Vor 40 Jahren: Space Shuttle Challenger explodiert kurz nach dem Start
Am 28. Januar 1986 explodierte das Space Shuttle Challenger. Der bis dato schwerste Unfall der bemannten Raumfahrt schockierte die USA und die ganze Welt.
Letzter Start der Challenger am 28. Januar 1986
(Bild: NASA)
Der 28. Januar 1986 ist ein klarer, kalter Tag in Florida. Wie auch bei früheren Space-Shuttle-Starts hat sich eine große Menge Zuschauer rund um den Startplatz Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida eingefunden. Doch statt eines weiteren Starts der wiederverwendbaren Raumfähre beizuwohnen, werden sie Zeuge der bis dato größten Katastrophe in der Raumfahrt.
Zunächst verlief bei der Mission STS-51L alles wie üblich: Die Triebwerke zündeten, eine große weiße Wolke aus Wasserdampf breitete sich aus, und das Space Shuttle hob um 11:38 Uhr Ortszeit (17:38 Uhr unserer Zeit) ab. Mit 1600 Kilometern pro Stunde stieg das Shuttle Richtung Weltraum auf und zog einen weißen Streifen aus Wasserdampf hinter sich her.
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Doch etwa 73 Sekunden nach dem Start – die sonore Stimme eines NASA-Offiziellen verkündete gerade die aktuelle Höhe und Geschwindigkeit des Raumfahrzeugs – verdickte sich die weiße Wolke und bildete plötzlich ein weißes Ypsilon vor dem blauen Januarhimmel.
Eine knappe Minute später verkündete der Sprecher, die Flight Controller überprüften die Situation sehr sorgfältig. Es sei „obviously a major malfunction“, offensichtlich eine große Fehlfunktion, aufgetreten.
Schlimmster Unfall
Die „major malfunction“ war das bis dahin schlimmste Unglück in der bemannten Raumfahrt. Sieben Menschen starben bei der Explosion des Space Shuttle Columbia: die fünf NASA-Astronauten Francis Scobee, Michael Smith, Judith Resnik, Ellison Onizuka und Ronald McNair. Daneben waren an Bord Gregory Jarvis, ein Ex-Luftwaffenoffizier und Angestellter des ehemaligen US-Verteidigungs- und Luftfahrtunternehmens Hughes Aircraft, sowie die Lehrerin Christa McAuliffe. Sie war die erste Zivilistin an Bord eines Space Shuttle und sollte als erste Vertreterin des „Teacher in Space Project“ ins All fliegen. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan hatte das Programm zwei Jahre zuvor initiiert. McAuliffe sollte aus dem All unterrichten. Ziel war, bei Schülern das Interesse für Technik im Allgemeinen und Raumfahrt im Besonderen zu wecken.
Stattdessen brachte der 28. Januar 1986 einen Schock, der die US-Raumfahrtpläne abrupt stoppte. Noch nie waren so viele Menschen beim Flug eines Raumfahrzeugs gestorben. Die NASA hatte bis dato drei Tote zu beklagen: Die Mannschaft einer Apollo-Kommandokapsel starb 1967 bei einem Feuer während einer Startsimulation am Boden. Der schlimmste Unfall, die Explosion an Bord der Apollo 13 im Jahr 1970, verlief glimpflich. Die drei Astronauten kehrten weitgehend unverletzt – mit Ausnahme einer Nierenbeckenentzündung – zur Erde zurück. 1983 und 1984 verhinderten Space-Shuttle-Startabbrüche eine Katastrophe.
Auch die sowjetische Konkurrenz blieb von Unfällen nicht verschont: Drei Kosmonauten erstickten bei der Rückkehr aus dem Orbit zur Erde in ihrer Kapsel. Ein weiterer starb, weil sich der Fallschirm seiner Kapsel nicht öffnete.
Suche nach den Astronauten
Der Schock in den USA saß tief. Sofort wurde eine Suche nach den sterblichen Überresten der Crew und nach Trümmerteilen eingeleitet. Eine schwierige Aufgabe: Die Trümmerteile hatten sich über ein etwa 26.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Atlantik verteilt.
Eine Flotte von über einem Dutzend Schiffe, inklusive U-Boote, wurde für die Suche abgestellt. Nach sechs Wochen fanden die Suchtrupps das Cockpit in über 30 Metern Tiefe. Die schockierende Entdeckung: Die Astronauten hatten das Auseinanderbrechen des Shuttles mutmaßlich überlebt und starben beim Aufprall.
Allen Bemühungen zum Trotz wurden weniger als die Hälfte der Trümmer gefunden. Zehn Jahre später wurden zwei Teile der linken Tragfläche angespült. 2022 fanden Taucher auf der Suche nach einem Flugzeugwrack für einen Dokumentarfilm für den History Channel ein etwa 4,5 Meter mal 4,5 Meter großes Trümmerteil auf dem Meeresgrund vor Florida. Die US-Raumfahrtbehörde NASA bestätigte, dass es sich um ein Teil der Challenger handelte.