Anthropic stichelt mit Super-Bowl-Werbung gegen OpenAI – und trifft einen Nerv
Anthropic will beim Super Bowl damit werben, dass die hauseigene KI Claude keine Werbung einblendet. OpenAI-Chef Sam Altman reagiert angefasst.
(Bild: Anthropic)
Das KI-Unternehmen Anthropic hat für das Finale der US-Football-Liga NFL mehrere Werbevideos veröffentlicht, die primär versprechen, dass in die Antworten des hauseigenen KI-Chatbots Claude keine Werbung gelangen soll. Ohne dabei Namen zu nennen, fungiert die Super-Bowl-Werbung auch als Seitenhieb gegen den großen Konkurrenten OpenAI, denn in dessen ChatGPT sollen noch in diesem Monat Werbeanzeigen auftauchen. OpenAI-Chef Sam Altman hat bereits reagiert und die Werbevideos in einem mehr als 400 Worte langen Text auf X als irreführend zurückgewiesen. Anthropic selbst nennt er da gleich noch autoritär und hat sich auch damit den Ratschlag eingefangen: „Antworte niemals auf spielerischen Humor mit einem Aufsatz.“
Werbung in KI oder nicht?
Die vier jeweils eine Minute langen Clips zeigen jeweils zwei Menschen, die miteinander reden. Dass einer davon jeweils die Antworten eines KI-Chatbots darstellt, machen die kurzen Wartezeiten vor den jeweiligen Antworten und die druckreifen Formulierungen deutlich. Dann integriert die Person, die die KI darstellt, schnell mehr oder weniger naheliegende Werbung, was zu Irritation beim Gegenüber sorgt. Es folgt der eingeblendete Text: „Werbung zieht in KI ein, aber nicht in Claude.“ Altman behauptet jetzt, dass er über die Clips gelacht habe. Deren zentraler Prämisse widerspricht er aber, denn auch bei ChatGPT werde man Werbung nicht in dieser Form in die KI-Antworten einbinden: „Wir sind doch nicht dumm und wissen, dass unsere User das ablehnen würden.“
Die Clips und die Reaktion von Altman verweisen auf eine große Debatte, die gerade in der KI-Branche geführt wird. Denn während OpenAI die Einbindung von Werbung in ChatGPT seit Wochen vorbereitet, verspricht nicht nur Anthropic, darauf zu verzichten. Auch Googles KI-Chatbot und Assistent Gemini bleibt frei von Werbung, versicherte der US-Konzern vor Kurzem. Altman behauptet nun, dass Anthropic sich die Werbefreiheit nur leisten könne, weil die Firma „ein teures Produkt für reiche Leute“ anbietet. OpenAI wolle KI-Werkzeuge aber auch jenen anbieten, die dafür nicht bezahlen können. Zudem kontrolliere Anthropic noch, was Menschen mit ihren Tools anstellen könnten. Das sei ein „düsterer Weg“.
Videos by heise
Der Super Bowl gehört zu den weltweit wichtigsten Sportereignissen. Bei der 60. Ausgabe am Sonntag treffen in Santa Clara in Kalifornien die Seattle Seahawks auf die New England Patriots. Die Veranstaltung ist außerhalb der USA vor allem für ihre hochkarätig besetzte Halbzeitshow bekannt, diesmal wird der puerto-ricanische Rapper Bad Bunny auftreten. Vor dem Spiel tritt noch die Punkrockband Green Day auf. Wegen des großen Fernsehpublikums gelten die Werbeplätze während des Spiels als die teuersten in den USA, viele Konzerne lassen eigens dafür Spots drehen. Von dieser Reichweite will nun auch Anthropic profitieren.
(mho)