Vertikale Windturbine liefert Strom für Bordelektronik von Segelbooten
Die Stromversorgung von Segelbooten kann durch eine Windturbine am Mast sichergestellt werden. Die Grain Blanc eignet sich aber auch für Gebäude.
Die Windturbine Grain Blanc versorgt Segelboote mit Strom. Sie kann aber auch in angepasster Form in Kaskaden für Gebäude verwndet werden.
(Bild: Philéole)
Das belgische Start-up Philéole hat eine Windturbine mit vertikaler Achse für Segelboote entwickelt, die während der Fahrt Luftströmungen aus allen Richtungen einfängt und dadurch Strom für die Bordelektronik erzeugt. Das Grain Blanc genannte System sorgt dafür, dass kein Verbrennungsmotor mehr angeworfen oder ein Akku im Hafen geladen werden muss, um genug Strom an Bord zu haben.
Die Windturbine ist mit einem Meter Höhe und einem Durchmesser von 45 cm vergleichsweise kompakt. Angebracht wird die Turbine mit einem Gewicht von 12 kg in mittlerer Höhe an dem Mast eines Segelbootes. Die Takellage soll dabei nicht beeinträchtigt werden. 0,29 m² Angriffsfläche sind dabei dem Wind ausgesetzt. Die Turbine rotiert ab einer Windstärke von 2 m/s (etwa 4 kn) und lädt über einen Drehstromgenerator mit integriertem Gleichrichter eine Batterie auf. Bei einer Windstärke von 14 m/s soll bei einer Spannung von 12 V mit 20 A (240 W) geladen werden. Die Ausgangsspannung kann auch auf 24 V erhöht werden.
Durch die vertikale Ausrichtung der Turbine arbeitet sie auch dann konstant, wenn sich die Windrichtung ändert – etwa wenn sich der Kurs des Segelbootes oder sich die Windbedingungen ändern. Herkömmliche horizontale Turbinen müssen dagegen zum Wind ausgerichtet sein, um effizient betrieben werden zu können.
Unabhängige Stromversorgung für Bordelektronik
Das System ist so konzipiert, dass es an vielen Segelbooten nachgerüstet werden kann. Der Betrieb soll leise und vibrationsarm erfolgen. Der Batteriestrom wird dazu genutzt, um die Bordelektronik zu versorgen, wie etwa Radar, GPS, Funkgeräte und Steuerkonsolen sowie Navigationslichter. Aber auch Luftentfeuchter oder kleine Kühlschränke können damit betrieben werden, verspricht Philéole.
Das System ist darauf ausgerichtet, unabhängiger mit dem Segelboot zu sein. Das Nachladen der Batterie stationär im Hafen sei nicht mehr nötig. Auch müsse kein Verbrennungsmotor mehr an Bord laufen, um Energie zu erzeugen, sodass umweltschädlicher CO₂-Ausstoß vermieden wird.
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Philéole hat mit Grain Blanc allerdings nicht nur Segelboote als Anwendungsgebiet im Visier. Da die Turbine Luftströme aus allen Richtungen effektiv ausnutzen kann, ist das System auch für den Einsatz an Wohngebäuden und für die Versorgung von öffentlicher Infrastruktur wie etwa Straßenbeleuchtung geeignet. Philéole hat dazu die Windturbine entsprechend angepasst. Für Gebäude sind etwa mehrere der Turbinen zu einer Kaskade mit höherer Leistung zusammengefasst.
(olb)