„Pflege-Tinder“ und „Pflege-Kompass“ sollen pflegenden Angehörigen helfen
Der „Pflege-Kompass“ von Nui Care soll Gutachten verständlich machen, ein „Pflege-Tinder“ Angehörige lokal vernetzen. Das soll die häusliche Pflege entlasten.
(Bild: Nui Care)
Das Münchner HealthTech-Unternehmen Nui Care erweitert seine App für pflegende Angehörige um zwei neue Funktionen: einen „Pflege-Kompass“ zur Auswertung von Pflegegutachten sowie eine Matching-Plattform mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Pflege-Tinder“. Ziel ist es, Angehörige im Pflegealltag gezielt zu entlasten und bestehende Leistungsansprüche transparenter zu machen. Die beiden Angebote von Nui Care werden im Rahmen des „Innovationsprogramms für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.
Ende 2023 galten laut dem Statistischen Bundesamt rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland als pflegebedürftig, von denen der Großteil zu Hause betreut wird – meist durch Angehörige. Viele Pflegende fühlen sich stark belastet, gleichzeitig bleiben laut Sozialverbänden Milliardenbeträge an Unterstützungsleistungen ungenutzt. Digitale Angebote könnten Menschen dabei helfen, leichter finanzielle Unterstützung oder andere Leistungen zu erhalten. Nui Care setzt dabei auf eine Kombination aus App-Funktionen und persönlicher Beratung durch Experten.
Gutachten verständlicher machen
Der „Pflege-Kompass“ soll Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes für gesetzlich Versicherte (MD) oder die des medizinischen Dienstes von privat Versicherten (Medicproof) analysieren. Aus formalen Feststellungen im Gutachten sollen verständliche Hinweise zu Leistungsansprüchen werden – etwa zur Nutzung des monatlichen Entlastungsbetrags oder weiterer Budgets. Laut Nui Care informiert der Kompass darüber hinaus über Präventions- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige selbst, die häufig psychisch stark beansprucht sind.
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„Pflege-Tinder“
Mit dem zweiten Projekt, intern „Pflege-Tinder“ genannt, plant Nui Care eine Matching-Funktion innerhalb der App. Angehörige sollen dort Unterstützung in ihrer Nähe finden oder sich mit anderen Pflegenden vernetzen können – für praktische Hilfe oder persönlichen Austausch. Konkrete Partnerschaften mit lokalen Trägern bestehen derzeit noch nicht. Auf die Frage von heise online, ob eine Zusammenarbeit mit Nachbarschaftshilfen oder Diakonien geplant ist, antwortet Nui Care: „Momentan bestehen noch keine Partnerschaften mit Nachbarschaftshilfen oder Diakonien. Im Rahmen der Entwicklung von Pflege-Tinder prüfen wir jedoch Kooperationen mit Nachbarschaftshilfen, Sanitätshäusern und ähnlichen Organisationen. Zudem loten wir aktuell eine Zusammenarbeit mit Desideria e.V. aus, einem Verein, der Angehörige von Demenzkranken unterstützt.“
Kooperationen mit Krankenkassen
Die Nui-App ist im Apple App Store und bei Google Play erhältlich und kann für zwei Wochen kostenlos getestet werden. Für bestimmte Versicherte ist sie kostenfrei. „Bislang haben wir Verträge mit der Allianz Private Krankenversicherung, der AOK Bayern sowie der DAK-Gesundheit abgeschlossen. Kürzlich konnten wir zudem einen Rahmenvertrag mit zahlreichen weiteren Kassen schließen, um die App auf breiter Basis kostenlos anbieten zu können. Für alle anderen, die Unterstützung in der Pflege zu Hause suchen, gibt es die App als Selbstzahler-Version (9,99 € pro Monat),“ heißt es von einer Sprecherin. Je nach Krankenkasse gibt es leichte Unterschiede: „Die AOK Bayern nutzt beispielsweise eine Co-gebrandete Version der App, während die DAK eine White-Label-Lösung einsetzt.“
Neben Nui Care gibt es auch andere Anwendungen, beispielsweise „mitpflegeleben“. Die App bietet ebenfalls eine digitale Begleitung für Angehörige, inklusive Leistungsübersicht und Budgetverwaltung. Eine andere App, die Vitakt-App, hilft bei der Koordination zwischen Familienmitgliedern und Nachbarn. Auch Krankenkassen selbst bauen digitale und qualifizierende Angebote rund um die Nachbarschaftshilfe aus. So bietet die Barmer seit März 2025 kostenfreie E-Learning-Kurse für Nachbarschaftshelfer an. Teilnehmer erhalten nach einem Wissenstest ein Zertifikat, mit dem sie sich bei den Anerkennungsstellen der Bundesländer registrieren können, um über den monatlichen Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung abrechnen zu dürfen. Laut Barmer berücksichtigen die Kurse die jeweiligen Landesverordnungen und sind entsprechend anerkannt.
(mack)