Falsche Aktivierung des Assistant: Google zahlt Klägern 68 Millionen US-Dollar
Sammelkläger in den USA bekommen 68 Millionen US-Dollar von Google. Sie werfen dem Unternehmen Privatsphärenverletzungen mit dem Google Assistant vor.
(Bild: Vantage_DS/Shutterstock.com)
Wegen unabsichtlicher Aktivierungen des Google Assistant will Google Sammelklägern in den USA insgesamt 68 Millionen US-Dollar zahlen. Eine entsprechende außergerichtliche Einigung zwischen Google und den Klägervertretern wurde am 23. Januar beim zuständigen Gericht in San José, Kalifornien, eingereicht.
Die Kläger werfen Google vor, mit dem Google Assistant ihre Privatsphäre verletzt zu haben. Es geht dabei um sogenannte „false accepts“, also unbeabsichtiges Anspringen der Mikrofone in Assistant-Geräten wie Handys oder Google-Home-Lautsprechern. Üblicherweise soll der Assistant nur dann lauschen, wenn man ihn mit „Hey Google“ oder „Okay Google“ anspricht. Dass sich Sprachassistenten aber auch bei ähnlich klingenden Phrasen einschalten, ist ein seit ihrer Markteinführung bekanntes Problem.
Google bestreitet Vorwürfe
Das Resultat ist, dass der Google Assistant auch private Unterhaltungen mithört, die nicht für den Assistenten gedacht waren. Die Kläger werfen Google sogar vor, diese Unterhaltungen zum Personalisieren von Werbung genutzt zu haben. Google streitet das ab. Das Unternehmen betont zudem, dass man hundertprozentige Zuverlässigkeit der Aufwach-Phrasen zu keiner Zeit garantiert habe. Der außergerichtlichen Einigung habe Google nur zugestimmt, um weitere Prozessrisiken zu minimieren.
Tatsächlich weist Google auf einer Datenschutz-Informationsseite recht offen darauf hin, dass der Assistant auch unbeabsichtigt anspringen kann: „Manchmal wird Google Assistant versehentlich aktiviert, wenn irrtümlicherweise erkannt wird, dass Sie Unterstützung brauchen – zum Beispiel bei einem Geräusch, das ähnlich klingt wie ‚Hey Google‘, oder durch eine unbeabsichtigte manuelle Aktivierung“, heißt es dort. In diesem Fall solle man „Hey Google, du warst nicht gemeint“ sagen, um die unerwünschte Aufzeichnung zu löschen.
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Apple zahlte ebenfalls
Die außergerichtliche Einigung zwischen Google und den Sammelklägern muss noch von dem zuständigen Gericht in San José abgesegnet werden. Das komplette Gerichtsdokument hat The Verge hochgeladen. Die Klage wurde 2019 eingereicht.
Unbeabsichtigte Aktivierungen sind auch bei anderen Sprachassistenten ein Problem: Erst vor einem Jahr einigte sich Apple in einem vergleichbaren Fall über Siri-Aktivierungen ebenfalls außergerichtlich mit US-Sammelklägern. Apple zahlte den Klägern insgesamt 95 Millionen US-Dollar.
(dahe)