Amazon strukturiert Lebensmittelgeschäft um, schließt alle Fresh- und Go-Läden

Lebensmittel gibt es bei Amazon künftig nur noch online und in den Whole-Foods-Supermärkten. Alle Amazon Fresh und Amazon Go werden kurzfristig geschlossen.

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Lieferant mit Prime-Tüten auf Treppe zur Eingangstür eines Hauses

(Bild: Amazon)

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Amazon hat die Schließung sämtlicher Lebensmittel- und Einzelhandelsgeschäfte unter den Namen „Amazon Fresh“ und „Amazon Go“ angekündigt. Das betrifft 72 Läden innerhalb der USA. Der Konzern fokussiert sich bei Lebensmitteln stattdessen auf Online-Bestellungen und Versand sowie die „Whole Food Markets“, eine Supermarktkette mit großer Auswahl an Bio-Produkten. Einige der bisherigen Fresh- oder Go-Standorte werden in Whole-Foods-Geschäfte umgewandelt. Unklar ist bislang, wie viele Mitarbeiter von den Schließungen und dieser Umstrukturierung betroffen sind.

Amazon hatte die weltgrößte Bio-Kette Whole Foods schon 2017 für 13,7 Milliarden US-Dollar gekauft und war damit groß in den stationären Lebensmittelhandel eingestiegen, nachdem zuvor der Lebensmittelversand vorangetrieben worden war. Dazu gesellten sich die im Vergleich zu den Bio-Supermärkten kleineren Lebensmittelgeschäfte Amazon Fresh und Amazon Go. Hier hat Amazon auch das Zahlen ohne Kasse im Supermarkt-Format eingeführt, der Konzern nennt dies „Just Walk Out“. Seit 2020 bietet Amazon die Technik für kassenlose Supermärkte auch Einzelhändlern an.

Gerechnet hat sich die Technik aber offenbar nicht für Amazon Go und Amazon Fresh. Obwohl der Konzern bei den eigenen Lebensmittelgeschäften von „ermutigenden Signalen“ spricht, schreibt Amazon jetzt: „Wir haben es noch nicht geschafft, ein wirklich unverwechselbares Kundenerlebnis mit dem richtigen Wirtschaftsmodell zu schaffen, das für eine großangelegte Expansion erforderlich ist“. Das gilt aber wohl nicht für Whole Foods, denn diese Supermärkte verzeichnen seit der Übernahme 2017 laut Amazon ein Umsatzwachstum von über 40 Prozent und wurden auf mittlerweile über 550 Standorte ausgebaut.

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Das ist nicht die erste Sparmaßnahme in diesem Geschäftsbereich. Schon 2023 hat Amazon mehrere Läden in den USA geschlossen, die zudem die kassenlose Bezahlfunktion geboten hatten. Trotzdem preist Amazon die Technik weiter an. Man habe Amazon Go als „Innovationszentren“ genutzt, wo „Just walk out“ entwickelt wurde. Nun werde die Technik an über 360 Standorten von Drittanbietern in fünf Ländern genutzt. Als Beispiele nennt Amazon Kantinen und Stadien, wo sich die Wartezeiten durch das kassenlose Bezahlen deutlich reduziert hätten, in der Cafeteria eines Krankenhauses etwa von 25 auf 3 Minuten. Auch in den Pausenräumen von mehr als 40 nordamerikanischen Amazon-Logistikzentren wird die Technik eingesetzt, weitere Standorte sollen die Technik 2026 ebenfalls bekommen.

Kunden sollen Lebensmittel jetzt online bestellen, statt Amazon Go oder Fresh aufzusuchen. Mittlerweile bietet der Konzern die Lieferung frischer Lebensmittel in mehr als 5000 Städten der USA an. Zudem können Kunden in 2300 Orten Lebensmittel am Tag der Bestellung geliefert bekommen. Dies soll im Laufe dieses Jahres auf weitere Städte ausgeweitet werden, denn dieser Lieferdienst verderblicher Lebensmittel ist wohl stark nachgefragt. Nach Angaben Amazons ist der Umsatz in diesem Bereich seit Januar 2025 um das 40-fache gestiegen.

Amazon hat die Anzahl der von der Schließung der Lebensmittelgeschäfte betroffenen Mitarbeiter nicht genannt, aber Geekwire berichtet, dass ihnen Stellen in anderen Bereichen des Unternehmens angeboten werden sollen. Auch bietet der Konzern abwanderungswilligen Mitarbeitern Abfindungen an, die 90 Tage volles Gehalt und alle Sozialleistungen umfassen. Die Entscheidung wird kurzfristig umgesetzt, die meisten Standorte werden bereits am Sonntag, dem 1. Februar 2026, dicht gemacht. Nur in Kalifornien erfolgt das Ende aus arbeitsrechtlichen Gründen 45 Tage später.

(fds)