Britische Regierung prüft Mindestalter für Social Media, Druck aus dem Parlament

Das britische Oberhaus könnte schon am Mittwoch dafür stimmen, soziale Medien erst ab 16 Jahren freizugeben. Die Regierung hat eine Konsultation versprochen.

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(Bild: Vitaliy Kriuchkov/ Shutterstock.com)

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In Großbritannien hat die Debatte über ein Verbot von Social Media vor einer mit Spannung erwarteten Abstimmung im Parlament weiter an Fahrt gewonnen. Die Regierung hat zugesagt, ein mögliches Mindestalter prüfen zu wollen. Am Mittwoch soll das Oberhaus über einen Antrag aus den Reihen der Conservative Party abstimmen, der ein Mindestalter von 16 Jahren bereits festlegen soll, berichtet der Guardian. Das müsste dann nach einem Jahr umgesetzt werden. Laut der Zeitung wird davon ausgegangen, dass auch eine Reihe von Abgeordneten der Labour-Partei dem zustimmen werden, obwohl sich die Regierung nicht sonderlich begeistert gezeigt haben soll. Premierminister Keir Starmer hält den Vorschlag demnach für schwer durchzusetzen und fürchtet, dass „einige Kinder ins Darknet gedrängt würden“.

Kurz vor der Abstimmung hat Technologieministerin Liz Kendall wohl auch deshalb angekündigt, dass die Regierung eine Konsultation zur Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche durchführen will. Gleichzeitig sei die zuständige Behörde für die Überprüfung von Schulen angewiesen worden, dort jeweils den Umgang mit Mobiltelefonen zu kontrollieren. Man gehe davon aus, dass diese damit aus den Klassenräumen und von den Schulhöfen verbannt werden. Ermitteln wolle man dann, was das richtige Mindestalter für die Nutzung von Social Media sei. Zudem möchte die Regierung herausfinden, wie das Alter von Nutzenden korrekt ermittelt werden kann und süchtig machende Techniken aus Anwendungen entfernen lassen. Eltern sollen besser unterstützt werden.

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In der Ankündigung verweist die Ministerin auch auf Australien, wo Kindern und Jugendlichen unter 16 seit einem Monat die Nutzung von sozialen Medien untersagt ist. Die betroffenen Plattformen haben deshalb fast fünf Millionen Accounts entfernt oder gesperrt, die zuständige Aufsichtsbehörde hat sich mit der Einführung zufrieden gezeigt. Eine Delegation der britischen Regierung soll nun auch nach Australien reisen, um sich dort persönlich über die Maßnahmen und ihre Folgen zu informieren. Erst am Wochenende hat der Guardian berichtet, dass mehr als 60 Labour-Abgeordnete den Premier aus ihrer eigenen Partei aufgefordert haben, dem Beispiel Australiens zu folgen. Ob denen die jetzt angekündigte „Konsultation“ reicht, muss sich noch zeigen.

(mho)