„Speedball“ angespielt: Der Amiga-Klassiker von 1990 ist zurück
Rebellion bringt „Speedball“ nach 36 Jahren zurück – doch die Essenz des Originals verpufft in einer seelenlosen Neuinterpretation.
Neuer Look, neue Arenen, neues Gameplay: „Speedball“ will einen 90er-Jahre-Klassiker wiederbeleben.
(Bild: Rebellion)
Wenn ein Spiel mit derart ikonischem Status wie „Speedball 2: Brutal Deluxe“ neu aufgelegt wird, stehen die Entwickler vor einem Dilemma: Wie viel darf man verändern, ohne den Kern zu verlieren? Rebellion hat sich an dieser Frage gerade die Zähne ausgebissen. Die Neuauflage des Bitmap-Brothers-Klassikers ist technisch solide, ästhetisch eigenständig – aber genau da liegt das Problem.
Bleib, wie du bist
„Speedball 2: Brutal Deluxe“ war 1990 ein Produkt seiner Zeit: kompromisslos, direkt, reduziert auf das Wesentliche. Ein Joystick, ein Button, drei Minuten Spielzeit – mehr brauchte es nicht, um ein Spiel zu erschaffen, das gleichermaßen Arcade-Action und taktische Tiefe bot. Die Bitmap Brothers schufen mit wenig Aufwand maximale Wirkung. Jede Bewegung zählte, jeder Treffer musste erkämpft werden.
„Speedball“ angespielt (6 Bilder)

Rebellion
)Rebellions Remake verabschiedet sich von dieser Radikalität. Die kalte, metallische und simple Ästhetik muss thematisch wechselnden 3D-Spielfeldern im Comic-Stil mit Schienen, Elektroschockern, Flammen und Eiskanonen weichen. Brutale Tacklings werden in Zeitlupe inszeniert, als wäre man versehentlich in „Sniper Elite“ abgebogen. Das wirkt zwar modern, aber auch beliebig.
Videos by heise
Auch inhaltlich wurde die Struktur angepasst: Die emotionale Bindung an das Underdog-Team Brutal Deluxe, das man einst mühsam zum Champion formte, fällt weg. Das neue Team-Management und der Ligamodus mit detaillierten Statistiken passen sich modernen Sportspielen, fühlen sich aber seltsam seelenlos an. Motivation für Einzelspieler gibt es kaum, zumal auch der höchste Schwierigkeitsgrad viel zu einfach ist und KI-Gegner immer wieder ziel- und planlos über das Spielfeld irren. „Speedball“ ist eher ein Spiel für ein paar schnelle Multiplayer-Duelle zwischendurch.
Eindruck: Unnötiger Aufguss
Art Director Samuel Beattie sprach im Vorfeld offen von der „Herausforderung“, ein fast 40 Jahre altes Spiel neu zu denken. Am Ende wollten die Entwickler offenbar allen gefallen – neuen Spielern mit modernen Mechaniken, alten Fans mit Retro-Referenzen („Ice-Cream“). Doch das Ergebnis wirkt wie ein Spiel, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will. Dabei war „Speedball 2: Brutal Deluxe“ ohnehin nie ein Spiel, das nach einer Fortsetzung schrie. Unter den zahlreichen Neuauflagen und Weiterführungen funktionierten bisher lediglich die, die nichts verändern wollten. Jeder Versuch, das Spiel zu aktualisieren, scheiterte daran, ein zeitloses Meisterwerk neu zu denken.
Das neue „Speedball“ ist kein schlechtes Spiel. Aber es ist auch kein „Speedball 2“. „Brutal Deluxe“ ist ein Artefakt: elegant, roh, kompromisslos. Die Neuauflage ist ein Produkt: durchdesignt, angepasst, entfremdet. Vielleicht hätte man diesen Klassiker einfach ruhen lassen sollen.
„Speedball“ ist seit dem 27. Januar 2026 für PC (Steam), Playstation 5 und Xbox Series X/S verfügbar. Der Preis liegt bei 29,99 Euro, die Altersfreigabe bei 12 Jahren.
(joe)