Large Hadron Collider: Kühlwasser versorgt Wohngegend mit Wärme

Das für die Kühlung des Large Hadron Colliders am CERN benötigte Wasser wird nun zum Heizen eingesetzt: Es versorgt Ferney-Voltaire mit Fernwärme.

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Hier wird das Wärmeaustauschsystem des CERN mit dem Heizungssystem für ein Gewerbe- und Wohngebiet in Ferney-Voltaire verbunden.

(Bild: Nicolas Gascard/Pays de Gex Agglo)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das Kühlwasser des Large Hadron Colliders (LHC) am internationalen Forschungszentrum CERN versorgt eine nahegelegene Wohngegend mit Fernwärme. Seit Mitte Januar wird das Wasser laut Mitteilung des CERN eingesetzt, um im französischen Ort Ferney-Voltaire Wohnungen und Geschäfte zu heizen.

Das ist Teil eines CERN-Projekts, das den Betrieb des weltgrößten Teilchenbeschleunigers energieeffizienter gestalten soll. Das Wasser wird etwa gebraucht, um die Kryotechnik-Maschinen des Large Hadron Colliders am Oberflächenpunkten 8 kühl zu halten. Es zirkuliert durch das System, kühlt die Anlagen und nimmt dabei Hitze auf. Bislang strahlte es die aufgenommene Wärme danach in einem Kühlturm wieder ab. Nun wird die Abwärme stattdessen in das Fernwärmesystem der nahegelegenen französischen Stadt eingespeist.

„In der neuen Anlage strömt heißes Wasser zunächst durch zwei Wärmetauscher mit jeweils 5 Megawatt Leistung, die die thermische Energie an das neue Fernwärmenetz in Ferney-Voltaire übertragen“, erklärt CERNs Energiekoordinator Nicolas Bellegarde. Das soll Heizleistung für mehrere Tausend Haushalte bereitstellen.

Bislang nutze die Stadt nur etwa 5 Megawatt, in Zukunft könne die Wärmezufuhr für Ferney-Voltaire mit den zwei installierten Wärmetauschern aber verdoppelt werden. Bis dahin wird es aber noch dauern. In der Praxis wird Ferney-Voltaire erst einmal mit weniger Abwärme vom LHC leben müssen: Im Sommer 2026 will das Forschungszentrum den LHC bis Sommer 2030 für Wartung und Modernisierungen abschalten.

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Laut CERN-Mitteilung bleiben zumindest einige Systeme am Punkt 8 in dieser Zeit weiterhin aktiv. Sie werden daher weiterhin gekühlt, sodass das Kühlwasser in der Regel zwischen 1 und 5 Megawatt zum Fernwärmenetz beitragen wird. Ferney-Voltaire ist von der Abwärme des LHCs nicht abhängig, weil es unter anderem auch Fernwärme aus Geothermie bezieht.

Der Large Hadron Collider ist in der Nähe von Genf in einem ringförmigen Tunnel aufgebaut. Zu den größten wissenschaftlichen Erfolgen des weltweit größten Forschungsinstruments gehört der Nachweis des Higgs-Bosons. In dem langen Tunnel werden Protonen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit aufeinander geschossen. Die angeschlossenen Großexperimente ALICE, CMS, ATLAS und LHCb analysieren, welche Teilchen bei diesen Kollisionen entstehen. In jahrelanger Arbeit werden aus den immensen Datenmengen neue Einblicke in die grundlegenden Eigenschaften des Universums gewonnen.

(dahe)