sie alle kämpfen mit dem Abteilungsleiter, der keinen Namen hat, „damit sich jeder seinen eigenen ahnungslosen Manager mit seinen absurden Maßnahmen vorstellen kann“, sagte Adams. Seine Fans fanden dennoch einen Namen für ihn: Pointy-Haired Boss.
Neben dem täglichen Comic-Strip veröffentlichte Adams ab 1997 satirische Bücher über das (Mis-)Management im Büro, angefangen mit dem „Dilbert-Prinzip“ und „Dogberts Top-Secret Management Handbuch“. Seine enorme Produktivität wurde durch eine Nervenkrankheit ausgebremst, die ihn zwang, beim Zeichnen von der rechten Hand auf die linke umzustellen. Zeitweilig musste er andere Zeichner für den Comic-Strip beschäftigen.
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Rassismus-Kontroverse
Der Erfolg brach im Jahr 2023 schlagartig ein, als ihm nach Äußerungen auf seinem YouTube-Kanal „Real Coffee with Scott Adams“ von vielen Seiten Rassismus vorgeworfen wurde. Adams hatte sich über eine Umfrage ausgelassen, in der unter anderem die Zustimmung zu dem Slogan „It’s okay to be white” abgefragt wurde. Nachdem rund ein Viertel der befragten schwarzen US-Amerikaner dem nicht zugestimmt hatte, bezeichnete er sie als „Hassgruppe“ und empfahl seinen weißen Landsleuten, sich von Afroamerikanern fernzuhalten.
Zahlreiche Zeitungen stellten nach diesen Äußerungen die Veröffentlichung von Dilbert-Comics ein, auch die populäre Dilbert-Website wurde geschlossen und war später unter "Dilbert Reborn" nur im Abonnement zugänglich. Adams zog sich auf eigene Plattformen zurück und blieb streitbar.
(vbr)