Spielwelten per Mausklick: Googles neues KI-Tool lässt Gaming-Aktien purzeln

Googles neues KI-Tool kreiert interaktive Umgebungen aus Textvorgaben und Bildern. Die Kurse von Take-Two, Roblox und Unity verzeichneten zweistellige Verluste.

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Ein Hund in einer idyllischen Naturlandschaft mit HolzhĂĽtte und Bergen.

Googles Project Genie.

(Bild: Google)

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Nachdem Google sein experimentelles KI-Tool Project Genie veröffentlicht hat, sind die Aktienkurse von Branchengrößen der Spieleindustrie am Freitag teilweise drastisch eingebrochen. Der GTA-Publisher Take-Two fiel um 10 Prozent, die Metaverse-Plattform Roblox büßte 12 Prozent ein und die Spiele-Engine Unity verlor sogar 21 Prozent an Wert, berichtet Reuters.

Project Genie kreiert aus Textbeschreibungen oder hochgeladenen Bildern interaktive Umgebungen. Die Nutzung ist aktuell auf die USA beschränkt und setzt ein aktives Abo für Google AI Ultra voraus. Das KI-Weltmodell generiert neben der Optik auch physikalische Abläufe und lässt Anwender eine frei definierbare Figur durch die Welt steuern. Auch die Perspektive und Fortbewegungsart lassen sich individuell festlegen.

Videos by heise

Am Wochenende gingen Videos generierter Umgebungen im Netz viral, die teilweise an bekannte Spielemarken erinnern. Laut Forschern von Google DeepMind wurde das erste Genie-Weltmodell mit einem Datensatz von über 200.000 Stunden öffentlich zugänglicher Internet-Gaming-Videos trainiert.

Die im Netz kursierenden Videos suggerieren auf den ersten Blick, dass sich mit Project Genie vollwertige Videospiele erschaffen lassen. In Wirklichkeit ist die Technologie noch sehr begrenzt: Die Erfahrungen sind auf 60 Sekunden beschränkt und erschaffen Umgebungen basierend auf den Eingaben der Spieler, also ohne übergreifende Spielwelt oder vorgängiges Leveldesign. Spielmechaniken und Sound fehlen ebenso wie die Möglichkeit, die Umgebungen zwecks Weiterverarbeitung in Spiele-Engines wie Unity oder Unreal zu importieren. Schon jetzt könnte die Technologie allerdings beim Prototyping von Ideen für Spielumgebungen zum Einsatz kommen.

Vor diesem Hintergrund ist der Kurssturz eine Überreaktion der Wall Street. Der Spielejournalist und Buchautor Jason Schreier warf Anlegern vor (Bluesky-Link), nicht zu verstehen, wie Videospiele tatsächlich entstehen. Tim Sweeney von Epic Games wies darauf hin (X-Link), wie schnell sich KI entwickelt und hob das langfristige Potenzial der Technologie hervor. Das Unternehmen und Gaming-Schwergewicht, das die Unreal Engine und das Videospiel „Fortnite“ entwickelt, wird nicht an der Börse gehandelt und blieb deshalb von den Kursverlusten unbeeinträchtigt.

Inmitten einer Branche, die von explodierenden Produktionskosten und Entlassungswellen geprägt ist, schürt KI weitere Verunsicherung. Obwohl die Technologie noch weit davon entfernt ist, die Spieleentwicklung zu übernehmen, weckt ihr Einsatz zur Effizienzsteigerung bereits konkrete Ängste um den Fortbestand weiterer Arbeitsplätze. Laut einer aktuellen Umfrage ist mittlerweile mehr als die Hälfte aller Entwickler der Überzeugung, dass generative KI einen negativen Einfluss auf die Branche haben wird.

(tobe)