Digitalwirtschaft in Deutschland wächst weiter
Ungeachtet der Wirrungen und Irrungen in Wirtschaft und Politik kann die deutsche Digitalwirtschaft laut Bitkom einem robusten Zuwachs entgegenblicken.
(Bild: SeventyFour/Shutterstock.com)
Während etliche Branchen mit einer schwachen Nachfrage ringen, bleibt die Digitalwirtschaft in Deutschland auf robusten Wachstumskurs. Der Branchenverband Bitkom stellt für 2026 ein Wachstum von 4,4 Prozent auf 245,1 Milliarden Euro in Aussicht. Das Vorjahr wäre damit beim Wachstum übertroffen: 2025 hatte der Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) um 3,9 Prozent auf rund 235 Milliarden Euro zugelegt.
Die Entwicklung der Beschäftigungszahlen hält laut Bitkom indes mit dem Marktwachstum nicht Schritt. In diesem Jahr sollen gerade einmal rund 11.000 beziehungsweise 0,9 Prozent neue Arbeitsplätze entstehen, was dann eine Gesamtzahl von 1,36 Millionen Stellen ergibt. Im vergangenen Jahr betrug das Plus sogar nur 0,2 Prozent. Das Abflachen des Stellenzuwachses im Vergleich zu den früheren Zeiten erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst unter anderem damit, dass die Unternehmen versuchen, den anhaltenden Fachkräftemangel mittels Arbeitskräften im Ausland abzufedern. Der wachsende KI-Einsatz könnte hier gleichfalls schon dämpfend wirken.
(Bild: Bitkom)
Wachstumsgarant der Branche war wie im vergangenen Jahr die Informationstechnik. Für 2026 rechnet der Verband in Deutschland mit einem Umsatz von 170 Milliarden Euro (plus 5,8 Prozent). Getragen wird der Zuwachs wieder einmal vom Softwaregeschäft, das um 10,2 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro zulegte. Ein wesentlicher Teil wird dabei mit Software für den Betrieb öffentlicher Clouds gemacht. Allein der Umsatz mit dieser Software soll in diesem Jahr voraussichtlich 38,3 Milliarden Euro (+16,4 Prozent) in die Kassen spülen.
Künstliche Intelligenz, ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau, gewinnt erwartungsgemäß ebenso stark an Dynamik. Das prognostizierte Volumen mit KI-Plattformen soll um 61 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro steigen.
IT-Dienstleistungen und Hardware wachsen solide
Mit 3,5 Prozent auf voraussichtlich 54,3 Milliarden Euro bewegen sich die Geschäfte mit IT-Dienstleistungen weiterhin auf solidem Wachstumskurs. Dabei machen cloudbasierte Services hier mit 35,7 Milliarden Euro inzwischen rund zwei Drittel der Umsätze aus. Etwas stärker als das Service-Geschäft wächst der Markt für IT-Hardware mit 3,9 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro. Wichtigster Wachstumstreiber bleibt hier das Infrastructure-as-a-Service-Segment, das laut Bitkom-Prognose in diesem Jahr um 21,0 Prozent zulegen soll.
Die Wachstumserwartungen für die übrigen Marktsegmente, beispielsweise Workstations (plus 5,1 Prozent), Mobile PCs (plus 4,5 Prozent) oder Server (plus 4,3 Prozent) fallen deutlich niedriger aus. Im Tablet-Geschäft (minus 3,5 Prozent) und Consumer Electronics-Segment (minus 3,2 Prozent) müssen sich die Anbieter auf leicht rückläufige Umsätze einstellen.
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Für den Teilmarkt Telekommunikation prognostiziert Bitkom ein Umsatzwachstum von 1,2 Prozent auf 75,1 Milliarden Euro. Die Einnahmen mit TK-Diensten sollen dabei um 1,3 Prozent auf 54,1 Milliarden Euro steigen. Das Geschäft mit Endgeräten entwickelt sich dagegen mit minus 1,2 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro leicht rückläufig. Als Grund hierfür wird unter anderem auf die längere Nutzungsdauer von Smartphones hingewiesen. Glasfaser- und 5G-Netzausbau sorgen wiederum dafür, dass mehr Geld in die Telekommunikations-Infrastruktur (8,5 Milliarden Euro, plus 4,6 Prozent) fließen.
Die insgesamt positive Umsatzentwicklung spiegelt sich im Übrigen nicht in der allgemeinen Stimmungslage der Branche wider. Diese fällt deutlich schlechter aus, wie sich am Bitkom-ifo-Digitalindex ablesen lässt. Zum Jahresende lag der Index, der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen der Unternehmen berechnet, nach einem kleinen Zwischenhoch nun wieder mit minus 4,0 Punkten unter der Nulllinie. Während die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit plus 1,7 Punkten noch leicht positiv bewerten, fallen die Geschäftserwartungen mit minus 9,4 Punkten deutlich verhaltener aus.
(axk)