„Deutschland, was nervt?“ – Bürger sollen Verwaltung hacken
Beschweren ausdrücklich erwünscht! Die Agentur für Sprunginnovation lädt zum ersten bürgerschaftlichen Hackathon nach taiwanischem Vorbild ein.
(Bild: file404/Shutterstock.com)
Unter dem Motto „Deutschland, was nervt? Was geht?“ – sehr viel unhöflicher im Englischen „Germany, what sucks?“ – fordert die Agentur für Sprunginnovation (SPRIND) Bürgerinnen und Bürger ab April zur Mitarbeit auf. Vorbild für die neue Initiative sind die in Taiwan erfolgreich durchgeführten „Presidential Hackathons“. Die Lösungsvorschlage für Probleme in Deutschlands Verwaltungen sollen letztendlich in quelloffene Software gegossen werden.
Wisdom of the (hacking) Crowd
In einer ersten Runde sollen 30 von den Bürgern selbst ausgewählte Themen aufgegriffen werden, heißt es auf der Webseite von „Deutschland, was nervt?“. Anschließend werden von den Bürgern selbst und den Civic Tech Teams der SPRIND Einreichungen ausgewählt, die in die Entwicklung gehen. Finanzieren wird SPRIND laut eigenen Angaben „15 Ideen, die das Potential für soziale Sprunginnovationen haben.“ Ende 2026 erhalten fünf Projekte die Zusage, dass sie in der Verwaltung implementiert werden.
Videos by heise
Blaupause aus Taiwan
Bei SPRIND kümmert sich seit dem vergangenen Jahr unter anderem Zahra Bruhn um den neuen Bereich der sozialen Sprunginnovationen, SPRIND SOCIETY. Diese seien ebenso wichtig wie etwa technologische – vom autonomen Fliegen bis zu KI. Das erläuterte sie kürzlich bei der Münchner Konferenz Digital Live Design.
SPRIND will mit den Innovationen „den Haushalt entlasten und den Zusammenhalt unseres Landes wirksam stärken“. Ideen und Softwarehacks werden für digitale Bürgerbeteiligung, Bildung, Sozialwesen, Verwaltung, Gesundheit und Umweltschutz gesammelt.
Vorbild sind die präsidialen Hackathons in Taiwan. Dort hatte Audrey Tang, die sich praktisch ins Amt der ersten Digitalministerin des Inselstaates „gehackt“ hatte, die radikale Bürgerbeteiligung zur festen Institution gemacht. Zwischen 2016 und 2024 führte Tang die präsidialen Hackathons und „Ideathons“ ein.
Für Deutschland geeignet?
Taiwan hat laut SPRIND mit der radikalen Bürgerbeteiligung seine Zustimmungswerte extrem verbessert und Tang, inzwischen Cyberbotschafterin, kümmert sich nun darum, das Modell international voranzubringen – etwa in Kalifornien. Tang berichtete in München, so habe man unter anderem Ideen und Maßnahmen zur Früherkennung von Bränden und für einen besseren Brandschutz gesammelt. „Beschwerden in Energie umwandeln“, lautet der Grundsatz laut Tang.
Neben den baltischen und skandinavischen Staaten bekommt mit der SPRIND Initiative nun Deutschland seinen Bürgerhackathon, zum Meckern und Machen. Was davon wirklich in deutschen Amtsstuben umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
(kbe)