heise meets … „Wenn ich als CIO meinen Job behalten will, muss ich handeln"
CIOs müssen in den nächsten 12 bis 18 Monaten handeln, sonst verlieren sie den Anschluss. Das soll aus einer umfangreichen Studie hervorgehen.
Die größte deutschsprachige Studie zu generativer KI (Gen AI) in IT-Organisationen liefert ernüchternde Zahlen: 73 Prozent der befragten Unternehmen erzielen noch keinen messbaren Nutzen aus ihren Investitionen in generative künstliche Intelligenz (Gen AI).
Jennifer Diersch und Felix Salomon von der Unternehmensberatung kobaltblau haben gemeinsam mit Partnern wie Lünendonk und VOICE 230 CIOs und IT-Entscheider aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.
Im „heise meets“-Podcast erläutern sie, warum viele Unternehmen noch am Anfang ihrer Reise mit generativer Künstlicher Intelligenz (Gen AI) stehen – und was sie jetzt machen müssen. Die Studie unterscheidet vier Evolutionsstufen:
- Gen-AI-Assisted beschreibt den klassischen Einsatz als Assistent neben der Arbeit, etwa ChatGPT für E-Mails.
- Gen-AI-Orchestrated integriert die Technologie direkt in bestehende Systeme.
- Gen-AI-Integrated setzt KI für ganze Prozessketten ein.
- Die höchste Stufe bildet die AI-native IT-Organisation, in der Teile der IT-Aufgaben vollständig autonom ablaufen.
Viele Teilnehmer hätten gesagt, dass sie Copilot unternehmensweit und GitHub Copilot für Entwickler einsetzen. Außerdem habe man von ChatGPT Enterprise-Lizenzen für alle gekauft. Das seien zwar erste Schritte, sie brächten jedoch keine Produktivitätsgewinne.
Fehlende Datenqualität als größte Hürde
Die Studie identifiziert fehlende Data Governance und Datenqualität, mangelnde Skills bei Mitarbeitenden sowie regulatorische Bedenken als zentrale Bremsklötze. Besonders alarmierend sei, dass zwei Drittel der Befragten bei der größten Hürde – der Datenqualität – noch keine Maßnahmen ergriffen hätten.
Das passe nicht zusammen, sagt Diersch. Die Interviewpartner berichten, dass technisch zwar vieles möglich sei, aber die Mitarbeiter nicht ausreichend darin geschult würden, wenn die KI zwar eloquent, aber eben falsch antwortet.
Ein weiteres Problem sei die Kostenexplosion durch externe Anbieter. Salomon warnt vor der „Scheckkarten-IT-Organisation“, bei der Unternehmen teure KI-Lösungen von Dienstleistern einkaufen, ohne den erhofften Mehrwert zu erzielen.
Als Gegenbeispiel nennt er einen großen Hersteller, der zunächst DeepL für automatisierte Übersetzungen nutzte. Als die Lizenzkosten explodierten, baute das Unternehmen eine eigene Lösung und reduzierte die Kosten um das Tausendfache.
CIOs müssen jetzt die Weichen stellen
Für die erfolgreiche Skalierung von Gen AI empfehlen die Berater fünf Kernelemente, wie KI bewusst organisieren und gestalten, Grundlagen für Datenschutz und Data Governance schaffen, realistische Ambitionslevel je Capability setzen, die Rolle der IT-Organisation als Plattformbetreiber vorbereiten sowie konsequentes Upskilling und Change Management betreiben.
Die Botschaft der Studie sei eindeutig: Wer als CIO seinen Job behalten will, müsse sich mit Gen AI beschäftigen. Und zwar in den nächsten 12 bis 18 Monaten, weil die Entwicklungen so schnell vorangingen, dass man sonst den Anschluss verlöre.
Andernfalls drohe, dass das eigene Business von Wettbewerbern überholt werde. „Der CIO sollte einen festen Platz in der Geschäftsleitung haben“, sagt Salomon. Die vollständige Studie steht auf der Website von kobaltblau zum Download bereit.
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Ein vollständiges Transkript der aktuellen Podcast-Episode von heise meets gibt es unter den Shownotes bei Podigee zu lesen.
(mki)