Aus fĂĽr SharePoint und OneDrive: Microsoft zwingt Nutzer in teure Suites

Microsoft beendet den Verkauf eigenständiger SharePoint- und OneDrive-Lizenzen. Bis 2029 sollen Kunden auf teure M365-Suites umsteigen.

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Microsoft 365

(Bild: IB Photography / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Microsoft dreht eigenständigen SharePoint- und OneDrive-Lizenzen den Hahn zu. Konkret werden SharePoint Online Plan 1 und 2 sowie OneDrive for Business Plan 1 und 2 schrittweise eingestellt. Ab Juni 2026 können keine neuen Kunden mehr diese Pläne erwerben, bestehende Verträge laufen bis spätestens Dezember 2029.

Als Grund nennt Microsoft eine geringe Nachfrage, erhöhte Fälle von „unbeabsichtigtem oder nicht standardmäßigem Einsatz“ und höhere Betriebskosten. Was genau sich hinter der vagen Formulierung verbirgt, macht die offizielle Ankündigung nicht klar – eine Möglichkeit wäre die Nutzung der Dienste als günstiger Cloud-Speicher, statt als integrierte Kollaborationsplattform innerhalb von M365. Die betroffenen Standalone-Lizenzen kosten jeweils 5 US-Dollar (Plan 1) beziehungsweise 10 Dollar (Plan 2) pro Nutzer und Monat.

Nach dem Auslaufen sollen Nutzer auf M365-Suiten wie Business, E3 oder E5 umsteigen. Sie kosten jedoch ein Vielfaches der bisherigen Standalone-Lizenzen: Microsoft 365 E3 schlägt in der EU mit rund 36 bis 39 Euro pro Nutzer monatlich zu Buche, E5 sogar mit 57 bis 60 Euro. Hinzu kommt, dass Microsoft die Preise für diese Suiten im Juli 2026 um 5,5 bis 8,3 Prozent erhöht. Für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet das eine Kostensteigerung um das Fünf- bis Zehnfache, verbunden mit Funktionen wie Exchange oder MS Teams, die sie unter Umständen gar nicht benötigen.

Die technischen Unterschiede zwischen den betroffenen Lizenzvarianten sind beträchtlich: SharePoint Online Plan 1 bietet grundlegende Funktionen wie Dokumentenmanagement, Task-Management und 1 TByte Pool-Speicher plus 10 GByte pro Nutzer. Plan 2 ergänzt Enterprise Search, Business Intelligence, Workflow-Funktionen mit Power Automate sowie eDiscovery und Data Loss Prevention. Bei OneDrive for Business liefert Plan 1 ebenfalls 1 TByte Speicher pro Nutzer mit 15-GByte-Dateigrößenlimit, während Plan 2 unbegrenzten Speicher (ab 1 TByte, erweiterbar auf 25 TByte für MS Teams) und erweiterte Compliance-Funktionen bietet.

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Der Zeitplan für die Einstellung ist gestaffelt: Ende Mai 2026 können keine neuen Kunden mehr Lizenzen buchen, bestehende Kunden dürfen ihre aber noch verlängern. Ab Januar 2027 ist auch das nicht mehr möglich, bestehende Verträge laufen bis zu ihrem Ablauf weiter. Der vollständige Support endet im Dezember 2029. Bis dahin will Microsoft Partnern über das Tool Cloud Ascent helfen, betroffene Kunden zu identifizieren und bei der Migration zu unterstützen. Das Analytics-Tool wird bis Ende Februar 2026 aktualisiert.

Als Alternativen nennt Microsoft neben den Komplettsuiten auch Capacity Packs für zusätzlichen SharePoint-Speicher sowie Pay-as-you-go-Storage, das seit September 2025 auf der Roadmap steht und eine flexible Abrechnung bieten soll.

Die Entscheidung fügt sich in Microsofts Strategie ein, Kunden verstärkt in integrierte Suiten zu drängen, die auch KI-Funktionen wie Copilot beinhalten. Ähnliche Einstellungen einzelner Produkte gab es in der Vergangenheit mehrfach, etwa beim Office Online Server. Der Trend geht klar weg von Einzelprodukten hin zu umfassenden Abonnements. Für die Zukunft weiterer Standalone-Angebote bei Microsoft sieht es entsprechend düster aus.

(fo)