Wegen Vertrag mit ICE: IT-Beratungskonzern Capgemini stößt US-Tochter ab

Die Einheiten von ICE werden seit Wochen für ihr Vorgehen kritisiert. Jetzt zieht der französische IT-Beratungskonzern Capgemini Konsequenzen.

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Firmenschild von Capgemini

(Bild: BalkansCat/Shutterstock.com)

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Der große IT-Beratungskonzern Capgemini aus Frankreich will schnellstmöglich eine US-Tochter abstoßen, die eng mit der US-Einwanderungsbehörde ICE („Immigration and Customs Enforcement“) kooperiert, deren Einheiten seit Wochen heftig kritisiert werden. In einer Mitteilung vom Wochenende heißt es, dass die üblichen rechtlichen Beschränkungen für Verträge mit der US-Regierung dafür sorgen, dass Capgemini das Tochterunternehmen Capgemini Government Solutions nicht angemessen kontrollieren könne, „um die Übereinstimmung mit den Zielen der Gruppe sicherzustellen“. Deshalb werde unverzüglich die Veräußerung des Geschäftsbereichs angestoßen.

Capgemini gehört zu den größten Konzernen in Frankreich, weltweit erwirtschaften über 340.000 Angestellte einen Umsatz von 22 Milliarden Euro. Die jetzt in den öffentlichen Fokus geratene US-Tochter steuert dazu weniger als zwei Prozent bei, erklärt der Konzern noch. Wenige Tage vorher hat Capgemini-CEO Aiman Ezzat auf LinkedIn ausgeführt, dass für diese Tochter spezielle Vorgaben gelten, damit sie mit geheimen Dokumenten für die US-Regierung arbeiten darf. Deshalb seien die Geschäfte strikt getrennt und wichtige Entscheidungsprozesse für die französische Zentrale nicht zu kontrollieren. Ezzat versicherte dabei, dass die US-Tochter ihre Verträge mit der US-Regierung prüfen werde. Am Wochenende hat Capgemini dann die Reißleine gezogen.

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Einheiten von ICE setzen seit Wochen mit rabiaten Mitteln und martialischen Razzien die Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump um. Dabei haben sie bereits mehrere Menschen getötet. Die zahlreichen Videoaufnahmen der tödlichen Schüsse auf Renée Good und Alex Pretti in Minneapolis lösten weithin Entsetzen aus. Vor diesem Hintergrund wurde ein Vertrag der US-Tochter von Capgemini in Frankreich kritisiert, bei dem es um die Technik zur Identifizierung von zehntausenden Einwanderern pro Monat ging, hat die Washington Post berichtet. Capgemini erklärte daraufhin, der Vertrag werde nicht mehr ausgeführt. Wegen des begrenzten Einflusses der französischen Zentrale darauf kappt sie nun die Verbindung.

(mho)