Razzia in Deutschland: Behörden machen Cybercrime-Hoster RedVDS dicht
Internationalen Ermittlern und Microsoft ist ein Schlag gegen die Infrastruktur des Cybercrime-Hosters RedVDS gelungen. Die Server standen auch in Deutschland.
(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)
Internationale Strafverfolger haben zusammen mit Microsoft den virtuellen Hoster RedVDS vom Netz genommen, dessen Infrastruktur fĂĽr verschiedene Betrugstaten genutzt worden sein soll. HerzstĂĽck des von IT-Kriminellen frequentierten Dienstes soll ein Rechenzentrum in Deutschland gewesen sein.
Ab 24 US-Dollar monatlich bot RedVDS virtuelle dedizierte Server und internationale IP-Adressen sowie weitere anonyme Dienstleistungen an. Das Angebot wurde nach Erkenntnissen Microsofts und der Strafverfolger für zahlreiche Betrugsfälle genutzt. Nach der Tat werden die Server gelöscht und erschweren damit die Ermittlungen.
„Digitales Tatmittel“
„Dieses Angebot war darauf ausgerichtet, Cyberkriminellen ein digitales Tatmittel an die Hand zu geben, um hierüber die weitgehend anonyme Begehung von Straftaten zu ermöglichen“, heißt es in der Erklärung der Zentralstelle für Internet- und Computerkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und des Landeskriminalamts Brandenburg.
Ein physischer Standort von RedVDS war in einem Rechenzentrum in Deutschland. Dort haben die Behörden Server beschlagnahmt. Laut dpa steht das Rechenzentrum in Limburg an der Lahn. Tatverdächtige wurden nicht festgenommen. Sie werden in einem nicht näher bezeichneten Nahost-Staat vermutet.
Microsoft nennt die Gruppe, die RedVDS betreibt „Storm-2470“. Die Plattform sei von zahlreichen anderen beobachteten Akteuren genutzt worden, sagt eine Analyse des Konzerns.
Phishing und Boss-Betrug
Nach Angaben von Microsoft wurde die Plattform von Red VDS „für unterschiedlichste Zwecke” eingesetzt, darunter der massenhafte Versand von Phishing-E-Mails oder das „Hosten von Scam-Infrastruktur”. Innerhalb eines Monats sollen Täter über mehr als 2600 virtuelle Maschinen von RedVDS durchschnittlich eine Million Phishing-Nachrichten pro Tag an Microsoft-Kunden geschickt haben.
RedVDS soll dabei auch für die derzeit beliebte Masche des Zahlungsumleitungsbetrugs eingesetzt worden sein. Dabei verschaffen sich Täter per Phishing Zugang zu den Computersystemen ihrer Opfer, um sie auszuforschen. Bei bevorstehenden Zahlungsvorgängen etwa von Unternehmen oder Immobilienmaklern können sie sich dann überzeugend als Beteiligte ausgeben und Rechnungen fälschen sowie Zahlungen umleiten.
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„RedVDS ist ein Online-Abo-Dienst und Teil des wachsenden Cybercrime-as-a-Service-Ökosystems – einer Schattenwirtschaft, in der IT-Straftäter Dienstleistungen und Werkzeuge kaufen und verkaufen, um Angriffe in großem Maßstab durchzuführen”, erklärt Steven Masada von Microsofts Digital Crimes Unit.
Millionenschaden nur „Spitze des Eisbergs“
Laut Microsoft war RedVDS als Plattform an einem der größten Betrugsfälle der vergangenen Jahre beteiligt. Allein in den USA sei in den vergangenen sieben Monaten ein Schaden von 40 Millionen US-Dollar (34,3 Millionen Euro) entstanden. „Das ist aber nur die Spitze eines Eisbergs“, sagte eine Sprecherin der dpa.
Zu den Geschädigten gehörte zum einen das Arzneimittelunternehmen H2 Pharma aus dem US-Bundesstaat Alabama, das um 7,3 Millionen Dollar betrogen wurde. Betroffen war auch eine Wohnungseigentümergemeinschaft in Florida, die um fast 500.000 Dollar erleichtert wurde.
„Microsoft ist H2 Pharma und der Gatehouse Dock Condominium Association sehr dankbar, dass sie sich gemeldet und ihre Erfahrungen mitgeteilt haben”, betonte Masada. „Ihre Zusammenarbeit hat diese Maßnahme erst möglich gemacht.“
Die deutschen Ermittler gehen von Hunderten Geschädigten in Deutschland aus, in Brandenburg von einer unteren zweistelligen Zahl. Das LKA Brandenburg leitet die Ermittlungen.
Ermittler nehmen verstärkt die Online-Infrastruktur Krimineller ins Visier. Im vergangenen November konnte die niederländische Polizei einen sogenannten Bulletproof Hoster zerschlagen. 2019 war Deutschland Schauplatz einer spektakulären Razzia im Cyberbunker. Dessen Betreiber wurden inzwischen rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilt.
(vbr)