Nike prüft möglichen Cyberangriff

Eine Ransomware-Bande behauptet, Daten von Nike erbeutet zu haben. Das Unternehmen untersucht den Vorfall. Angeblich wurden auch Designprototypen gestohlen.

vorlesen Druckansicht

(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Andreas Knobloch

Nike untersucht einen möglichen Datenabfluss, nachdem die Erpressergruppe WorldLeaks behauptet hat, eine gewaltige Menge interner Daten des US-amerikanischen Sportartikelherstellers gestohlen und teilweise veröffentlicht zu haben. Bei dem Cyberangriff sollen persönliche und geschäftliche Daten entwendet worden sein.

„Wir nehmen den Schutz der Privatsphäre unserer Kunden und die Datensicherheit stets sehr ernst“, erklärte Nike am Montag in einer Stellungnahme. „Wir untersuchen einen möglichen Vorfall im Bereich der Cybersicherheit und bewerten die Situation aktiv.“

Die Cyberattacke war am 22. Januar bekannt geworden. Verantwortlich soll die Ransomware-Gruppe WorldLeaks sein. Diese betreibt gezielt Datendiebstahl mittels kompromittierter Webseiten, Phishing-Mails und ungesicherter VPN-Zugänge, um anschließend Unternehmen zu erpressen. Mehr als 100 Unternehmen sollen bereits Opfer der Gruppe geworden sein, darunter der Computerhersteller Dell. Die Gruppe soll eine Umbenennung von Hunters International sein, einer Ransomware-Bande, die seit 2023 aktiv ist.

World Leaks erklärte, 1,4 Terabyte (TB) an Daten im Zusammenhang mit den Geschäftsaktivitäten von Nike veröffentlicht zu haben. In einer Liste, die das Webportal The Register eingesehen hat, behauptet die Cybercrime-Gruppe, 188.347 Dateien aus den Systemen des Unternehmens gestohlen zu haben. Die veröffentlichten Dateinamen deuteten eher auf Design- und Fertigungsabläufe als auf Kundendatenbanken hin, so The Register weiter. Beispiele hierfür seien Verzeichnisse mit den Bezeichnungen „Women's Sportswear“ (Sportbekleidung für Frauen), „Men's Sportswear“ (Sportbekleidung für Männer), „Training Resource – Factory“ (Schulungsressourcen – Fabrik) und „Garment Making Process“ (Bekleidungsherstellungsprozess). Das deute auf Dateien aus den Bereichen Produktentwicklung und Produktionsprozesse hin. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass Kunden- oder Mitarbeiterdaten betroffen sind.

Videos by heise

Allerdings verliert kein Unternehmen gern interne Informationen wie Designs, Schulungsunterlagen und Prozessdokumentationen. Laut dem Onlineportal it-daily befinden sich unter den gestohlenen Informationen Details zur geplanten SP27-Kollektion der Nike-Marke Jordan Brand. WorldLeaks erklärte demnach, Zugriff auf technische Produktspezifikationen, Materiallisten sowie Designentwürfe und Prototypen aus verschiedenen Produktzyklen erlangt zu haben. Zudem sollen sensible Informationen zur Fertigung kompromittiert worden sein, darunter Unterlagen zu Qualitätsprüfungen in Produktionsstätten, Angaben zu Zulieferern sowie Dokumentationen zu Herstellungsverfahren.

Laut The Register machen „die unübersichtlichen globalen Lieferketten und der stetige Strom neuer Designs, die zwischen den Partnern hin- und herwandern“, Mode- und Sportbekleidungsunternehmen zu einem beliebten Ziel für Cyberkriminelle. Diese müssten keine Kundendatenbanken erbeuten, um Schaden anzurichten.

Gerade erst ist ein anderes US-amerikanisches Sportbekleidungsunternehmen Opfer eines Cyberangriffs geworden. Eine Ransomware-Bande drang bei Under Armour ein und entwendete massenhaft Daten. In der vergangenen Woche tauchten 72,7 Millionen Datensätze bei Have I Been Pwned auf, darunter Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Geschlecht, geografische Standorte und Kaufinformationen.

(akn)