Native Instruments meldet Insolvenz an
Das Berliner Musiktechnologieunternehmen Native Instruments, auch Muttergesellschaft von iZotope, Plugin Alliance und Brainworx, hat Insolvenz angemeldet.
(Bild: Native Instruments)
Das als Anbieter von Musiksoftware und -hardware weltweit renommierte Berliner Unternehmen Native Instruments hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das geht aus öffentlich zugänglichen Unterlagen des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg hervor, nach der unter den Aktenzeichen 3612 IN 603/26, 3612 IN 602/26 und 3612 IN 604/26 am 26. und 27. Januar für verschiedene Teile des Unternehmens entsprechende Anträge gestellt wurden. Laut der Unterlagen wurde auch bereits ein Insolvenzverwalter bestellt, Native Instruments selbst hat sich zu dem Vorgang noch nicht geäußert.
Der Insolvenzantrag folgt auf einige turbulente Jahre: So erlebte das Unternehmen bereits 2019 und 2020 eine schwierige Phase, in denen es neben Entlassungen und einer Umstrukturierung auch Kritik von ehemaligen Mitarbeitern gab. Im Jahr 2020 traten der Mitbegründer und CEO des Unternehmens Daniel Haver sowie der damalige Chief Innovation Officer und Präsident Mate Galic von ihren Führungspositionen zurück. 2021 übernahm dann die Private-Equity-Firma Francisco Partners die Mehrheitsbeteiligung an Native Instruments.
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Gescheiterte Strategien
Um sich neu aufzustellen, übernahm Native Instruments über die Jahre drei weitere Softwaremarken aus dem Musikbereich – iZotope (bekannt für Produkte wie Ozone und RX), Brainworx und Plugin Alliance – und vereinigte diese mit der eigenen Marke unter dem Dach „Soundwide“. Mitte 2023 musste das Unternehmen in einer Mitteilung jedoch eingestehen, dass der neue Name keine große Bekanntheit erlangt hatte. In der Folge wechselten die Berliner auf Native Instruments als gemeinsamen Markennamen.
Eine 2018 gestartete Online-Plattform namens Sounds.com, auf der Native Instruments Musikschaffenden Loops, Samples und Sound-Packs jeder Stilrichtung anbot, wurde Mitte 2023 von jetzt auf gleich eingestellt, was bei Kunden zu nachvollziehbarer Verärgerung führte.
Kritiker bemängelten in den vergangenen Jahren vor allem den hohen Ausstoß an Sample Libraries, denen es ihrer Meinung nach an echten Innovationen mangelte. Auch neue Versionen bekannter Produkte wie Massive X als Neuauflage des legendären Wavetable-Synthesizer Massive stießen in der Community nicht nur auf Begeisterung. Andererseits hatte Native Instruments jüngst seinen beliebten Softsynth Absynth mit einer neuen Version wiederbelebt, die von Kritikern gelobt wurde. Gereicht hat das aber offensichtlich nicht.
Nun wird es spannend, wie es mit Native Instruments weitergeht – auch und gerade für die Nutzer, die die Produkte des Unternehmens in der Musikproduktion einsetzen. (nij)