Die Rückkehr von Windows Phone: NexPhone mit Android, Linux und Windows 11

Ein kalifornisches Start-up führt fort, was Microsoft nicht konnte. Nex bringt Windows auf das Smartphone — inklusive Unterstützung für externe Monitore.

vorlesen Druckansicht 31 Kommentare lesen
NexPhone auf Ladedock mit Kabel an externem Monitor

NexPhone soll drei Betriebssysteme unterstützen.

(Bild: Nex Computer)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Kaj-Sören Mossdorf
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

2026 bringt bereits jetzt einige potenzielle Umbrüche im Smartphone-Markt mit sich. Nicht nur soll mit dem Jolla-Phone eine europäische Alternative zum Duopol zu den Schwergewichten Android und iOS durchstarten, auch Windows kommt zurück auf das Smartphone.

Auf der Entwicklerkonferenz Build stellte Microsoft 2015 seine mobile Desktop-Umgebung Continuum für Windows 10 Mobile vor. Die Idee dahinter: Das Smartphone fungiert gleichzeitig als Desktop-PC. Das Start-up Nex Computer aus Kalifornien entwickelte damals dazu passend das NexDock. Ein Laptop ohne „Kern“, lediglich bestehend aus Bildschirm, Tastatur und Maus sowie einem Akku. Das Smartphone dient als Schaltzentrale. Mittlerweile ist die sechste Generation des Docks erhältlich. Sie kann zusammen mit den verschiedenen Android-Desktop-Varianten von Smartphones oder auch Geräten wie einem Raspberry Pi genutzt werden.

Mit dem NexPhone geht die Firma nun einen Schritt weiter. Sie bringt, im Gegensatz zum ursprünglichen Konzept, nicht nur Android und Linux in einem Smartphone unter, sondern auch Windows 11. Bei dem Chipset des Gerätes handelt es sich um einen Dragonwing QCM6490. Dieser basiert auf dem Snapdragon 778 G aus dem Jahr 2021. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um einen dedizierten Smartphone-Prozessor, sondern um eine IoT-Plattform. Das hat zur Folge, dass dieses SoC noch bis 2036 unterstützt werden wird. Auch das 2023 vorgestellte Fairphone 5 nutzt diesen Chip.

NexPhone unterstützt 3 verschiedene Betriebssysteme.

(Bild: Nex Computer)

Die übrige Ausstattung des NexPhone entstammt ebenfalls der Mittelklasse. Dies liegt laut dem Gründer Emre Kosmaz an den limitierten finanziellen Mitteln der Firma. Dem Prozessor des Gerätes stehen 12 GByte Arbeitsspeicher sowie 256 GByte Speicher zur Seite, wobei letzterer durch eine microSD-Karte um 512 GByte erweitert werden kann. Ob diese dann einen Steckplatz für die zweite SIM-Karte blockiert, ist derzeit nicht klar. Das Smartphone hat einen 6,58 Zoll großen Bildschirm, mit einer Auflösung von 1080 x 2403 Pixel.

Auf der Rückseite befinden sich eine 64-MP-Weitwinkelkamera sowie eine 13-MP-Ultraweitwinkelkamera. Selfies können mit 10 MP aufgenommen werden. Die vollen technischen Details finden sich in der Ankündigung. Das Gerät kann für 199 US-Dollar vorbestellt werden. Bei der Auslieferung, die im dritten Quartal 2026 erfolgen soll, werden noch einmal 350 US-Dollar plus Versand und Steuern fällig. Ob sich der Gerätepreis von 549 US-Dollar nach Ablauf der Vorbestellung ändert, ist derzeit nicht bekannt.

Das Besondere am NexPhone ist aber ohnehin eher die Tatsache, dass die Nutzerin oder der Nutzer gleich drei Betriebssysteme nutzen kann. Als Basis setzt die Firma ein entgoogeltes Android 16 mit dem Namen „NexOS“ ein. Linux, genauer gesagt die Distribution Debian, kann von dort aus als App gestartet werden. Hier setzt der Hersteller auf das Lindroid-Projekt, das das Ausführen von Linux-Systemen auf Android ermöglicht. Da es sich um eine Anwendung handelt, hat die Linux-Umgebung vollen Zugriff auf das Dateisystem von Android. Schließt der Benutzer das Smartphone per USB-C an einen externen Monitor an, kann er sowohl den nativen Desktop-Modus von Android als auch Linux nutzen.

Auch die Linux-Umgebung unterstützt laut Hersteller den Einsatz am externen Monitor.

(Bild: Nex Computer)

Einzigartig ist hingegen die Möglichkeit, Windows 11 auf dem Smartphone zu verwenden. Durch einen Neustart des Gerätes wechselt der Nutzer zwischen den Systemen. Um dieses auch auf dem Smartphone nutzen zu können, hat Nex Computer eine eigene Oberfläche entwickelt. Ihre Optik und Verwendung dürften Windows-Phone-Nutzern sehr bekannt sein. Sie erinnert eins zu eins an die Oberfläche von Windows Phone. Inwieweit Anwendungen auf dem Smartphone genutzt werden können, ist derzeit noch fraglich. Nur wenige von ihnen dürften für den Einsatz auf kleinen Bildschirmen ausgelegt sein.

Schließt der Nutzer das NexPhone per Kabel an einen externen Monitor an, so steht ihm hingegen der vollständige Windows-Desktop zur Verfügung. Anders als in der Linux-Umgebung kann der Anwender aber nicht auf die Android-Daten zurückgreifen. Windows läuft in einer separaten Partition. In ersten Test-Videos von der CES 2026 deutet dabei so manches darauf hin, dass die Leistung des Chips für einfache Einsätze ausreichen könnte. Aufwendigere Arbeiten wie Videoschnitt dürften aber nicht möglich sein. Der Hersteller liefert zusätzlich einen USB-Hub mit, der das gleichzeitige Laden des Akkus erlaubt. Der Akku hat eine Kapazität von 5000 mAh.

Videos by heise

Während es sich beim NexPhone um ein ehrgeiziges und spannendes Projekt handelt, bleiben doch einige Fragen offen. Die große Unbekannte dabei ist, wie performant Windows 11 auf dem Gerät läuft. Auch ist derzeit nicht erkennbar, wie nahtlos sich andere Komponenten, wie beispielsweise die Kamera, außerhalb von Android nutzen lassen. Ob der Hersteller am Ende für die vollständige Lebenszeit des Chips neue Android-Updates liefern wird, ist ebenfalls offen.

Immerhin wird die Vision des Gründers nach 14 Jahren wahr. Mit dem NexPhone startet ein Smartphone, das gleichzeitig ein Desktop-Computer ist und dank Windows 11 und Linux eine Alternative zur Desktop-Umgebung von Android mit sich bringt. Wer weiß, eventuell stößt das Smartphone ja auch bei Microsoft auf Interesse. Immerhin nannte Satya Nadella den Ausstieg aus Windows Phone in einem Interview eine schwierige Entscheidung.

(afl)