Microsoft-Chef: KI muss Nutzen schaffen, sonst verliert sie schnell Akzeptanz

Souveränität müsse man im KI-Zeitalter anders denken als bisher, erklärte Microsoft-Chef Satya Nadella in Davos. Und eine KI-Blase sieht er auch nicht.

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Larry Fink im Gespräch mit Satya Nadella

BlackRock-Chef Larry Fink (rechts) im Gespräch mit Microsoft-Chef Satya Nadella.

(Bild: Screenshot)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Microsofts Chef Satya Nadella sieht derzeit noch keine spekulative Blase rund um die künstliche Intelligenz. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte er im Gespräch mit dem BlackRock-Chef Larry Fink, dass es ein untrügliches Zeichen für eine Blase wäre, wenn alle nur über die Tech-Firmen und ihre KI-Angebote sprechen würden – aber nicht auch über den Nutzen, der damit gestiftet wird. Beispiel dafür seien Medikamente, deren klinische Erprobung mit KI beschleunigt werden konnte. Entsprechend sei er zuversichtlich, dass KI auf der Schiene von Cloud und Mobilgeräten zu den Menschen kommen werde, die Produktivitätskurve nach oben ziehe und lokal für Mehrwerte sorge.

Die Technologie an sich zu bewundern, reiche nicht, betonte Nadella. „Wir werden schnell die gesellschaftliche Akzeptanz verlieren, eine knappe Ressource wie Energie für Tokengenerierung zu nutzen, wenn diese Token nicht die Gesundheitsversorgung, die Bildungsergebnisse, die Effizienz des öffentlichen Sektors und die Wettbewerbsfähigkeit des privaten Sektors in allen Bereichen, ob klein oder groß, verbessern.“ Die Generierung von Tokens pro Dollar pro Watt müsse konstant effizienter werden, forderte er. Momentan falle der Preis ungefähr alle drei Monate. Tokens sind die kleinste Dateneinheit für ein Sprachmodell.

In Bezug auf Europa und die dort immer lauter gestellte Frage nach digitaler Souveränität mahnte Nadella, dass Abschottung und Schutz nicht der Weg zur globalen Wettbewerbsfähigkeit seien. Datenschutz und KI-Regulation seien zu begrüßen, aber man müsse lokal bauen und global denken. Im KI-Zeitalter sei die Souveränität eines Unternehmens viel mehr als Souveränität über die eigenen Daten zu verstehen. Ein Unternehmen, das seine Daten und das implizite Wissen der Organisation in den Gewichten seiner KI-Modelle abbilden könne – das sei souverän.

Wo dann das Rechenzentrum für die genutzten Dienste laufe, das sei wiederum der unwichtigste von allen Faktoren. Souveränität ließe sich auch gut über Verschlüsselung und Keys in lokaler Hand abbilden, findet Nadella.

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Microsofts konkrete Unternehmenspolitik in digitaler Souveränität sieht derzeit aber anders aus als Nadellas Überlegungen: Hier setzt das Unternehmen auf das Konstrukt der EU-Datengrenzen, investiert in Rechenzentren in Deutschland und der EU, hinterlegt Quellcode in der Schweiz und erweitert Azure mit On-Prem-Funktionen. An der grundsätzlichen Problematik, dass man als US-Unternehmen dem CLOUD Act unterliegt, der US-Behörden unter bestimmten Umständen Zugriff auf Daten ermöglicht, kann das Unternehmen aber nichts ändern.

Nadella pries künstliche Intelligenz auch als kognitiven Verstärker für Wissensarbeiter an. Dass sich in vielen Unternehmen bislang aber noch kein Wachstum durch diese Verstärkung einstellen mag, begründete er damit, dass es auch eine Umstellung auf die neuen Denkwerkzeuge brauche. Informationshierarchien in Unternehmen würden mit KI abgeflacht, Führungskräfte müssten Arbeitsabläufe neu denken und vor allem auch eigene Erfahrung mit KI sammeln. Das sei harte Arbeit und gerade in großen Unternehmen viel Change-Management.

Dass Nadella so vehement für KI spricht, verwundert nicht – schließlich ist es Microsofts größte Zukunftswette. Der Software-Riese ist zentraler Partner des ChatGPT-Machers OpenAI und investiert Milliarden in KI-Rechenzentren und deren Stromversorgung. Und im eigenen Software- und Cloud-Ökosystem werden umfassend KI-Dienste integriert.

(axk)