Unfall-Notruf: Netzbetreiber schalten Next Generation eCall für LTE scharf

Das europaweite Notrufsystem für Fahrzeuge funkt jetzt in Deutschland auch im 4G- und 5G-Netz. Grund: In den kommenden Jahren werden die GSM-Netze abgeschaltet.

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Szene eines Verkehrsunfalls mit auf dem Dach liegendem Unfallfahrzeug, Polizei und Rettungskräften.

Bei Unfällen sollen die Autos per eCall Fahrzeugtyp, Treibstoff, Unfallzeitpunkt, Fahrzeugposition, Fahrtrichtung und Anzahl der angelegten Sicherheitsgurte an die Rettungskräfte melden

(Bild: Erich Kasten/Pixelio.de)

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Die drei großen deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben am Samstag die neue Notruffunktion Next Generation eCall für Fahrzeuge in Betrieb genommen. Damit funkt das ursprünglich im GSM-Netz (2G) eingerichtete System jetzt im LTE-Netz (4G) und perspektivisch auch mit 5G. Das teilten Vodafone, O2 Telefónica und die Telekom gemeinsam mit.

Mit eCall stellen Autos etwa bei einem Unfall automatisch eine Verbindung zur Notrufzentrale her und übermitteln Standort- und Fahrzeugdaten. Auch eine manuelle Auslösung ist möglich. Das System funktioniert europaweit. Seit 2018 müssen Neufahrzeuge mit eCall ausgestattet sein.

Viele ältere Fahrzeuge sind noch mit Systemen für GSM-Netze ausgestattet, deren Zeit abläuft. Europäische Netzbetreiber haben bereits damit begonnen, ihre GSM-Netze abzuschalten. Bis dahin laufen eCall und NG eCall noch parallel.

Die Deutsche Telekom schaltet ihr GSM-Netz 2028 ab. In diesem Jahr beginnt auch Vodafone mit dem Rückbau, der bis 2030 dauern soll. Telefónica Deutschland hat noch keinen Termin genannt. Wenn alle GSM-Netze abgeschaltet sind, laufen die Notrufe laut ADAC „bei Fahrzeugen mit altem eCall-System ins Leere“. Bisher sind dem Kraftfahrtbundesamt zufolge fast 16 Millionen Fahrzeuge mit dem bisherigen eCall in Deutschland zugelassen.

Ab dem 1. Januar 2026 erhalten neu entwickelte Pkw und Kleintransporter nur noch eine Typenzulassung in der EU, wenn das bordeigene Notrufsystem 4G/5G nutzt. Ab 2027 dürfen dann keine Neufahrzeuge ohne NG eCall mehr zugelassen werden.

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Das alte System konnte nur ein Datenpaket von 140 Byte senden. NG eCall hebt diese Beschränkung auf. Künftig können so umfangreichere Unfalldaten übertragen werden, etwa Daten der verschiedenen Sensoren oder die Aufprallgeschwindigkeit.

Der vierte deutsche Mobilfunk Netzbetreiber 1&1 wird das neue Notrufsystem noch nicht anbieten, da er bislang mit keinem Automobilhersteller einen Vertrag für Flotten-SIM-Karten hat. Sobald sich entsprechende Partnerschaften ergeben, will 1&1 ebenfalls NG eCall implementieren.

(vbr)