Kehrtwende von Elon Musk: SpaceX soll jetzt doch erst zum Mond – später zum Mars
Seit über zehn Jahren erzählt Elon Musk bei jeder Gelegenheit, dass er zum Mars will und der Mond ignoriert gehört. Jetzt wechselt er die Marschrichtung.
(Bild: „Mars - August 30 2021“, CU/LASP EMM/EXI ITF/Kevin M. Gill, CC BY 2.0)
Nach mehr als einem Jahrzehnt an nicht eingehaltenen Versprechen zu bemannten und unbemannten Missionen zum Mars hat Elon Musk seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX jetzt einen Strategiewechsel verordnet und priorisiert nun den Aufbau einer Mondbasis. Das hat der Milliardär auf seinem Kurznachrichtendienst X bestätigt und den Schritt mit der Zeitersparnis begründet. Der Aufbau einer sich selbst erhaltenden Stadt auf dem Mond sei potenziell in weniger als 10 Jahren zu erreichen, „während es auf dem Mars mehr als 20 Jahre dauern würde“, hat er dort geschrieben. Man werde die Pläne für den Mars aber nicht aufgeben und „in fünf bis sieben Jahren“ mit der Errichtung einer Stadt dort beginnen.
Viele nicht eingehaltene Versprechen
Die Kehrtwende erfolgt jetzt wenige Tage nachdem SpaceX Musks KI-Unternehmen xAI geschluckt hat, das auch X betreibt. Das ist in Vorbereitung des geplanten Börsengangs geschehen, der eine Rekordsumme in die Kasse spülen soll. Zuerst hat das Wall Street Journal vor dem Wochenende darüber berichtet, nun hat Musk das bestätigt. Die US-Zeitung hat dabei aber auch darauf hingewiesen, dass Musk den Mond noch vor einem Jahr als „Ablenkung“ bezeichnet hat. „Wir fliegen direkt zum Mars“, hat er damals noch behauptet. Zudem habe das Unternehmen eigentlich noch in diesem Jahr fünf Starship-Riesenraketen zum Roten Planeten starten wollen.
Die Ankündigung von Musk muss jetzt aber auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass der Milliardär seit Jahren dafür bekannt ist, mehr oder weniger konkrete Ankündigungen zu machen, die nicht eingehalten werden. So hat Musk 2014 gesagt, „dass in zehn bis zwölf Jahren Menschen zum Mars fliegen können“. Zwar hat SpaceX in diesem Zeitraum tatsächlich die Raumfahrt revolutioniert und mit der wiederverwendbaren Falcon 9 die mit Abstand fleißigste Trägerrakete der Welt im Einsatz, aber dem Mars sind wir in dieser Zeit kein Stück näher gekommen. Eigentlich soll die Riesenrakete Starship das Material für den Aufbau einer Marskolonie ins All bringen, aber auch hier liegt SpaceX hinter dem überambitionierten Zeitplan von Musk.
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Dass Musk nun doch erst zum Mond will, passt auch zur Strategie der NASA, die mit Jared Isaacman inzwischen ein Vertrauter des Milliardärs leitet. Die will schon im März zum ersten Mal seit mehr als 53 Jahren wieder Menschen zum Mond bringen, die sollen dort aber nicht landen. Wenn bei der Mission Artemis-2 alles klappt, soll die Crew von Artemis-3 dann die Oberfläche des Mondes erreichen. Die NASA hat das Artemis-Programm immer als Vorbereitung für Missionen zum Mars bezeichnet, und jetzt schwenkt Musk auf diese Linie ein. Der Milliardär hat außerdem angekündigt, im All riesige Rechenzentren errichten zu wollen, dafür wäre der Mond ebenfalls besser geeignet.
(mho)