Deutschland-Ticket: Steigender Preis führt nicht zu mehr Kündigungen
Der Preis für das Deutschland-Ticket stieg um fünf Euro pro Monat. Doch die Zahl der Kündigungen steigt nicht, und der ÖPNV verzeichnet mehr Fahrgäste.
(Bild: Dominic Dupont / Deutsche Bahn AG)
Das Deutschland-Ticket kostet seit Januar fünf Euro pro Monat mehr. Trotz der erneuten Preiserhöhung von 58 auf 63 Euro pro Monat beim Deutschland-Ticket für den bundesweiten öffentlichen Nahverkehr zum Jahresstart sind die meisten Kunden dem Abo treu geblieben. „Wir sehen auch in diesem Jahr eindeutig keine Kündigungswelle durch die Preiserhöhung beim Deutschland-Ticket“, sagt der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann. Die Kündigungsquote habe zwischen Dezember und Januar bei rund 5,75 Prozent gelegen. Das sei zum Jahreswechsel ein üblicher Wert. Bei der Preiserhöhung im Jahr davor waren es demnach rund acht Prozent.
Zuwachs von einer Million
Rund 14,6 Millionen Menschen nutzen dem VDV zufolge derzeit das Abo, mit dem bundesweit Fahrten in Bussen und Bahnen des öffentlichen Regional- und Nahverkehrs möglich ist. Das sind knapp eine Million Abonnenten mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. VDV-Präsident Wortmann sieht weiteres Potenzial. „Wenn wir Menschen wirklich vom Auto holen möchten, reden wir in Größenordnungen von über 20 Millionen Deutschland-Tickets“, betonte er. Vor allem bei den Job-Tickets, bei denen Arbeitgeber das Abo fördern, gebe es noch deutlich Luft nach oben.
Das Deutschland-Ticket wurde im Mai 2023 eingeführt. Lange stritten Bund und Länder über die Finanzierung. Das ursprünglich zu einem Preis von monatlich 49 Euro gestartete Abo kostet seit Januar 63 Euro. Ab 2027 soll der Preis nach einem Index ermittelt werden, der Personal- und Energiekosten und allgemeine Kostensteigerungen abbildet. Die „politische Preisfindung“, die für viel Streit sorgte, soll so enden.
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Nachfrage unter dem Niveau vor der Pandemie
Insgesamt waren im vergangenen Jahr dem VDV zufolge bundesweit rund 9,86 Milliarden Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Das ist demnach ein leichter Anstieg von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach wie vor liegt die Nachfrage damit aber unter dem Niveau der Jahre vor der Pandemie. Im Rekordjahr 2019 zählte die Branche 10,4 Milliarden Kunden.
Während die Fahrgasteinnahmen der Verkehrsunternehmen insbesondere nach der Einführung des Deutschland-Tickets zurückgegangen sind, sind die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allein der Strompreis habe sich zwischen 2020 und 2025 nach vorläufigen Zahlen um mehr als 40 Prozent erhöht, teilte der VDV weiter mit. Der Dieselpreis stieg mit fast 43 Prozent sogar noch stärker. Personalkosten legten um rund 19 Prozent im selben Zeitraum zu. Wortmann warnte vor reduzierten Angeboten in den Verbünden infolge des wirtschaftlichen Drucks. „Wir sind dabei, Effizienzprojekte durchzuführen in den Unternehmen, aber irgendwann müssen wir auch mit Angebotskürzungen reagieren“, sagte der Präsident. „Insbesondere dann, wenn wir kein ausreichendes Geld aus den öffentlichen Haushalten bekommen.“
(mfz)