SETI@home veröffentlicht Ergebnisse von 21 Jahren Distributed Computing
21 Jahre lang analysierten private Rechner Daten aus dem Weltall nach Spuren von Außerirdischen. Die verheißungsvollsten Signale werden jetzt überprüft.
Das Arecibo-Teleskop vor dem Einsturz.
(Bild: NAIC)
21 Jahre, 12 Milliarden Signale, 100 Kandidaten: Das Team der University Of California in Berkeley (UC Berkeley) hat eine Bilanz des Projekts SETI@home gezogen. Im Rahmen dieses Projekts stellten Millionen Menschen auf der ganzen Welt ihre Computer für die Suche nach möglichen Spuren von intelligentem Leben im Weltall, sogenannten Technosignaturen, zur Verfügung.
21 Jahre lief das Projekt, von 1999 bis 2020. Sechs Jahre nach dem Ende hat das Team in der Fachzeitschrift The Astronomical Journal die Ergebnisse vorgestellt. Danach haben die an SETI@home beteiligten Rechner 12 Milliarden auffällige Signale in den Arecibo-Daten gefunden. Nach weiteren Analysen seien schließlich noch 100 Kandidaten übrig, die jetzt weiter überprüft würden, sagt David Anderson, einer der Gründer des Projekts.
Anlass für SETI@home war das UC-Berkeley-Projekt SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence), das die Signale, die das Radioteleskop Arecibo auf der Insel Puerto Rico auffing, nach Signalen von möglichen außerirdischen Zivilisationen durchsuchte. Da der Rechenaufwand dafür immens hoch war, entstand die Idee, diesen zu verteilen – auf private Computer von Internetnutzern. Diese Art von Distributed Computing nutzte man in der Zeit, wenn es galt, komplexe und aufwendige Aufgaben ohne einen Supercomputer zu lösen.
SETI@home nutzte Computer im Leerlauf
Dafür gründete der UC-Berkeley-Informatiker Anderson zusammen mit den Astronomen Eric Korpela und Dan Werthimer SETI@home. Um daran teilzunehmen, installierten die Nutzer ein Programm auf ihrem Rechner. Das lud kleine Datenpakete von SETI herunter und bearbeitete diese, wenn der Computer nicht in Benutzung war.
Es war eines der populärsten Crowdsourcing-Projekte seiner Zeit: Nach wenigen Tagen hatte SETI@home bereits 200.000 Teilnehmer Nutzer weltweit, ein Jahr später 2 Millionen – weit mehr als die Initiatoren erwartet hatten: „Als wir SETI@home planten, versuchten wir zu entscheiden, ob es sich lohnen würde, ob wir genug Rechenleistung bekommen würden, um tatsächlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Unsere Berechnungen basierten darauf, 50.000 Freiwilligen zu bekommen. Ziemlich schnell hatten wir eine Million“, erzählt Anderson. „Das war ziemlich cool, und ich möchte dieser Community und der ganzen Welt mitteilen, dass wir tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen haben.“
Aus der immensen Datenmenge filterten die SETI@home-Rechner zwölf Milliarden Radiosignale mit Merkmalen möglicher Technosignaturen. „Bis ungefähr 2016 wussten wir nicht, was wir mit diesen Merkmalen anfangen sollten“, sagt Anderson. „Wir hatten noch keine Idee, wie wir den zweiten Teil der Analyse machen sollten.“
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Hilfe aus Hannover
Hilfe bekamen die Forscher aus Hannover: Sie konnten den Supercomputer des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik nutzen, um elektromagnetische Störungen und andere Rauschen herauszufiltern. Das reduzierte die Zahl auf einige Millionen. Die Forscher wählten daraus die tausend verheißungsvollsten aus und werteten sie noch einmal manuell aus. Am Ende blieben noch rund 100 Kandidaten übrig.
Diese werden jetzt überprüft. Dazu nutzen die Forscher das Five hundred Meter Aperture Spherical Telescope (FAST) in der südwestchinesischen Guizhou. Das 2016 in Betrieb genommene FAST ist das derzeit größte Radioteleskop. Die Anlage in Arecibo ist nach dem Einsturz 2022 außer Betrieb.
Ein Signal von Außerirdischen zu finden, erwartet Anderson nicht. „Auch wenn wir ET nicht finden, können wir zumindest sagen, dass wir eine neue Empfindlichkeitsstufe erreicht haben. Wenn es ein Signal über einer bestimmten Stärke gegeben hätte, hätten wir es gefunden“, resümiert er. „Eine Schlussfolgerung von uns ist, dass das Projekt nicht ganz so funktioniert hat, wie wir dachten. Außerdem haben wir eine lange Liste von Dingen, die wir anders gemacht hätten und die zukünftige Projekte zur Himmelsdurchmusterung anders machen sollten.“
(wpl)