ESA: Flugzeug soll VerglĂĽhen zweier Satelliten vor Ort beobachten

Die ESA will die durch Weltraumschrott erzeugten Probleme verringern. Dafür lässt sie nun zwei Satelliten so abstürzen, dass das direkt beobachtet werden kann.

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Runde Satelliten ĂĽber der Erde

KĂĽnstlerische Darstellung der Cluster-Satelliten

(Bild: ESA, CC BY-SA 3.0 IGO )

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die ESA hat die Umlaufbahn zweier ausrangierter Forschungssatelliten so geändert, dass sie im Spätsommer innerhalb von 24 Stunden nahe beieinander abstürzen und dabei von einem Flugzeug aus beobachtet werden können. Das hat die Europäische Weltraumagentur jetzt mitgeteilt und erklärt, dass die Beobachtungen wichtige Erkenntnisse dazu liefern sollen, wie genau Satelliten beim Sturz durch die Erdatmosphäre verglühen. Das soll bei der Entwicklung und dem Bau künftiger Satelliten sowie beim Kampf gegen Weltraumschrott helfen. Die Satelliten sollen im Abstand von 24 Stunden abstürzen, damit das Beobachtungsflugzeug zwischendurch betankt werden kann.

Wie die ESA ausführt, handelt es sich bei den Satelliten um die letzten beiden der sogenannten Cluster-Mission. Die ist hauptsächlich berühmt dafür, dass die ersten vier Satelliten beim missglückten Jungfernflug der Trägerrakete Ariane 5 zerstört wurden; Cluster II wurde dann 2000 gestartet. Die vier Satelliten haben die Magnetosphäre der Erde untersucht, bis die ersten beiden 2024 und 2025 verglüht sind. Der Absturz am 8. September 2024 wurde dabei bereits aus einem Flugzeug beobachtet. Am 31. August und am 1. September soll das nun aber innerhalb von 24 Stunden gleich zweimal klappen. Der Vergleich der Beobachtungsdaten zu den identisch aufgebauten Satelliten soll wichtige Einblicke in die extremen Folgen solcher Abstürze liefern.

Mit besseren Daten dazu, wann ein abstürzender Satellit sich erhitzt und auseinanderbricht, sowie welche Materialien dabei wie lange heil bleiben, könne man welche bauen, die komplett verbrennen, erklärt Stijn Lemmens von der ESA. Gleichzeitig seien solche Daten aber nur schwer zu sammeln, weil das zumeist über abgelegenen Regionen der Erde und in Höhen von rund 80 km passiert. Außerdem sind die Abstürze zu schwer vorherzusagen. Bei unkontrollierten Abstürzen ist nicht einmal direkt davor klar, über welchem Kontinent oder Ozean das passieren wird. Bei Cluster hat die ESA deshalb vorgesorgt und die verbleibenden Satelliten Mitte Januar in Umlaufbahnen manövriert, die für die jetzt terminierten Abstürze sorgen sollen.

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Abstürzen sollen die beiden Satelliten über dem Südpazifik. Weil sie sich in einem besseren Zustand befinden als die anderen beiden vor ihrem Absturz, hofft man bei der ESA sogar, dass sie bis kurz davor Signale senden. In Australien soll dann rechtzeitig ein kleines Forschungsflugzeug starten, sich zum Absturzort aufmachen und ihn beobachten. Danach geht es zum Tanken und für eine Ruhepause zurück, bevor das Forschungsteam erneut abhebt. Das übt damit auch für die ESA-Mission Draco, die aus einem speziell für einen kontrollierten Absturz entwickelten Satelliten besteht, der 2027 starten soll. Mit mehr als 100 Sensoren und vier Kameras soll der den eigenen Absturz dann besonders umfangreich aufzeichnen, während er ebenfalls beobachtet wird.

(mho)