Nach Fukushima: Japan reaktiviert einen Reaktor des weltgrößten Atomkraftwerks

Japan setzt verstärkt auf Kernenergie. Der Reaktor 6 des weltgrößten Kernkraftwerks wurde nun wieder in Betrieb genommen.

vorlesen Druckansicht 114 Kommentare lesen
AKW Kashiwazaki-Kariwa

(Bild: TEPCO)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das japanische Energieunternehmen Tokyo Electric Power (TEPCO) hat am Mittwoch im Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa einen von sieben Reaktoren wieder reaktiviert. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Das mit einer Gesamtleistung von 8,2 GW weltweit größte Atomkraftwerk wurde nach der Kernschmelze im Reaktor von Fukushima Daiishi 2011 außer Betrieb genommen. Der Reaktor von Kashiwazaki-Kariwa ist der fünfzehnte Reaktor, der wieder in Betrieb genommen worden ist. 33 Reaktoren gelten in Japan als noch betriebsfähig.

Insgesamt waren nach der Atomkraftwerk-Katastrophe in Fukushima 54 Reaktoren abgeschaltet worden. Doch der Abschied von der Atomkraft hat in Japan seitdem nicht besonders gut funktioniert. Die Umstellung auf Offshore-Windenergie ging langsamer voran als erwartet. Auch die Nutzung von Gas- und Kohlekraftwerken führt aufgrund der nötigen Importe fossiler Brennstoffe und den damit verbundenen hohen Kosten nicht weiter.

Um die Energiesicherheit für Japans Industrie aufrechterhalten zu können, hatte sich die japanische Regierung daher dazu entschlossen, den Fokus wieder auf die Kernenergie zu richten und einige der abgeschalteten Reaktoren neu zu starten. Neben der Wiederinbetriebnahme alter Reaktoren setzt Japan außerdem auf die neueste Generation kleiner modularer Reaktoren (Small Modular Reactor – SMR).

Die Regierung erhofft sich, durch den Wiedereinsatz der Kernenergie die Importe fossiler Brennstoffe deutlich senken zu können. Allein die Reaktivierung des Reaktors 6 in Kashiwazaki-Kariwa mit 1,36 GW soll den jährlichen Import von Flüssiggas von 66 Millionen Tonnen auf 62 Millionen Tonnen drücken.

Videos by heise

Für das Energieunternehmen TEPCO ist es der erste Reaktor, der reaktiviert wurde. Die Wiederaufnahme des Betriebs wurde nach der Genehmigung der japanischen Atomaufsichtsbehörde Nuclear Regulation Authority (NRA) eingeleitet. Umfangreiche Tests wurden durchgeführt, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Eigentlich hatte der Reaktor bereits am 20. Januar seinen Dienst wieder aufnehmen sollen. Das verzögerte sich aber aufgrund einer Fehlfunktion im Alarmsystem des Reaktors Nummer 6. Der kommerzielle Betrieb soll nun bis Ende Februar beginnen. Die dort produzierte Energie soll dafür genutzt werden, um den Großraum Tokio mit Strom zu versorgen. TEPCO plant, auch den Reaktor 7 von Kashiwazaki-Kariwa wieder in Betrieb zu nehmen. Das soll allerdings erst 2030 passieren. Die anderen Reaktoren des Atomkraftwerks könnten dagegen stillgelegt bleiben.

Die NRA prüft derzeit die Wiederinbetriebnahme sechs weiterer Reaktoren anderer Energieversorger. Schwierig dürfte es dabei für Chubu Electric werden. Das Energieunternehmen hatte nach Angaben der NRA seismische Daten manipuliert und damit die Gefahr von Erdbeben heruntergespielt, um die Reaktoren 3 und 4 des Kernkraftwerks Hamaoka wieder in Betrieb nehmen zu dürfen.

(olb)