Ukraine will den Verbündeten Drohnenvideos für KI-Training zur Verfügung stellen
Drohnen sind im Ukrainekrieg zu einer zentralen Waffengattung geworden, längst werden sie auch KI-gesteuert. Mit den gesammelten Daten soll KI trainiert werden.
(Bild: Dmytro Sheremeta/Shutterstock.com)
Die Ukraine will es verbündeten Staaten ermöglichen, KI-Modelle mit den immensen Mengen an Daten zu trainieren, die unter anderem von ukrainischen Drohnen im Zuge des Verteidigungskriegs gesammelt werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Äußerungen des neuen ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow. Der ist seit vergangener Woche im Amt und war vorher Digitalminister. Die Ukraine hat demnach Millionen Stunden an Videomaterial, das unter anderem die Front aus der Perspektive von Drohnen zeigt und deshalb vor dem Hintergrund des zunehmenden KI-Einsatzes bei der Kriegsführung als extrem wertvolle Ressource gilt.
Kooperation mit Palantir
„Wenn du KI trainieren willst, dann gib ihr zwei Millionen Stunden Videomaterial und sie wird übernatürlich werden“, hat Reuters erst vor wenigen Wochen den Gründer einer ukrainischen Organisation zitiert, die die täglich zusammenkommenden fünf bis sechs Terabyte an Daten von Drohnen sammelt und analysiert. Dieses wertvolle KI-Training soll den Verbündeten nun ermöglicht werden, erklärte Fedorow. Bei der Umsetzung möchte sein Land laut der Financial Times mit dem umstrittenen US-Unternehmen Palantir zusammenarbeiten. Das soll bei der Einrichtung eines Datenzentrums helfen, in dem die KI-Modelle trainiert werden sollen. Die sollen dabei etwas über Kampftaktiken und die Zielerkennung lernen.
Gegenüber Reuters hat Fedorow zudem angekündigt, dass noch in diesem Monat eine Alternative zu den weitverbreiteten Drohnen des chinesischen Herstellers DJI getestet werden soll. Die werden demnach sowohl von ukrainischen als auch russischen Truppen eingesetzt, um die Front aus der Luft zu erkunden. Wer solche Geräte jetzt in der Ukraine herstellen soll, sagte der Minister nicht. Seine Regierung hat demnach schon vorher darauf verwiesen, dass die hohe Abhängigkeit von DJI ein Problem darstellt, weil China immer enger mit Russland kooperiert. Die Drohne aus eigener Produktion soll laut Fedorow eine genauso gute Kamera, aber eine längere Flugreichweite haben.
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Seit Russland Anfang 2022 versucht hat, die ganze Ukraine zu erobern und dabei zurückgeschlagen wurde, spielen Drohnen im Verteidigungskampf eine immer zentralere Rolle. Die Ukraine hat vor allem zu Beginn erhebliche Erfolge mit der neuen Waffentechnik erzielt, danach hat Russland den Einsatz ebenfalls forciert. Entlang der Fronten wurden Drohnen anfangs effektiv eingesetzt, um dem russischen Militär schwere Verluste zuzufügen. Später führte die Ukraine auch im Schwarzen Meer erfolgreiche Angriffe auf die russische Schwarzmeerflotte durch. Russland wiederum setzt unter anderem auf Kamikaze-Drohnen aus iranischer Fertigung. Die Ankündigung zum KI-Training verweist nun darauf, dass die Automatisierung der Geräte zuletzt enorm vorangeschritten ist.
(mho)