Untypische Übernahme: Alte Halbleiterwerke für neue Quantencomputer

Der Quantencomputer-Entwickler IonQ will den Chipauftragsfertiger Skywater übernehmen. In dessen Werken könnte IonQ Quantenprozessoren herstellen.

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Nahaufnahme eines Ionenfallen-Quantenprozessors von IonQ

Ein Ionenfallen-Quantenprozessor von IonQ.

(Bild: IonQ)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

IonQ will für 1,8 Milliarden US-Dollar den Chipauftragsfertiger Skywater übernehmen, um in dessen Halbleiter- und Packaging-Werken eigene Quantenprozessoren herzustellen. So eine Übernahme ist untypisch, zeigt aber Synergieeffekte: Skywater bietet in Minnesota, Florida und Texas nur alte Fertigungstechnik an, dank der Übernahme eines Infineon-Werks mittlerweile bis hinunter auf 65 Nanometer. Solche Strukturbreiten waren im Jahr 2005 aktuell; aktuell fahren Chipauftragsfertiger wie TSMC die 2-nm-Produktion hoch. Für Quantenprozessoren sind grobe Strukturen jedoch völlig ausreichend.

IonQ realisiert Qubits über Ionen aus Ytterbium oder Barium, die in Elektroden auf Halbleiterträgern gefangen werden (Ionenfallen). Als Halbleiter kommt Silizium zum Einsatz, in das Hersteller Wellenleiter integrieren, um über Laser die Ionen zu manipulieren (Photonik). Kleinste Transistoren sind hier nicht wichtig.

Zudem könnte Skywater Expertise für Mikrocontroller zur Ansteuerung der Ionen direkt in den Kryoschränken liefern, wo Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt herrschen. Der Chipauftragsfertiger produziert bereits Halbleiter für die Nutzung im Weltall.

Die Vorstände von IonQ und Skywater haben der Übernahme einstimmig zugestimmt. Für den Abschluss müssen allerdings auch die Aktionäre das Angebot annehmen. Zudem müssen die Behörden grünes Licht geben. Die Firmen erwarten einen Abschluss im zweiten oder dritten Quartal 2026.

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Skywaters Halbleiterwerke sind sogenannte Trusted US Fabs. Die Produktion ist durchzertifiziert, auch in den Packaging-Werken, wo die Firma etwa Prozessoren final zusammenfügt.

Damit kann Skywaters seine Bauelemente ans US-Militär verkaufen. Genau auf diesen Markt zielt IonQ laut Mitteilung ab: „Nach Abschluss der Übernahme wird IonQ über eine durchgängige Quanten-Lieferkette in den USA verfügen, die vom Design und Prototyping über die Fertigung, das Packaging und den Feldeinsatz bis zu laufenden Service-Upgrades reicht. Dadurch kann IonQ mehrere wichtige Programme des Verteidigungsministeriums sicher unterstützen, etwa das Netzwerk Microelectronics Commons zur Unterstützung von Frontkämpfer-Anwendungen, und kritische Schwachstellen in der nationalen Sicherheit beheben.“

IonQ erhofft sich mit eigenen Halbleiterwerken außerdem bessere Testmöglichkeiten und kürzere Entwicklungszeiten. Für externe Kunden soll Skywater weiter als Chipauftragsfertiger arbeiten. Künftig mit einem Bonus: IonQ will bestimmte eigene Quantenbaublöcke auch externen Kunden anbieten. Entlassungen seien nicht geplant.

(mma)