Zank im Maker-Lager: SparkFun vs. Adafruit

Adafruit und SparkFun beharken sich seit einiger Zeit, nun ist die Situation mit der Beendigung der Geschäftsbeziehungen seitens SparkFun eskaliert.

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Zwei Raben streiten sich um ein Teensy Board

(Bild: NanoBanana/Google)

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Zwei der bekanntesten Maker-Hardware-Hersteller haben ihre langjährige Geschäftsbeziehung beendet. SparkFun wirft Adafruit Verstöße gegen den Code of Conduct vor, Adafruit kontert mit Vorwürfen von Belästigung und unbezahlten Lizenzgebühren. Im Zentrum der Auseinandersetzung: Teensy-Entwicklungsboards. Hat dies Auswirkungen für die Maker-Community?

Am 8. Dezember 2025 kündigte SparkFun Electronics CEO Glenn Samala in einer offiziellen Stellungnahme an, dass das Unternehmen ab dem 15. Januar 2026 keine Geschäfte mehr mit Adafruit Industries tätigen werde. Betroffen sind vor allem Teensy-Entwicklungsboards, die Adafruit über SparkFun bezog und weiterverkaufte.

SparkFuns Begründung in der Stellungnahme: Verstöße gegen den Code of Conduct durch Adafruit-Mitarbeiter. Das soll konkret sein: Versenden „offensiver, antagonistischer und herabwürdigender E-Mails und Materialien“ an SparkFun-Mitarbeiter, ehemalige Mitarbeiter und Kunden. Sowie „Unangemessenes Einbeziehen eines SparkFun-Kunden in eine private Angelegenheit“.

Adafruits Gegendarstellung: Phillip Torrone, Managing Director von Adafruit (verheiratet mit Adafruit-Gründerin Limor „Ladyada“ Fried), erklärte in einem Hacker News-Forum-Post, dass er SparkFun-Gründer Nate Seidle wegen „mehrfacher belästigender Handlungen“ gemeldet habe, die sich gegen Fried richteten. Statt das Problem anzugehen, habe SparkFun „den Boten getötet“ und Adafruit von Teensy-Lieferungen abgeschnitten.

Laut Torrone reichen die Konflikte weit zurück. In einem ausführlichen Post im PJRC-Forum (dem Hersteller der Teensy-Boards) schildert er mehrere Vorfälle, die von „Hass-Websites“ über Photoshop manipulierte Bilder, Website Scraping von Adafruits Servern, Quellcode ohne Herkunftsquellen, Verwendung von Markennamen bis zur Belästigung von Adafruit-Mitarbeitern und den Geschäftsführern reichen. Nachdem diese Vorwürfe erneut aufgetaucht waren, sei die Geschäftsbeziehung seitens SparkFun beendet worden.

Torrone erwähnt auch, dass Nate Seidels Ehefrau Alicia die Open-Source-Hardware-Association (OSHWA) leitet. Als er diesen möglichen Interessenkonflikt meldete (die Beziehung wurde nicht offengelegt), habe Seidle mit weiteren Aktionen reagiert.

Teensy-Boards, entwickelt von Paul Stoffregen und produziert von PJRC, sind in der Maker-Community recht beliebt. Die leistungsstarken ARM-Mikrocontroller-Boards mit Arduino-Kompatibilität werden für Audio-Projekte, Synthesizer, MIDI-Controller und anspruchsvolle Embedded-Anwendungen eingesetzt.

Seit dem 15. Januar 2026 kann Adafruit keine Teensy-Boards mehr ĂĽber SparkFun beziehen und im Shop anbieten.

Dennoch sollte die Versorgung für den Maker weiter sichergestellt sein, wenn man nicht nur bei Adafruit kaufen will. Adafruit plant nun anscheinend eine eigene Alternative zum Teensy, möglicherweise unter dem Namen „Freensy“. Im PJRC-Forum startete Torrone einen Thread mit der Frage: „Open-source teensy-compatible – what features do you want?“. Damit bietet sich auch die Chance für Maker bei den Features mitzubestimmen.

In einer überraschenden Reaktion antwortete Paul Stoffregen, der Schöpfer von Teensy, selbst im Thread – allerdings ohne sich zur SparkFun-Adafruit-Kontroverse zu äußern. Stattdessen ging er sachlich auf technische Fragen ein und erklärte Details zur Teensy-Architektur.

So unschön dieser Streit ist, kurzfristig drohen keine Versorgungsengpässe. Teensy bleibt über PJRC, SparkFun und andere Distributoren verfügbar. Für die PJRC könnte der Streit aber bedeuten, dass die interessante und gut dokumentierte Board-Familie an Bedeutung verliert, weil Maker auf andere Boards umsteigen.

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Mittelfristig und wenn Adafruit tatsächlich ein „Freensy“-Board entwickelt, könnte dies den Markt beleben und Innovation fördern. Weiterhin könnte eine vollständige Open-Source-Alternative die Maker-Community stärken – sofern sie technisch mit Teensy mithalten kann.

Teensy bleibt vorerst die erste Wahl für Audio- und Klangsynthese-Anwendungen dank der Audio-Library von Paul Stoffregen. Der ESP32 mit I²S gewinnt allerdings auch langsam Popularität. Spezielle Audio-Boards wie etwa die Daisy Boards werden schon in vielen Studios als Effektgeräte oder Eurorack-Module eingesetzt und sind dank Open-Source auch für Maker interessant.

Für Maker, die sich nicht zwischen den Fronten entscheiden möchten oder Teensy-Alternativen suchen:

  • ESP32-basierte Boards (Adafruit Feather, SparkFun Thing Plus)
  • RP2040/RP2350 (Raspberry Pi Pico, Adafruit Feather RP2040)
  • STM32-Boards (verschiedene Anbieter)
  • Arduino Due/Portenta

(caw)