Espressif stellt Funk-Co-Prozessor mit RISC-V vor
Mit dem ESP32-E22 stellt Espressif einen Funk-Co-Prozessor vor, der WLAN und Bluetooth komplett ĂĽbernimmt und Host-CPUs entlastet.
(Bild: espressif)
- Daniel Schwabe
Espressif hat mit dem ESP32-E22 einen eigenen Wi-Fi-6E-Baustein vorgestellt. Der Chip markiert den Start einer neuen Produktlinie und richtet sich weniger an klassische Mikrocontroller-Anwendungen, sondern an Systeme, bei denen die Funkkommunikation besonders leistungsfähig, stabil und ausgelagert sein soll. Technisch handelt es sich um einen sogenannten Radio Co-Processor (RCP), der WLAN und Bluetooth vollständig eigenständig abwickelt und einen Host-Prozessor, der die komplette Netzwerkarbeit abnimmt.
Das unterscheidet sich deutlich vom bekannten „ESP32 macht alles selbst“-Ansatz. Der ESP32-E22 läuft nicht als Hauptcontroller, sondern hängt an einem bestehenden System. Das kann zum Beispiel ein anderer Mikrocontroller oder sogar ein Embedded-Linux-Board sein. Die Anbindung erfolgt über schnelle Schnittstellen wie PCIe 2.1 oder SDIO 3.0. Das bedeutet: Wer bisher WLAN-Stacks, TLS, Roaming oder Bluetooth-Handling selbst integrieren musste, kann diese Aufgaben komplett an den Funkchip auslagern und sich auf Applikationslogik konzentrieren.
Selbst entwickelter Dual-Core-RISC-V-Prozessor
Herzstück des Chips ist ein von Espressif selbst entwickelter Dual-Core-RISC-V-Prozessor mit 500 MHz. Darauf läuft der komplette Wi-Fi-6E- und Bluetooth-Stack inklusive Security, Authentifizierung, Scanning und Bluetooth-Host-Funktionalität. Wi-Fi 6E unterstützt dabei erstmals auch das 6-GHz-Band zusätzlich zu 2,4 und 5 GHz. Technisch kommen 160-MHz-Kanäle, 2 × 2 MU-MIMO, Beamforming und moderne Scheduling-Mechanismen zum Einsatz. In der Praxis soll das für höhere Datenraten, geringere Latenzen und vor allem stabilere Verbindungen in stark belegten Funkumgebungen sorgen.
Auf der Bluetooth-Seite integriert der ESP32-E22 sowohl Classic Bluetooth (BR/EDR) als auch Bluetooth Low Energy 5.4. Beides kann parallel betrieben werden, wobei Koexistenz-Algorithmen Funkkollisionen vermeiden sollen.
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Für Robotik oder AR-/VR-Zubehör
Interessant ist auch der Blick auf die Performance: Dank 1024-QAM (Quadrature Amplitude Modulation. Modulationsverfahren zur Datenübertragung; höherer Wert = höhere Datenrate) erreicht der Chip theoretische Datenraten von bis zu 2,4 Gbit/s. Für Maker eröffnet das Anwendungsfälle wie drahtlose Videoübertragung, schnelle Backbones zwischen Geräten oder latenzarme Steuerverbindungen, etwa für Robotik oder AR-/VR-Zubehör.
Der ESP32-E22 ersetzt keinen Mikrocontroller, sondern ergänzt ihn (wobei das Maker ja noch nie aufgehalten hat). Entwicklungsmuster sind bereits verfügbar. Wann und in welcher Form der Chip im Maker-Handel auftaucht, bleibt abzuwarten.
Wer mehr ĂĽber das ESP-Ă–kosystem erfahren will, findet dazu alles in unserem ESP32-Kompass.
(das)