"Sand in Motion"-Wärmespeicher speichert Energie effizient und senkt Kosten

Energie aus erneuerbaren Energien lässt sich in einem Wärmesandspeicher speichern. Besonders effektiv soll das ein Speicher mit zirkulierendem Sand können.

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Ein Sandspeicher

(Bild: The Storage)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das finnische Start-up The Storage hat in einem Pilotprojekt einen Wärmespeicher auf Basis zirkulierenden Sands installiert, der von erneuerbaren Energien produzierten Strom in Form von Wärme speichert und bei Bedarf wieder abgeben kann. Wie das Unternehmen mitteilt, soll die Anlage bis zu 70 Prozent der herkömmlicherweise anfallenden Stromkosten bei industrieller Nutzung einsparen und CO₂-Emissionen um bis zu 90 Prozent senken können.

Der Energiebedarf der industriellen Wärmeproduktion weltweit macht etwa ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs aus. Ein Großteil, etwa 80 Prozent, wird dabei noch von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas erzeugt. Die Wärmespeicherbatterie von The Storage nutzt dagegen Strom aus erneuerbaren Energien, um ihn mit einer Heizung in Hitze umzuwandeln, sie in einem Wärmesandspeicher vorzuhalten und die Hitze bei Bedarf wieder abzugeben – also auch in Zeiten, in denen erneuerbare Energien, etwa Windkrafträder, aufgrund von wenig Wind keinen oder nur wenig Strom produzieren können.

Die Technik von The Storage heißt „Sand in Motion“. Das Konzept für die Technik hat ihre Ursprünge im Jahr 2023. 2024 und 2025 erfolgten dann die Entwicklung und Umsetzung des Wärmesandspeichers. Im Januar 2026 wurde eine Anlage zusammen mit einer Brauerei im industriellen Maßstab in Betrieb genommen, um die Funktion und Wirksamkeit des Sand-in-Motion-Konzepts zu testen. Die Hitze aus dem Wärmespeicher wird dabei von der Brauerei dazu genutzt, fossilfreien Dampf für die Brauereiprozesse zu erzeugen.

Das Prinzip des Sandwärmespeichers von The Storage nutzt zwei mit Sand befüllte Silos. In einem befindet sich kühler Sand, im anderen wird bereits erhitzter Sand gespeichert. Der kühle Sand wird zu einem Heizgerät transportiert, das ihn mit Strom aus erneuerbaren Energien auf bis zu 800 °C erhitzt und im heißen Silo stationär gespeichert. Der heiße Sand kann von dort nach Bedarf abgerufen werden und läuft dann durch einen Wärmetauscher, über den dann heißer Dampf erzeugt wird. Durch die Zirkulation des Sands sei die Wärmeübertragungseffizienz bis zu zehnmal höher als bei herkömmlichen statischen Systemen, erklärt The Storage.

Das Funktionsprinzip des „Sand in Motion“-Wärmesandspeichers von The Storage.

(Bild: The Storage)

Die Hitze kann je nach industrieller Anwendung in Form von Dampf, aber auch über Thermoöl freigesetzt werden. Das System könne in der jetzigen Form die in dem heißen Sand gespeicherte Energie je nach Bedarf abrufen. Kosteneinsparungen bis zu 70 Prozent und die Senkung von CO₂-Emissionen bis zu 90 Prozent seien im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsanlagen möglich.

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Die Wärmesandbatterie könne je nach industriellen Anforderungen skaliert werden, sodass Speicherkapazitäten zwischen 20 MWh und 500 MWh möglich sind. Die Ladeleistung betrage zwischen einem und 20 MW.

Den weltweit größten Wärmesandspeicher betreibt das Unternehmen Polar Night Energy im finnischen Pornainen. Er kann Energie von bis zu 100 MWh speichern und versorgt Haushalte mit Fernwärme. Diese Anlage ist bereits seit Mitte 2025 in Betrieb und soll so den CO₂-Ausstoß um etwa 70 Prozent reduzieren. Das Unternehmen arbeitet bereits an der Umsetzung einer größeren Wärmesandspeicheranlage, die bis zu 250 MWh an Energie speichern kann.

(olb)