Heftiger Sonnensturm, perfektes Wetter: Polarlichter über ganz Deutschland
In der Nacht zu Dienstag hat ein heftiger Sonnensturm für Polarlichter bis weit in den Süden gesorgt. In ganz Deutschland war das Himmelsphänomen zu bestaunen.
(Bild: Dirk Knop)
Ein ungewöhnlich starker geomagnetischer Sonnensturm hat in der Nacht dafür gesorgt, dass über ganz Deutschland Polarlichter zu sehen waren. Sogar aus dem Alpenvorland und aus Österreich sind beim Deutschen Wetterdienst Aufnahmen des Himmelsspektakels eingegangen. Verantwortlich war ein geomagnetischer Sturm der zweithöchsten Stufe G4, dessen Ausläufer die Erde schon nach etwa 25 Stunden erreicht haben. Das ist extrem schnell, normalerweise dauert das mehrere Tage. Trotz der kurzen Vorwarnzeit haben viele Menschen das Schauspiel beobachtet und sogar abgelichtet, auch dank des sternenklaren Himmels. Gegen Mitternacht hat sich die Lage aber schon wieder beruhigt.
„Wir hatten eine stärkere Eruption der Sonne und die ist jetzt bei uns angekommen“, erklärt der Meteorologe Markus Bayer vom Deutschen Wetterdienst der Nachrichtenagentur dpa. Dadurch seien Teilchen der Sonne Richtung Erde geschleudert worden. Hier wurden sie vom Erdmagnetfeld in Richtung der Pole gelenkt, wo sie in die Erdatmosphäre eingedrungen sind. „In den oberen Schichten der Atmosphäre treffen die geladenen Teilchen auf Luftmoleküle und regen diese zum Leuchten an.“ Normalerweise sind die so entstandenen Polarlichter deshalb primär in der Nähe der Pole zu sehen. Sobald es heftiger wird, aber auch südlicher (beziehungsweise nördlicher auf der Südhalbkugel).
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Der Sonnensturm ist jetzt während des besonders starken 25. Sonnenzyklus erfolgt, der sein Maximum hinter sich hat. Erst vor wenigen Monaten hat eine Forschungsgruppe darauf hingewiesen, dass dieser Teil eines längerfristigen Erwachens unseres Heimatsterns ist, das für unerwartet viel Aktivität sorgt. Vorher hatte eigentlich alles darauf hingedeutet, dass die Sonne in eine längere Phase geringer Aktivität eingetreten ist. Schlimmstenfalls kann eine besonders aktive Sonne – also eine mit vielen Sonnenflecken und großen Ausbrüchen auf der Oberfläche – technische Systeme wie Satelliten beschädigen oder gar zur Gefahr für Astronauten werden. Eine besonders starke Sonneneruption könnte sogar eine „Internet-Apokalypse“ auslösen.
Dass die Sonne bei ihrer Aktivität einen ungefähr elfjährigen Zyklus durchläuft, ist seit mehr als 200 Jahren bekannt. Die wurden von dem Schweizer Astronomen Rudolf Wolf im 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1749 zurückgerechnet, dem Maximum des sogenannten 0. Zyklus. Inzwischen wurde der Elfjahreszyklus anhand von Baumringen sogar lückenlos für die vergangenen 1000 Jahre bestätigt und bis ins Jahr 969 zurückverfolgt. Gleichzeitig durchläuft die Sonne aber langfristigere Veränderungen, die dafür sorgen, dass die Aktivität unabhängig von den Zyklen zu- oder abnimmt. Am inaktivsten war die Sonne beispielsweise aus bislang ungeklärten Gründen im 17. Jahrhundert und dann noch einmal am Anfang des 19. Jahrhunderts.
(mho)