Fachkräftemangel: Warum in der KI-Branche gerade Elektriker und Klempner fehlen
In den USA ist der Bau zahlreicher Rechenzentren geplant. Ausgerechnet der Mangel an gut ausgebildeten Handwerkern könnte allerdings zu Verzögerungen führen.
(Bild: Gorodenkoff / Shutterstock.com)
Der KI-Boom verändert die Arbeitswelt in rasantem Tempo. Während eine akademische Ausbildung früher als sicherer Weg zu einem gut bezahlten Arbeitsplatz galt, fehlen heute vor allem Handwerker, um die KI-Rechenzentren zu errichten. Wie Wired berichtet, stellt der Fachkräftemangel Unternehmen wie OpenAI und Meta vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig bleibt offen, wie dauerhaft dieser Bedarf tatsächlich ist.
Hunderttausende Fachkräfte fehlen
Vor allem Büroangestellte befürchten, durch den Einsatz von KI-Tools ersetzbar zu werden. Diese Sorgen werden durch Aussagen aus der Tech-Branche verstärkt. So warnte etwa Anthropic-CEO Dario Amodei davor, dass KI Millionen gut bezahlter Arbeitsplätze verdrängen und die Arbeitslosenquote auf bis zu 20 Prozent steigen lassen könnte. Andere Berufsgruppen blicken dagegen optimistischer in die Zukunft. So kommt eine Studie von Microsoft zu dem Ergebnis, dass insbesondere Pflegekräfte und Handwerker in absehbarer Zeit vergleichsweise sicher sind.
Dass ausgerechnet der KI-Boom die Nachfrage nach Elektrikern und Klempnern steigern würde, hätte kaum jemand erwartet. Aber während Konzerne wie Meta und OpenAI um hochspezialisierte Ingenieure und Forscher konkurrieren, fehlen für den Bau geplanter Rechenzentren vor allem Fachkräfte aus dem Handwerk. Laut einer Mckinsey-Studie werden zwischen 2023 und 2030 zusätzlich rund 130.000 Elektriker, 240.000 Bauarbeiter und 150.000 Bauleiter benötigt. Unternehmen, die Rechenzentren errichten wollen, müssen nämlich auch mit dem Bau von Wohnungen, Krankenhäusern, Fabriken und Energieanlagen konkurrieren.
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Das Handwerk wird wieder attraktiver
Schon heute reicht die Zahl an Elektrikern, Klempnern sowie Heizungs- und Klimatechnikern in vielen Bereichen nicht aus. Chris Madello ist internationaler Vertreter der United Association, einer Gewerkschaft für Klempner und Rohrschlosser. Er erklärt, dass Rechenzentren derzeit mehr Arbeitskräfte binden als jede andere Branche. Die Gewerkschaft International Brotherhood of Electrical Workers kann das bestätigen. Laut ihr stehen einige regionale Verbände bereits vor Projekten, für die zwei- bis viermal so viele Fachkräfte benötigt werden, wie aktuell verfügbar sind.
Gleichzeitig erreicht ein großer Teil der Handwerker das Rentenalter, während der Nachwuchs lange ausblieb. Über Jahre hinweg galt eine akademische Laufbahn als bevorzugter Weg in ein stabiles Berufsleben. Diese Erwartung erfüllt sich für viele junge Menschen heute nicht mehr. Gut bezahlte Einstiegsjobs werden seltener, während die Studiengebühren steigen. Vor diesem Hintergrund entscheiden sich immer mehr junge Amerikaner für das Handwerk. Berufe wie Elektriker:in, Tischler:in oder Klempner:in gelten zunehmend als attraktive Alternativen, da sie stabile Einkommen, Selbstständigkeit und oft einen Einstieg ohne Hochschulabschluss ermöglichen.
Der Bedarf kann sich schnell ändern
Google hat bereits angekündigt, stärker in Aus- und Weiterbildungsprogramme für Handwerker zu investieren. Trotzdem bleiben strukturelle Probleme bestehen. Einerseits lassen sich Fachkräfte nicht im gleichen Tempo ausbilden, in dem neue Rechenzentren geplant werden. Zum anderen unterliegen Bauprojekte engen Zeitplänen, die kaum Verzögerungen erlauben, wie Anirban Basu, Chefökonom des Bauverbands Associated Builders and Contractors, erklärt. Andererseits komme ein wirtschaftliches Risiko hinzu: Sollte der KI-Boom nachlassen, könnte die Nachfrage rasch sinken. Dann stünden möglicherweise mehr Fachkräfte bereit, als alternative Arbeitsplätze verfügbar sind. Noch läuft das Geschäft allerdings auf Hochtouren – wie lange, bleibt abzuwarten.
Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.
(jle)