Artemis 2: Kälteeinbruch verzögert Generalprobe
Kaltes Wetter und Wind bremsen die Artemis-2-Mission aus. Doch das Wetter ist nicht das einzige, was Experten vor der Mission Kopfzerbrechen bereitet.
Hier steht die Artemis-2-SLS-Rakete (Space Launch System) der Nasa mit dem Raumschiff Orion auf einer mobilen Startrampe im Launch Complex 39B im Kennedy Space Center (Florida).
(Bild: Nasa)
Angesichts eines „seltenen, arktischen“ Kälteeinbruchs, wie es die Nasa nennt, verschiebt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde die Generalprobe der Artemis-2-Mission. Sie soll nun am 2. Februar stattfinden. Seit einer Woche sind große Teile der USA von Winterstürmen betroffen.
Damit entfallen auch die Startmöglichkeiten am 6. und 7. Februar. Als frühesten neuen Starttermin gibt die Nasa jetzt den 8. Februar an. Die vierköpfige Astronauten-Crew der Mission befindet sich weiterhin in Quarantäne in Houston.
Um die Hardware vor der Kälte zu schützen, halten die Ingenieure die Orion-Raumkapsel unter Strom und haben deren Heizungen für die niedrigen Temperaturen konfiguriert. Der Live-Stream, der die Rakete auf der Startrampe zeigt, läuft weiter. Jede weitere Verzögerung des Tests würde auch den Starttermin um jeweils einen Tag nach hinten verschieben, so die Raumfahrtbehörde.
Während diese Herausforderungen logistischer Natur sind, gibt es auch technische Bedenken, die Experten vor dem Flug geäußert haben.
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Kritik an Hitzeschild
Ein Kritikpunkt besteht etwa am Hitzeschild der Orion-Kapsel. Dieser wurde bei der unbemannten Artemis-1-Mission im Jahr 2022 während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre beschädigt.
Die Nasa hat nach Untersuchungen des Vorfalls erklärt, dass sie die Sicherheit der Besatzung gewährleisten könne. Als Maßnahme soll die Flugbahn beim Wiedereintritt verändert werden, um die Belastung für den Hitzeschild zu senken. Bei Artemis I wurde eine neue Technik erprobt, bei der die Kapsel über die Atmosphäre "springt". Dennoch räumt die Behörde ein verbleibendes Restrisiko ein.
Für den ehemaligen Nasa-Astronauten und Hitzeschild-Experten Charlie Camarda ist das noch immer zu hoch. Er hat laut CNN monatelang versucht, die Behörde von seinen Warnungen zu überzeugen. Zwar sieht auch er eine sichere Rückkehr als wahrscheinlich an. Er warnt aber, dass ein sicherer Flug die Nasa langfristig in falscher Sicherheit wiegen könnte.
Mondanzüge zu schwer
Weitere Kritik betrifft die Ausrüstung für zukünftige Missionen des Artemis-Programms. Die ehemalige Nasa-Astronautin Kate Rubins bemängelt insbesondere das Gewicht der neuen Raumanzüge, die von der Firma Axiom für künftige Mondlandungen wie bei Artemis 3 entwickelt werden. Das Gewicht der Anzüge liegt bei rund 140 Kilogramm.
Rubins, die selbst fast 300 Tage im All verbrachte, beschreibt das Training in den Anzügen als "extremes physisches Ereignis", das zu völliger Erschöpfung und blauen Flecken führe. Dies sei besonders problematisch, da Astronauten auf dem Mond tägliche Außeneinsätze von acht bis neun Stunden absolvieren sollen, im Gegensatz zu den nur gelegentlichen Weltraumspaziergängen auf der Internationalen Raumstation.
Zwar bieten die neuen Anzüge durch mehr Gelenke eine bessere Beweglichkeit als die der Apollo-Ära, dieser Vorteil wird aber durch das hohe Gewicht erkauft. Einfache Bewegungen wie das Bücken, um etwas aufzuheben, erfordern laut Rubins enorme Kraft, um das steife Material des Anzugs zusammenzudrücken. Das jetzige Design sei eine gute Grundlage, müsse aber weiterentwickelt werden, so die erfahrene Astronautin.
Der Mond ist das Ziel
Artemis 2 ist der erste bemannte Testflug im Rahmen des Artemis-Programms der Nasa. Die Mission wird vier Astronauten an Bord der Orion-Raumkapsel auf eine Reise um den Mond und zurück schicken.
Das Hauptziel der rund zehntägigen Mission ist es, die Systeme der Orion-Kapsel unter realen Bedingungen im Weltraum mit einer Besatzung an Bord zu testen. Dazu gehören insbesondere die Lebenserhaltungssysteme, die Kommunikations- und Navigationsfähigkeiten weit von der Erde entfernt sowie manuelle Flugmanöver. Artemis 2 ist somit eine entscheidende Generalprobe für die geplante Mondlandung mit Artemis 3.
Es wird das erste Mal seit über 50 Jahren sein, dass Menschen wieder zum Mond reisen. Dabei wird die Besatzung weiter von der Erde entfernt sein als je ein Mensch zuvor und damit den von Apollo 13 aufgestellten Rekord brechen.
(ssi)