„The World Factbook“: CIA hat ein Urgestein des Internets unerwartet geschlossen
Das „CIA World Factbook“ gehörte zu den ältesten Seiten im Internet und war in dessen Anfangsjahren eine beliebte Anlaufstelle. Am Mittwoch ging es offline.
(Bild: The World Factbook)
Die CIA hat mit „The World Factbook“ eine der ältesten und vor allem bekanntesten Seiten des Internets offline genommen. Das geht aus einer Mitteilung des US-Auslandsnachrichtendiensts vom gestrigen Mittwoch hervor. Gleichzeitig wurden auch alle früheren Versionen entfernt. Klickt man auf einen Link, der zuvor funktioniert hat, landet man jetzt auf der Abschiedsseite, über die Wayback Machine des Internet Archive sind die alten Seiten aber noch abrufbar. Eine Begründung für den offenbar unangekündigten Schritt hat die CIA nicht genannt, der Geheimdienst schreibt lediglich: „Wir hoffen, dass ihr neugierig auf die Welt bleiben und Wege finden werdet, sie zu entdecken – vor Ort oder virtuell“.
Älter als die Wikipedia und Google
Das „World Factbook“ der CIA gibt es seit über 60 Jahren. Es fasst in regelmäßig aktualisierten Ausgaben grundlegende Informationen und statistische Daten für die Regionen der Welt und zudem alle Staaten zusammen. Anfangs war es geheim und für US-Regierungsangestellte gedacht, seit den 1970er-Jahren gibt es Versionen für die Öffentlichkeit. Ins Internet gelangte das Factbook schon 1994, damit ist die Datensammlung deutlich älter als die Wikipedia, als Google und als die meisten der heute noch zugänglichen Internetangebote – inklusive heise online. Sie umfasste zuletzt auch über 5000 gemeinfreie Fotos, viele davon Urlaubsbilder von CIA-Angestellten. Laut der Ankündigung wird das Factbook jetzt insgesamt eingestellt, neben der Internetfassung also auch die gedruckten Ausgaben.
Videos by heise
Über die Gründe für die Schließung der Faktensammlung kann jetzt nur spekuliert werden. Seit der Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump müssen US-Regierungsstellen teilweise drastische Sparmaßnahmen durchsetzen. Gleichzeitig ist unklar, wie häufig das Factbook zuletzt noch genutzt wurde. Noch 2020 haben die Verantwortlichen aber geschrieben, dass es sich weiterhin um eine „unverzichtbare Quelle für die US-Regierung, für Hochschulen und unzählige Privatpersonen handelt“, die sich auf eine „zeitnahe und genaue Referenzquelle über die Welt verlassen, in der wir leben“. Es werde kontinuierlich weiterentwickelt und sei „ein wesentlicher Bestandteil des Erbes der CIA“, hieß es damals. Damit ist es nun nach mehr als 60 Jahren vorbei.
(mho)