Netatmo heizt jetzt mit Matter

Netatmo erneuert Klassiker für Heizen und Videoüberwachung: Die Thermostate für Wand und Heizkörper sprechen Matter, die Outdoor-Kamera filmt in 2K und HDR.

vorlesen Druckansicht
Netatmos neue Thermostate für Heizkörper und Heizkessel

Bieder statt bunt, aber mit Matter: Netatmos neue Thermostate für Heizkörper und Heizkessel.

(Bild: Netatmo)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Berti Kolbow-Lehradt
Inhaltsverzeichnis

Die Smart-Home-Marke Netatmo hat am heutigen Donnerstag neue Versionen seiner Langläufer-Produkte für Heizen und Videoüberwachung vorgestellt. Die größten Änderungen erfahren die Thermostate für Wand und Heizkörper. Sie sind schlichter gestaltet, haben keine extravagante Plexiglas-Hülle mit Farbringen wie die Originale von 2016. Im Unterschied zu diesen lassen sich die Neuzugänge über eine Hersteller-Bridge in Matter-Setups einbinden. Die neue Version der smarten Außenkamera sieht äußerlich dem zehn Jahre alten Original zum Verwechseln ähnlich, filmt aber mit einer besseren Optik und überträgt die Aufnahmen zusätzlich per 5-GHz-WiFi.

Der Raumstellregler „Thermostat Original“ ist schmaler, aber etwas kantiger gestaltet als das vorherige Modell. Es ist in weißem, undurchlässigem Kunststoff eingehüllt. Anstelle eines E-Ink-Displays zeigt eine LED-Segmentanzeige die Temperatur an. Sie ist auch im Dunkeln ablesbar, allerdings nur, wenn man sie per Tastendruck aktiviert. Kurz danach schaltet sie sich ab und spart so Energie. Der eingebaute Akku soll mit einer Ladung bis zu zwei Jahre auskommen. Mit Sensortasten neben dem Display ändert man die Temperatur manuell. Zwei weitere Sensortasten sind mit Steuerbefehlen für Netatmos Smart-Home-System frei belegbar.

Unverändert ist der Thermostat dazu da, Einzelheizkessel, Wärmepumpen sowie Holz- oder Pelletöfen zu regulieren. Das geht mit einer Variante, die am Wandauslass verdrahtet wird, und einer kabellosen Variante, bei der ein am Heizkessel gekoppelter Funkadapter den Kontakt herstellt. Beim kabellosen Einsatz stellt man das Gerät auf Wunsch mit einem optionalen Standfuß auf einen Tisch oder eine Kommode.

Zudem dient der Neuzugang als Raumthermostat, der einen oder mehrere neue Heizkörperthermostate von Netatmo im Verbund steuert. Beim „Radiator Valve Original“ handelt es sich um einen schlanken Zylinder, der ein ähnliches Make-over erfährt: matter Kunststoff statt Plexiglas mit Farbakzent, LED statt E-Ink. Statt eines Drehrückstellers kommt ein Drehring zum Einsatz. Damit sehen die neuen Netatmo-Einheizer ziemlich normal aus, verlieren ihr Alleinstellungsmerkmal als Paradiesvögel.

Videos by heise

Statt „Netatmo Energy“ empfiehlt der Hersteller „Netatmo Home+Control“ als Standardanwendung. Sie ist die System-App der Marke. Ein Einrichtungsassistent soll für einen niederschwelligen Einstieg mit einem geführten Dialog automatisch Zeitpläne erstellen. Der Softwareunterbau berücksichtigt Online-Wetterdaten oder lokale Messdaten der Netatmo-Wetterstation. KI-Algorithmen helfen beim Vorheizen, damit es zu einem Zielzeitpunkt gemütlich warm ist.

Monatliche Reports zeigen Trends zum Verbrauch und etwaiger Ersparnis durch den Einsatz der smarten Technik. Die interne Sensorik achtet anhand von Temperaturstürzen auf zum Lüften geöffnete Fenster und Türen. Öffnungskontakte bietet Netatmo zu diesem Zweck weiterhin nicht. Auch echtes Geofencing fehlt weiterhin. Verlässt man das Haus, obwohl die Heizung bollert, erinnert auf Wunsch bloß eine Push-Nachricht auf dem Smartphone, die Temperatur von Hand zu senken.

Ins Heimnetz funken beide neuen Thermostate mithilfe des Hersteller-Gateways „Thermo Hub“. Sie selbst haben ein Funkverfahren „auf Basis“ von ZigBee eingebaut, seien aber für den Standard nicht zertifiziert. Der Einsatz alternativer ZigBee-Bridges scheidet damit aus. Vom als unzureichend beurteilten Funkstandard Thread hält der Hersteller Netatmo damit wie erwartet Abstand, hat aber offenbar seinen Frieden mit dem im gleichen Atemzug kritisierten Matter-Protokoll gefunden. Weil der Thermo Hub diese „Smart-Home“-Weltsprache versteht, lassen sich die Thermostate darüber mit Drittsoftware steuern.

Das Thermostat Original ist im Set mit einem Thermo Hub ab heute zum Preis von 140 Euro (Wired) und 150 Euro (Wireless) erhältlich. Das Heizkörperthermostat Original kommt im September in den Handel, kostet dann mit Hub 120 Euro und als Ergänzung jeweils 60 Euro. Das Thermostat Original kauft man als Raumthermostat optional für 90 Euro dazu.

Die 2016 gestartete smarte Außenkamera erhält in der diesjährigen Neuauflage den Namenszusatz „Original“ sowie ein modernisiertes Innenleben. Die Auflösung wächst von Full-HD (1080p) auf 2K+, der Bildwinkel von 100 auf 130 Grad, der Digitalzoom von achtfache auf 16-fache Vergrößerung. Videos filmt das Gerät mit 30 Bildern pro Sekunde, auch wenn der Hochkontrastmodus (HDR) aktiviert ist. Den höheren Datendurchsatz federt ein WiFi-Modul ab, das jetzt außer per 2,4 GHz im breitbandigerem 5-GHz-Bereich funkt.

Ach guck, die kennt man doch: Netatmos Smarte Außenkamera mit Namenszusatz „Original“ sieht fast unverändert aus, hat aber eine bessere Optik.

(Bild: Netatmo)

Die WLAN-Kamera versteht sich mit Amazon Alexa, Google Home und Apple HomeKit – nicht aber mit HomeKit Secure Video. Inwiefern Netatmo Matter nachrüstet, das seit Herbst 2025 auch Kameras kennt, ließ der Hersteller offen. Weitere Informationen zu Matter 1.5 finden Sie hier. Das Alu-Gehäuse gibt es in Weiß oder Schwarz. Die Kamera kommt für 250 Euro „ab Sommer“ in den Handel. Dann erscheint auch ein stärkerer Flutlichtstrahler-Aufsatz als optionales Zubehör für 70 Euro.

(dahe)