Mathematikerin und GPS-Pionierin Gladys West im Alter von 95 Jahren gestorben

Die US-Mathematikerin Gladys West hat Modelle der Erde errechnet, die die Basis für die Positionsbestimmung per Satellit bilden. Sie wurde 95 Jahre alt.

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Gladys West, bei der Zeremonie zur Aufnahme in die  Air Force Space and Missile Pioneers Hall of Fame, 2018. 

Gladys West, bei der Zeremonie zur Aufnahme in die Air Force Space and Missile Pioneers Hall of Fame, 2018.

(Bild: Adrian Cadiz/US Air Force)

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Sie hat die Grundlagen für die moderne Satellitennavigation gelegt, nutzte selbst unterwegs aber lieber gedruckte Landkarten auf Papier: Die Mathematikerin Gladys West, die entscheidend an den Grundlagen für das Global Positioning System (GPS) mitgearbeitet hat, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Das wurde auf ihrem X-Kanal bekannt gegeben.

Die Mathematikerin West fing 1956 an, bei einer Forschungseinrichtung der US-Marine in Dahlgren im US-Bundesstaat Virginia als Programmiererin zu arbeiten. Erste Meriten erwarb sie Anfang der 1960er: Sie arbeitete an einer Studie mit, die die Regelmäßigkeit der Bewegung von Pluto im Verhältnis zu Neptun nachwies.

Danach begann sie, sich mit Satellitendaten zu beschäftigen. Zunächst analysierte sie von Satelliten gesammelte Altimeterdaten, mit deren Hilfe genaue Modelle von der Gestalt der Erde erstellt wurden.

Um die Modelle immer weiter zu präzisieren, setzte West unter anderem den ersten Supercomputer ein, den IBM 7030, auch als Stretch bekannt. Sie entwickelte dabei komplexe Algorithmen, um die Schwankungen der Schwerkraft, der Gezeiten und anderer Kräfte zu berechnen, die die Form der Erde verzerren. Diese hochpräzisen Modelle der Erde bildeten schließlich die Basis für Standortberechnung mithilfe von Satelliten.

West wurde 27. Oktober 1930 als Gladys Mae Brown als Tochter von Farmern in Sutherland im US-Bundesstaat Virginia geboren. Trotz der dort herrschenden Rassentrennung studierte sie am Virginia State College Mathematik. Als eine der Besten ihres Jahrgangs erhielt sie dafür ein Stipendium.

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Nach dem Bachelor-Abschluss 1952 arbeitete sie zunächst zwei Jahre lang als Mathematiklehrerin, kehrte dann aber wieder an die Universität zurück. 1955 schloss sie diese mit dem für den Master-Abschluss und arbeitete danach wieder als Lehrerin

1956 wechselte sie zur US-Marine, zum Naval Proving Ground in Dahlgren (später: Naval Surface Warfare Center). Dort war sie die zweite Schwarze Frau und eine von insgesamt vier Schwarzen. Bei der Marine lernte sie auch ihren Mann kennen, den Mathematiker Ira West, den sie 1957 heiratete und mit dem sie drei Kinder und sieben Enkelkinder hatte.

West verließ die Marine erst 1998, als sie pensioniert wurde. Anschließend promovierte sie und erhielt 2000 die Doktorwürde des Virginia Institute of Technology in Verwaltungswissenschaften.

Obwohl einer breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, erhielt West für ihre Arbeit eine Reihe von Ehrungen. So nahm die US-Luftwaffe sie 2018 in die Air Force Space and Missile Pioneers Hall of Fame. 2021 erhielt sie den Webby Lifetime Award der International Academy of the Digital Arts and Sciences. Die britische Royal Academy of Engineering ehrte sie im selben Jahr mit der Prince Philip Medal.

„Dr. West ist eine jener unbekannten Persönlichkeiten in unserem Militär, die eine entscheidende Rolle bei Errungenschaften gespielt haben, die nicht nur unsere Fähigkeit, Raketen präzise zu lenken, beeinflussen, sondern auch unser tägliches Leben erleichtern, wenn wir zum Telefon greifen und etwas suchen“, sagte der pensionierte Konteradmiral Sinclair Harris 2023 bei einer Zeremonie in Dahlgren zu Wests Ehren.

Obwohl West entscheidend zur Entwicklung des GPS beitrug und auch stolz darauf war, nutzte sie es selbst nicht. Sie bevorzuge gedruckte Landkarten, sagte sie 2020 in einem Interview der britischen Tageszeitung The Guardian. „Wenn ich die Straße sehen kann, wo sie abbiegt und wohin sie führt, fühle ich mich sicherer.“

Gladys West ist am 17. Januar im Alter von 95 Jahren im Kreis ihrer Familie gestorben.

(wpl)